An der Mombachstraße

100-Tage-Projekt zur documenta: Kassels Lalaland bietet Schlafplatz mit Kunstflair

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Grüne Wiese wird zum Zeltplatz: Magnus Ruchhöft (links) und Nico di Carlo wollen auf dem Gelände an der Mombachstraße, das bislang von einem Autohandel genutzt wurde, günstige Schlafplätze zur documenta bieten. Der Bauwagen wird zum Kiosk umfunktioniert.

Nord-Holland. Im Lalaland günstig übernachten, im Kleinen Onkel alternative Kunst und Kultur genießen und feiern: Das bietet ein neues Projekt an der Mombachstraße während der 100 documenta-Tage.

Die Hotels in Kassel sind zur documenta weitgehend ausgebucht – und für viele Studenten und andere kunstinteressierte junge Leute ohnehin kaum erschwinglich. Damit auch ein junges, alternatives Publikum mit schmalem Geldbeutel während der Weltkunstschau einen Schlafplatz findet, entsteht an der Mombachstraße gerade das „Lalaland“.

Dahinter verbirgt sich ein Projekt von Magnus Ruchhöft und Nico di Carlo von der Agentur Rokkeberg. Auf dem Gelände rund um das sogenannte „Haus“, das bis vor einem Jahr von einer Kulturinitiative bespielt wurde, wollen sie am 10. Juni eine Art alternative Herberge mit angeschlossenem Kulturbetrieb eröffnen. „Pennen, feiern und andere Kulturinteressierte treffen“, bringen die beiden Mittdreißiger ihr Konzept auf den Punkt.

Auf einem Grundstück, das bislang von einem Autohandel als Stellfläche genutzt wurde, soll eine Art Campingplatz angelegt werden. Dort kann man ab 10 Euro pro Nacht zelten oder mit Schlafsack und Isomatte auf einer überdachten Fläche übernachten. Wer ein wenig mehr Komfort sucht, kann ein Bett im Container-Schlafsaal buchen oder ein tipiartiges Spitzzelt mieten. Die Container für Schlafsaal und Sanitäranlagen und ein Bauwagen, der als Kiosk und Snack-Bar umfunktioniert wird, sollen von Graffiti-Künstlern aus aller Welt gestaltet werden.

Das Lalaland werde 50 bis 60 Schlafplätze bieten, sagt Nico di Carlo (36), der sich in Kassel bereits mit dem Café Rokkeberg und der King Schulz Bar einen Namen gemacht hat. Den Titel „Lalaland“ des gleichnamigen Musical-Films, der dieses Jahr bei den Oscars abräumte, haben sich die Kasseler für ihr neues Projekt mit einem Augenzwinkern geborgt: „Wir bieten ja gerade einen Kontrast zum Hochglanzprogramm“, sagt di Carlo. „Hier kommt keiner mit dem Serviettchen an den Tisch.“

Heruntergekommener Charme gehört zum Konzept: Das ehemalige „Haus“ an der Mombachstraße wird für 100 Tage zum Club „Kleiner Onkel“, in dem Aktionskunst und Konzerte stattfinden sollen.

Einen originellen Namen haben sich die Initiatoren auch für den geplanten Club im ehemaligen „Haus“ einfallen lassen: Im „Kleinen Onkel“, benannt nach Pippi Langstrumpfs Pferd, sollen Konzerte und Aktionskunst stattfinden. Lokale und internationale DJs, Bands und Künstler sollen nicht nur die Gäste aus dem Lalaland, sondern auch einheimisches und documenta-Publikum anlocken – bei Eintrittspreisen bis fünf Euro. „Uns geht es nicht um Kommerz“, sagt di Carlo, der wie Ruchhöft aus Kassel stammt: „Wir wollen der Stadt etwas zurückgeben.“

Wichtig ist den Organisatoren, dass es im „Kleinen Onkel“ nicht nur ums Feiern geht. „Es soll ein kultureller Standort werden“, betonen sie. Dafür habe in der Vergangenheit die Kulturinitiative für das „Haus“ den Grundstein gelegt.

Wie berichtet, war im vergangenen Jahr kein neuer Mietvertrag zustande gekommen. Wie es nach dem 100-Tage-Projekt weitergeht, ist noch offen. Die Interimsmieter hoffen, dass auch nach der documenta wieder eine kulturelle Nutzung für das Haus zustande kommt. 

Zur Eröffnung findet am Samstag, 10. Juni, ein Tag der offenen Tür auf dem Gelände an der Mombachstraße 47-51 statt.

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