Geschäftsführer der Kasseler SPD

Abschied einer roten Socke: Norbert Sprafke geht in Ruhestand

Er trägt gern rote Socken und hat mindestens 20 Paar im Schrank: Norbert Sprafke hat am heutigen 1. Mai als Geschäftsführer der Kasseler SPD seinen letzten Arbeitstag. Im Ruhestand will er sich weiterhin politisch engagieren, als Ortsvorsteher von Wehlheiden und als Stadtverordneter. Foto:  Malmus

Kassel. Er hat am 1. Mai 1994 angefangen und der 1. Mai 2015 wird sein letzter Arbeitstag als Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Kassel-Stadt sein.

„Alte Arbeitertradition“, kommentiert Norbert Sprafke dieses Datum. Mit seinem Eintritt in den Ruhestand wird der 65-Jährige mit der Politik aber nicht aufhören. Bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr will er noch mal für den Ortsbeirat Wehlheiden und die Stadtverordnetenversammlung kandidieren.

Sprafke stammt aus einer Arbeiterfamilie. „Alter sozialdemokratischer Adel. Mein Großvater Otto war schon preußischer Stadtverordneter.“ Bei dem Kneipier, der das „Gewerkschaftshaus Sprafke“ in Demmin (Vorpommern) betrieb, trafen sich die Genossen. „Eigentlich waren die Kneipenwirte unbezahlte Parteisekretäre“, sagt Sprafke.

Aber nicht nur die Familie habe ihn dazu gebracht, 1966 in die SPD einzutreten. „Ich hatte ein Interesse daran, die Verhältnisse zu ändern“, sagt Sprafke, der als Arbeiterkind studieren wollte. Er ging an die Gesamthochschule Kassel und studierte Sozialarbeit und Germanistik. Anschließend arbeitete er als Sozialarbeiter bei der Heilsarmee. Bis er 1980 Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Horst Peter wurde. Sprafke betreute den Wahlkreis von Kassel aus in der SPD-Zentrale an der Humboldtstraße. Als Peter 1994 nicht mehr kandidierte, zog Sprafke ins Büro zwei Etagen tiefer und wurde Geschäftsführer der SPD.

Das Alltagsgeschäft eines Geschäftsführers bestehe aus Verwaltung, der Kasse und der Organisation der Gremien. „Spannend sind die Parteitage und Wahlkämpfe“, sagt Sprafke. Ihm sind mehrere Bundestagswahlkämpfe der SPD gut in Erinnerung geblieben: 1972 wegen Willy Brandt, 1980 wegen Horst Peter und 2002, weil 10 000 Menschen Gerhard Schröder auf dem Königsplatz zujubelten und ihn wie einen Popstar feierten. Sein „allerbester Wahlkampf“ sei aber der erste von Bertram Hilgen gewesen. „Dafür habe ich zehn Jahre trainiert“, sagt Sprafke. Hausbesuche und Telefonaktionen gehörten damals zur Wahlkampftaktik der SPD. Das zahlte sich aus. Hilgen wurde 2005 zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt.

Eine Sache macht Sprafke zunehmend Sorgen: Der Mitgliederschwund wirke sich auch auf die finanzielle Lage der Parteien aus. Die Kasseler SPD hatte vor 21 Jahren noch 3500, heute noch 1500 Mitglieder. Heutzutage seien Parteien kaum noch in der Lage, Wahlkämpfe allein zu tragen. Eine Sache will sich Sprafke, der eine Lebensgefährtin hat, im Ruhestand aber auf alle Fälle leisten: Eine Dauerkarte für seinen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach. „Das ist der einzige Fall, wo ich Schwarz-Grün liebe.“

Ansonsten steht er nur auf Rot, bevorzugt auf rote Socken.

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