Schulleiterin

Die Kapitänin geht: Lydia Gundlach verlässt die Kasseler Schule Hegelsberg

Von Christina Hein

Abschied: Lydia Gundlach war 13 Jahre lang Schulleiterin der Schule Hegelsberg in der Nordstadt.

Lydia Gundlach verabschiedet sich nach fast 13 Jahren als Leiterin der Schule Hegelsberg. Sie geht in den Ruhestand.

Kassel – Unaufgeregtheit, Augenmaß und eine große Portion an Lebensklugheit. Das sind Attribute, die einem bei Lydia Gundlach in den Sinn kommen, will man ein Porträt von ihr zeichnen. Dazu passt ihre Lebenseinstellung: offen gegenüber anderen Menschen und Neuem zu sein, immer wieder dazulernen und nicht träumen, sondern leben. Das hatte sie uns zu Beginn ihres Antritts als Leiterin der Schule Hegelsberg verraten. Heute, nach fast 13 Jahren an Deck der kooperativen Gesamtschule in der Nordstadt, verabschiedet sie sich in den Ruhestand.

Statt zu träumen, hat Lydia Gundlach mit der ihr eigenen Warmherzigkeit Pragmatismus walten lassen. Mutig die Dinge angehen und keine Angst haben, auch mal Fehler zu machen, sei ihre Devise gewesen, als sie das Amt von ihrem langjährigen Vorgänger, Stefan Appel, übernommen hatte. Davor war die 65-jährige Kasselerin, die in Göttingen Gymnasiallehramt in den Fächern Deutsch, Sport und Geschichte studiert hatte, an der Konrad-Duden-Schule in Bad Hersfeld Gymnasialzweigleiterin.

Alte Schule: Die Hegelsbergschule soll sich mit dem geplanten Neubau an der Fiedlerstraße von der kooperativen zur integrierten Gesamtschule wandeln.

Gleich zu Beginn habe sie eine andere Konferenzkultur und mehr Mitsprache innerhalb des Kollegiums eingeführt, eine neue Rhythmisierung des Unterrichts war ihr wichtig und die Etablierung bestimmter Fächer wie Ethik.

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Es sei ihr stets ein Anliegen gewesen, zuerst auf die Bedürfnisse der Schüler zu achten, und den schulischen an den gesellschaftlichen Alltag anzupassen: „Besonders an diesem Standort.“ An der Hegelsbergschule mit seiner 550-köpfigen heterogenen Schülerschaft aus 50 Nationen und insgesamt 90 Prozent mit migrantischem Hintergrund, vielen Geflüchteten mit traumatischen Erlebnissen, gebe es viele Seiteneinsteiger sowie inklusiv zu beschulende Kinder mit Förderbedarfen. „Man benötigt Fingerspitzengefühl, um unsere Kinder optimal zu fördern und dabei nicht zu überfordern.“ Es sei ihr darum gegangen, jedes Kind als Persönlichkeit zu sehen, und sie habe Wert darauf gelegt, in jeder fünften Klasse zu unterrichten, um jede Schülerin, jeden Schüler persönlich kennenzulernen.

In der Schule dürfe es nicht um pure Wissensvermittlung gehen. „Wir müssen die Kinder lernfähig bekommen, dafür müssen ihre Köpfe ein bisschen frei sein.“ In den Wahlpflichtfächern habe man so manches unbekannte, etwa musische Talent, entdeckt. „Schule soll auch Spaß machen“, so Gundlach.

Man habe Lernzeiten in der Schule eingeführt sowie, soweit möglich, Doppelsteckungen, also zwei Lehrkräfte in einer Gruppe. Es sei gelungen, den Trend der sinkenden Schülerzahlen zeitweise umzukehren, unter anderem mit der Einführung einer gymnasialen Eingangsklasse. Doch seitdem alle Gymnasien wieder auf G 9 und damit auf mehr Zeit bis zum Abitur umstellten, „sind wir nicht mehr so attraktiv“.

Vieles, von dem, was wir uns pädagogisch überlegt haben, bedarf einer besseren räumlichen und medialen Ausstattung. „Ich hatte in meinem Büro nicht mal einen Internetzugang“, sagt Gundlach. Deshalb freue sie sich über die Pläne für einen Neubau an der Fiedlerstraße. „Auch wenn ich das nicht mehr als Schulleiterin erleben darf.“ Dafür habe sie jetzt einen berührenden Abschied erlebt. Demnächst werde sich bei ihr auch weiter Vieles um Kinder drehen: um ihre fünf Enkel im Alter zwischen 7 bis 18 Jahren. „Ich will wieder mehr Zeit mit der Familie und Freunden verbringen.“ Mehr Sport will sie machen, lesen und: einen Kurs in Blumensteckkunst belegen. (Christina Hein)

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