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Nordstadt-Projekt „Hier im Quartier“ steht vor dem Aus - Oder finden sich neue Sponsoren?

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Von: Katja Rudolph

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Hat das letzte Stündlein des Projekts „Hier im Quartier“ geschlagen, das vier Jahre lang im Kasseler Norden für Furore gesorgt hat? Wir sagen, welche Chancen zur Rettung es noch gibt.

Nord-Holland – Die Uhr auf dem Rollladen-Graffiti am Quartiersbüro im Westring steht bereits auf fünf vor zwölf: Die verbleibende Zeit des Projekts „Hier im Quartier“ ist gezählt. Im Oktober 2018 war das soziokulturelle Projekt unter Regie des Kulturzentrums Schlachthof gestartet. Nun läuft die Förderung aus dem Bundesprogramm Utopolis aus.

Man blicke auf „vier Jahre gelebte Nachbarschaft“ zurück, sagt Mirko Zapp, Geschäftsführer des Schlachthofs. In diesen Tagen finden die letzten Veranstaltungen des Projekts statt, das seinen Schwerpunkt in der Nordstadt hatte, aber auch bis ins Wesertor und Rothenditmold wirkte. „Wir sind schon ein bisschen melancholisch“, sagt Gerrit Retterath. Mit Tanja Simonovic und Kati Schreiber gehört er zum nun scheidenden Hier-im-Quartier-Team.

Mit insgesamt 540 Veranstaltungen gab es im Schnitt jeden dritten Tag Programm im Quartier. Mehr als 7000 Menschen wurden mit den Angeboten erreicht, die von rund 100 Kulturschaffenden mitgestaltet wurden. Die Idee des Projekts: Bewohnerinnen und Bewohner in den sozial schwachen Stadtteilen durch gemeinsame Kunst- und Kulturworkshops zusammenbringen und mit künstlerischen Mitteln über Anliegen in der Nachbarschaft ins Gespräch kommen.

Die Bandbreite reichte dabei vom Bau einer Sperrmüllskulptur mit Kindern auf dem Aktivspielplatz Quellhofstraße über selbst gezimmerte Pflanzkisten in Parklücken an der Henkelstraße bis zu einer Kreativreihe mit somalischen Frauen.

Mehr als die Hälfte des Projektzeitraums fiel in die Pandemie, was für das Begegnungsprojekt erst mal ein Schock war. Das Quartiersteam machte das Beste daraus mit Angeboten wie einem Online-Kurs im Beatboxen, bei dem man allein mit dem Mund Schlagzeug- und andere Geräusche imitiert. Oder der künstlerischen Gestaltung von verwaisten Plakatwänden im Stadtteil, die auch mit Hilfetelefonnummern versehen wurden. Auch die zum Mitnehmen aufgehängten „Kulturbeutel“, die in der ereignislosen ersten Coronazeit kreative Mitmachangebote und Beschäftigungsideen lieferten, waren ein Renner im Kasseler Norden.

Die frischen Formate sprachen dabei nicht nur junge Leute an. Die Altersspanne der Teilnehmenden reichte von 10 bis 87 Jahren, sagt Gerrit Retterath.

Ende des Jahres läuft das Projekt im bisherigen Rahmen aus. Alle Bemühungen um eine andere Folgefinanzierung waren bislang erfolglos, bedauert Geschäftsführer Zapp. Pro Jahr wären mindestens 60 000 bis 70 000 Euro nötig – rund ein Drittel weniger als bisher. „Die Aufbauarbeit ist geleistet, vieles steht, und viele Kontakte sind geknüpft“, sagt Mirko Zapp. Darauf würde man gern weiter aufbauen – auch in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern. Vieles sei in den vergangenen vier Jahren im Quartier bewegt worden, sagt Zapp: „Aber es braucht Kümmerer und Orte, um das am Leben zu erhalten.“

Termin: Am Samstag, 29. Oktober, 15 bis 19 Uhr, findet im Quartiersbüro am Westring 73 ein Workshop mit Künstlerin Sarah Metz statt. Gemeinsam sollen Ideen gesammelt werden, wie das Gute von Hier im Quartier bewahrt werden kann. Anmeldung: hallo@hier-im-quartier.de

 Mirko Zapp vom Kulturzentrum Schlachthof (links) und die Projektmitarbeiter Gerrit Retterath und Tanja Simonovic vor der dem Büro von Hier im Quartier am Westring.
Nachbarschaftsarbeit mit künstlerischen Mitteln: Mirko Zapp vom Kulturzentrum Schlachthof (links) und die Projektmitarbeiter Gerrit Retterath und Tanja Simonovic vor der dem Büro von Hier im Quartier am Westring. © KATJA RUDOLPH

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