Ab Montag muss in Schulen regelmäßig auf Corona getestet werden

Schulbeginn in Kassel: Noch offene Fragen zum Unterricht

Eine Schülerin der Kasseler Valentin-Traudt-Schule nimmt an sich einen Covid-Schnelltest vor.
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Covid-Schnelltests sind jetzt für Präsenzunterricht Pflicht: Hier eine Aufnahme aus der Kasseler Valentin-Traudt-Schule.

Am Montag beginnt wieder die Schule. Inzwischen befinden wir uns in der dritten Corona-Welle. Das Kultusministerium hat in Hinblick auf diese Entwicklung neue Bestimmungen für hessische Schulen veröffentlicht.

Kassel – Die wichtigste Veränderung im Vergleich zum Schulbetrieb vor den Osterferien, die Kultusminister Alexander Lorz bekannt gegeben hat, lautet: Schüler und Lehrer an hessischen Schulen sollen sich künftig regelmäßig auf Corona testen. Und zwar zwei Mal pro Woche. Das geschieht freiwillig. Aber nur wer sich testet, darf am Präsenzunterricht teilnehmen.

Viele Fragen seien gerade durch diese neuen Bestimmungen und darüber hinaus noch offen, bemerken die Lehrerinnen Katja Groh und Christiane Stock vom Vorsitzendenteam der Bezirksfachgruppe Grundschule der GEW Nordhessen. Sie machen sich Sorgen um den Gesundheitsschutz von Lehrkräften und Schülern.

Von jungen Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren könne man nicht erwarten, dass sie die Tests „selbstständig und hygienisch einwandfrei durchführen“. „Was geschieht mit positiv getesteten Kindern, die schnellstmöglich von der Gruppe isoliert werden sollen? Denn, so Groh und Stock: „Wir haben keine zusätzlichen Lehrkräfte oder Hilfskräfte, die diese Kinder physisch und psychisch adäquat betreuen und versorgen, Eltern anrufen, auf deren Eintreffen warten und diese Kinder dann angemessen übergeben können.“ Diese Kinder müssten irgendwo beaufsichtigt werden. Doch das Raumproblem bestehe ja nicht erst seit Corona, es habe sich seitdem nur noch verschärft.

In einem Brief an Kultusminister Alexander Lorz fragen sie: Stellen Sie gegebenenfalls externe Container zur Verfügung und organisieren Aufsichtspersonal? Wer kümmert sich um die restlichen 20 oder mehr Kinder der Klasse, bei denen eigentlich Unterricht stattfinden sollte, falls die Lehrkraft sich um positiv getestete Kinder kümmern muss?“

Außerdem wünschen sie sich zusätzliches Desinfektionsmaterial wie Einmalwischtücher zur Desinfektion und Schutzkleidung für die Lehrkräfte.

Groh: „Wie wird die Meldung an kleinen Schulen organisiert, an denen die Schulleitung selbst im Unterricht eingesetzt ist und keine Verwaltungskraft anwesend ist?“ Auch die Frage, wer die positiv getesteten Kinder in Distanz unterrichtet sei nicht geklärt. „Die Lehrkräfte sind mit ihrem Stundenkontingent im Präsenzunterricht eingesetzt.“

Durch Testungen, Hygieneregeln, Lüften, geteilte Pausenregelung und streng organisierte Wege im Gebäude werde Zeit für den Unterricht verloren. Und auch diese Frage möchten die GEW-Vertreterinnen geklärt wissen: „Warum sollen die benutzten Tests mit dem Restmüll entsorgt werden?“ In jeder Klinik würden potenziell infektiöse Materialien mit dem Sondermüll entsorgt.

Lehrerin Katja Groh, GEW
Christiane Stock, Lehrerin (GEW)

Auch um den Datenschutz in der Schule sorgen sich die Lehrerinnen: Wenn ein Kind in der Schule positiv getestet wird, bekämen das schließlich viele mit.

Sorge bereite vielen Lehrern in Kassel zudem, dass noch nicht alle geimpft worden sind. „Der Gesundheitsschutz für uns Lehrerinnen und Lehrer läuft desolat“, sagt dazu Katja Groh.

