Stadt liegt hinter Zeitplan

Noch wird zu wenig in Kassel gebaut - 8000 neue Wohnungen bis 2030 nötig

Wohnen in Kassel wurde teurer: In den vergangenen Jahren sind die Mieten deutlich gestiegen. Jüngst war die Entwicklung allerdings nicht mehr so rasant.
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Wohnen in Kassel wurde teurer: In den vergangenen Jahren sind die Mieten deutlich gestiegen. Jüngst war die Entwicklung allerdings nicht mehr so rasant.

Mehr Zuzug und immer kleiner werdende Haushalte sorgten dafür, dass der Wohnraum in Kassel knapp wurde. Dies hat Mieten wie Preise für Wohneigentum in den vergangenen zehn Jahren stark steigen lassen.

Kassel - Bei den Kaufpreisen gab es in der Zeitspanne sogar eine Verdoppelung. Damit die Mieten nicht weiter stark steigen, will Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) den umstrittenen Mietspiegel 2022 auf den Weg bringen. Zudem soll mehr Wohnraum entstehen. Von ihrem Ziel, 8000 Wohnungen bis 2030 zu schaffen, ist die Stadt noch weit entfernt.

Stadtbaurat Nolda räumte im HNA-Interview ein, dass die Zielmarke bei den Neubauwohnungen mit dem bisherigen Tempo nicht erreicht werden kann. Zwischen 2017 und 2020 schwankte die Zahl der jährlichen Baufertigstellungen in Kassel zwischen 164 und 683 Wohnungen. Mehr als 800 wären pro Jahr nötig. Nolda verwies aber auf mehrere Wohnbau-Großprojekte, die kurz vor der Umsetzung seien. Er zählte dazu jene auf dem Gelände der ehemaligen Jägerkaserne (450 Wohnungen), der Salzmannfabrik (500 Wohnungen) und des ehemaligen Versorgungsamtes an der Frankfurter Straße (350 Wohnungen).

Nachdem der Stadtbaurat lange Zeit einen Mietspiegel abgelehnt hatte, will er dessen Erstellung nun beschließen lassen. Dafür sucht er noch politische Unterstützung. Durch eine verlässliche Datenbasis mit Vergleichsmieten könne Mietwucher bekämpft werden. Ohnehin werde eine Mietspiegelpflicht für Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern auf Bundesebene diskutiert.

Der Mieterbund Nordhessen indes ist – anders als dessen Bundesverband – weiter gegen einen Mietspiegel. Aufgrund von Bundesvorgaben bilde dieser nur die Mietverträge ab, die in den vergangenen sechs Jahren geschlossen wurden. Günstige Alt-Mieten blieben unberücksichtigt, so Geschäftsführer Maximilian Malirsch. Dies verzerre das Bild und liefere die Grundlage für weitere Erhöhungen.

Im Herbst will die Stadt ein Wohnraumversorgungskonzept vorlegen, das ein Institut erarbeitet hat und Vorschläge für Kassels Wohnungspolitik beinhaltet. (Bastian Ludwig)

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