Theaterbetrieb wird Ende September eingestellt

Lärmbeschwerde: Studio Lev muss Halle im Schillerviertel räumen

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Mistet aus: Svenja Schröder, Geschäftsführerin des Studio Lev, bietet wegen der anstehenden Räumung Kostüme, Möbel und Material aus dem Theaterfundus auf Flohmärkten an.

Kassel. Erst im März hatte der Kunstverein Studio Lev mit der alten Lagerhalle im Grüner Weg im Schillerviertel eine feste Spielstätte gefunden. Jetzt muss der Verein wegen mangelnder Schalldämmung die Halle räumen. Der Raum für die freie Kunstszene in Kassel ist knapp.

Eigentlich hätten bis Ende des Jahres noch mindestens 30 Veranstaltungen in der zur Studiobühne umfunktionierten alten Lagerhalle im Grüner Weg im Schillerviertel stattfinden sollen – Theater, Musical, Kunstworkshops. Nun muss das Studio Lev, ein Verein für musikalische Bühnenprojekte von und mit Jugendlichen, bis Ende September die Spielstätte räumen.

Erst im März hatte der Verein nach acht Jahren mit der ehemaligen Tresorfabrik erstmals eine feste Spielstätte gefunden. Im Mai feierte dort das Musical „Hedwig and the angry Inch“ Premiere. Doch schon während der Proben im April kam es zu Problemen. Anwohner hatten sich über den Lärm beklagt und Anzeige erstattet.

Svenja Schröder, Geschäftsführerin des Studio Lev, beauftragte daraufhin das Akustikbüro Göttingen damit, Schallmessungen vorzunehmen, um die Quelle des Lärms zu identifizieren. „Wir haben damit gerechnet, dass die Fenster oder Türen das Problem sind.“ Tatsächlich ist es jedoch das Dach der Halle, das erst vier Jahre zuvor erneuert worden war. Der Eigentümer der Halle hatte damals einen harten Kunststoff verarbeiten lassen, der besonders energieeffizient und wärmedämmend ist. Dieser ist aber auch lärmdurchlässig. Für eine gute Schalldämmung benötigt man weicheren Kunststoff, der die Lautstärke absorbiert.

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Um die Schallschutzforderungen zu erfüllen und weiterhin Veranstaltungen in der Halle ausrichten zu dürfen, müsste die Dämmung entweder nachgebessert oder das Dache komplett neu gedeckt werden, hieß es von der Bauaufsicht.

„Das würde je nach Variante zwischen 45 000 und 75 000 Euro kosten“, sagt Schröder. Bei einem Jahresumsatz von circa 30 000 Euro für den Verein unmöglich zu stemmen. „Wir haben auch über Crowdfunding nachgedacht, aber dadurch bekämen wir nicht genug zusammen.“

Einige vereinseigene Veranstaltungen konnten auf andere Bühnen verlegt werden. Insgesamt musste das Programm jedoch stark reduziert werden. Externe Künstlergruppen, die im Studio Lev aufgetreten wären, stehen mit ihren Produktionen auf der Straße.

Eine dauerhafte Lösung für das Studio Lev gibt es ebenfalls nicht. „Die Raumsituation für die freie Kunstszene in Kassel ist schlecht.“ Das weiß auch die neue Kulturdezernentin Susanne Völker. „Die Stadt Kassel hat dies im Fokus und arbeitet an dem Thema.“ 

Das Studio Lev mistet derweil aus. Am 2. September findet an der Halle ab 11 Uhr der nächste Flohmarkt statt, auf dem Kostüme, Möbel, Requisiten, Bücher, Stoffe und Scheinwerfer angeboten werden. Material, das der Verein erst im Frühjahr für den neuen Standort angeschafft hatte.

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