Die Grund- und Förderschullehrer seien durchgeimpft, erklärte dazu die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Annette Knieling. Die Impfungen des Personals an weiterführenden Schulen werde fortgesetzt.

Das sagt die Leiterin des Staatlichen Schulamts in Kassel, Annette Knieling: Alle Schulen in Kassel Stadt und Landkreis wurden mit Testkits für die ersten vierzehn Tage nach Ferienende ausgestattet. Außerdem werden sie seit einem Jahr mit Masken und Desinfektionsmitteln durch das Land ausgestattet. Ich halte es für vertretbar, aus dem Schulbudget Müllbeutel oder Einmalhandschuhe anzuschaffen, falls nötig. Der Test ist grundsätzlich gut unter Anleitung in der Schule durchführbar. Sollten Kinder nicht in der Lage sein, ihn selbst durchzuführen, kann eine medizinisch geschulte Person hinzugezogen werden. Es stehen kindgerechte Erklärvideos zur Verfügung. Ich erwarte von den Lehrkräften, dass sie die Situation im Klassenraum mit pädagogischer Kompetenz souverän, motivierend und mit der nötigen Ruhe begleiten. Das gilt auch für den angemessenen Umgang mit einem positiven Testergebnis, indem man Handlungsschritte und Verantwortlichkeiten im Vorfeld für die Schule festlegt. Hier gibt es Vorgaben, auch mit Blick auf Nachtestungen etc. Es gehört auch zu den Aufgaben von Lehrkräften, Kinder und Jugendliche in einer vermeintlich schwierigen Situation aufzufangen.

Dass es gut funktionieren kann, habe ich bei einem Besuch der Valentin-Traudt-Schule erlebt. Durch die Testungen gewinnen wir in Kombination mit weiteren Maßnahmen ein höheres Maß an Sicherheit und Normalität im Umgang miteinander. Hier von Zeitverlust oder Mehrarbeit zu sprechen, finde ich im gesundheitlichen Interesse aller unangemessen.

Hintergrund

An hessischen Schulen gilt vom kommenden Montag an eine Corona-Testpflicht für Lehrer und Schüler. Tests sind Voraussetzung für die weitere Teilnahme am Präsenzunterricht.

Wer kein negatives Testergebnis vorweisen kann, muss im Homeschooling bleiben. Ansonsten bleibt es bei den bisherigen Regelungen:

Wechselunterricht: Die Jahrgangsstufen 1 bis 6 werden im Wechselunterricht, die Jahrgänge ab Klasse 7 im Distanzunterricht und die Abschlussklassen im Präsenzunterricht beschult. Erst wenn es die Lage der Pandemie zulasse, könnten weitere Klassen in den Präsenzunterricht zurückkehren, so Kultusminister Lorz.

Tests: Zweimal pro Woche sollen sich Lehrer und Schüler künftig testen. Dies könne nach den Worten des Kultusministers auf zwei Wegen erfolgen: Entweder wird ein negativer Test mitgebracht und vorgezeigt, oder die Tests erfolgen in der Schule vor Unterrichtsbeginn. Die Landesregierung haben ausreichend Tests gelagert, damit die Testpflicht an Schulen umgesetzt werden könne. Wenn sich Lehrer oder Schüler vor dem Unterricht testen wollen, erhalten sie den Test in der Schule.

Wird ein Nachweis über ein negatives Testergebnis, zum Beispiel aus einem Testzentrum, mitgebracht, darf dies nicht älter als 72 Stunden sein.

Abitur: Die regulären Abiturprüfungen finden, ab dem 21. April statt. Prüflinge erhalten vor jeder Prüfung die Möglichkeit eines freiwilligen Selbsttests. Auch Schüler, die ihn nicht machen möchten, können an der Prüfung teilnehmen, müssen dann aber eine medizinische Maske tragen.

Inzidenz: Hessens Kabinett hat sein Eskalationskonzept angepasst. Jetzt ist es bereits ab einer Inzidenz von 100 – statt bislang ab 200 – möglich, weitere Maßnahmen vorzunehmen. (Christina Hein)

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