Kritik: Strich falsch gezogen

Ärger über neue Grenzen der Straßenprostitution in der Nordstadt

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Prostitution an der Wolfhager Straße: Der Straßenstrich ist verkürzt worden, legal ist die Straßenprostitution nur noch im Bereich zwischen Hoffmann-von Fallersleben-Straße und Erzbergerstraße sowie im Westring. Unser Bild entstand an der Ecke Westring.

Die Wolfhager Straße in der Nordstadt ist seit jeher bekannt als Kassels Straßenstrich. Kürzlich hat die Stadt den Bereich, in dem die Prostitution dort erlaubt ist, verkleinert.

Seitdem dürfen Prostituierte nur noch zwischen Hoffmann-von-Fallersleben-Straße (Feuerwache) und Erzbergerstraße öffentlich ihre Dienste anbieten. Zuvor ging der Straßenstrich bis zur Reuterstraße.

In der Nordstadt gibt es Kritik an den neuen Grenzen. „Der Schwerpunkt wird damit an die falsche Stelle verlagert“, sagt Ortsvorsteherin Monika Sprafke (SPD). Sie ärgert sich, dass die Veränderung vorgenommen wurde, ohne den Ortsbeirat im Vorfeld zu informieren, geschweige denn miteinzubeziehen. „Das ist für den Stadtteil eine wichtige Sache, da kann man uns doch nicht einfach übergehen“, findet die Ortsvorsteherin.

Sie kann nicht nachvollziehen, warum ausgerechnet der untere Teil der Straße für die Prostitution geöffnet bleibt. „Da ist doch das meiste Leben.“ Unter anderem entstehen an der Ecke Sickingenstraße derzeit Studentenwohnungen mit 100 Plätzen. Im oberen Bereich der Wolfhager Straße bis zur Reuterstraße hingegen, der jetzt nicht mehr zum legalen Straßenstrich gehört, gebe es kaum Wohnbebauung - und daher weniger Störpotenzial durch die Prostitution, sagt Sprafke.

Auch die Polizei hätte die Begrenzung des Straßenstrichs auf den oberen Bereich bevorzugt. Grundsätzlich befürworte man die Verkleinerung des Straßenstrichs, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Das erleichtere die Überschaubarkeit und Kontrolle. Problematisch sei allerdings, dass die Bordelle an der Wolfhager Straße 61 und 71 jetzt in dem Bereich liegen, in dem die Prostitution verboten ist, sagt Jungnitsch. Die Frauen müssten bis zum legalen Strich etwa 300 Meter an der Straße entlanglaufen. Wenn auf dem Weg dorthin jemand anhalte und die Prostituierte einsteige oder ein Geschäft vereinbare, sei das jetzt illegal. „Der Nachweis solcher Verstöße wird sich aber vermutlich schwierig gestalten“, sagt Jungnitsch.

Monika Sprafke

Bei der Entscheidung für die Verkleinerung des Straßenstrichs sei es der Stadt darum gegangen, das Schillerviertel zu fördern, sagt Rathaus-Sprecher Ingo Happel-Emrich. Kulturschaffende, kleine Unternehmen und Gästehäuser hätten zu einer Belebung des Quartiers geführt. „Dieser positiven Entwicklung standen die negativen Veränderungen auf dem Straßenstrich entgegen“, sagt Happel-Emrich. Insbesondere im Bereich zwischen Reuter- und Erzbergerstraße seien Prostituierte zuletzt extrem aufdringlich und bisweilen nötigend aufgetreten.

Ganz verbieten könne die Stadt den Straßenstrich nicht. Bei der Auswahl des dafür zulässigen Bereichs müsse man auch darauf achten, dass dieser von Freiern und Prostituierten angenommen werde. Sonst würden die Frauen in die Illegalität getrieben. „Unter diesen Gesichtspunkten war die jetzt vorgenommene Änderung die bestmögliche Lösung“, sagt der Stadtsprecher.

Im Ortsbeirat Nord-Holland steht am Donnerstag, 28. Mai, das Thema auf der Tagesordnung (19 Uhr, Philipp-Scheidemann-Haus).

In drei Straßen erlaubt

Die Stadt Kassel hat Ende April den Zuschnitt des legalen Straßenstrichs verändert. Als Sperrbezirk bezeichnet man das Gebiet, in dem Prostitution verboten ist. Die Straßenprostitution ist jetzt nur noch in drei Bereichen zulässig: An der Wolfhager Straße zwischen Hoffmann-von-Fallersleben und Erzbergerstraße. (Zuvor war die Prostitution bis zur Reuterstraße erlaubt.) Am Westring unverändert von der Wolfhager Straße bis zum Knick in Höhe Rewe-Markt, ca.100 Meter vor der Einmündung zur Holländischen Straße. An der Schillerstraße von Joseph-Beuys-Straße bis zur Uferstraße. (Bisher nur bis zur Brandaustraße).

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