Schere auf Ausbildungsmarkt schließt sich noch nicht – Fachkräftemangel ist in Sicht

Lehrstellen: Deutlich mehr Bewerber als Angebote

Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt.

Kassel. Die Schere zwischen Bewerbern für eine Ausbildung und vorhandenen Lehrstellen scheint in der Region in diesem Jahr entgegen der Erwartung wieder auseinanderzugehen. Derzeit stehen im Bereich der Arbeitsagentur Kassel 4177 gemeldeten Bewerbern lediglich 3177 Ausbildungsplätze gegenüber.

Damit ist die Zahl der Bewerber Stand Ende Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt um zehn Prozent gestiegen, die der Lehrstellen jedoch um knapp fünf Prozent gesunken.

Wie sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bis Ende September darstellt, wenn das neue Ausbildungsjahr beginnt, ist zwar noch offen. Grundsätzlich führt Detlef Hesse, Chef der Arbeitsagentur Kassel, die gestiegene Bewerberzahl vor allem darauf zurück, dass man intensive Akquise bei den jungen Leuten betrieben habe. „Wir haben mehr Schüler in der Kartei.“ Da man auch versuche, Abiturienten für Ausbildungsberufe zu werben, machten sich zudem die Doppeljahrgänge bemerkbar.

Einige Unternehmen seien hingegen derzeit offenbar zurückhaltender. Unter anderem könne das in Kassel mit den aktuellen Unwägbarkeiten in der Solarbranche aufgrund der Einschnitte bei der Förderung zusammenhängen. Außerdem gebe es im Handwerk Betriebe, die nicht jedes Jahr ausbilden. Hesse appelliert angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels immer wieder an die regionalen Unternehmen, ihre Mitarbeiter von morgen auszubilden, um in einigen Jahren nicht in die Röhre zu gucken.

2012 und 2013 seien durch die G8 letztmalig hohe Schulabgängerzahlen zu erwarten. „Danach wird es wie ein Hammerschlag kommen, und die Betriebe werden händeringend nach Bewerbern suchen“, sagt auch Silke Sennhenn von der Arbeitsagentur. Nach Angaben des Statistischen Landesamts wird die Zahl der Schulabgänger in der Stadt Kassel bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent im Vergleich zum Stand von 2009 abnehmen. Im Landkreis wird ein Rückgang von zehn bis 20 Prozent prognostiziert.

Verhältnis kehrt sich um

Dann wird sich die Schere zwischen Bewerbern und zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätzen also schließen und vermutlich mittelfristig in die andere Richtung öffnen. Noch vor wenigen Jahren herrschte ein eklatanter Mangel an Lehrstellen (siehe Grafik). Inzwischen sei das Rennen um gute Auszubildende bereits im Gange, sagt Detlef Hesse. Gerade große Unternehmen würden teilweise schon anderthalb Jahre vor Beginn der eigentlichen Ausbildung mit der Bewerberauswahl starten. Das bedeutet auch, dass Jugendliche, die einen bestimmten Berufswunsch haben, sich frühzeitig kümmern sollten.

Einige Branchen spüren den Nachwuchsmangel schon jetzt deutlich. Im IT-Bereich seien in der Region derzeit bereits 200 bis 300 Ausbildungsstellen nicht besetzt, schätzt Ulrich Wüst vom IT-Netzwerk Nordhessen. DAS SAGT

Von Katja Rudolph

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