Bei Rassismus sieht er Rot

Neuer Ortsvorsteher: Ali Timtik ist eine Institution in der Nordstadt

„Politik ist mein Leben“: Ali Timtik ist der erste Ortsvorsteher in Nord-Holland mit ausländischen Wurzeln.
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„Politik ist mein Leben“: Ali Timtik ist der erste Ortsvorsteher in Nord-Holland mit ausländischen Wurzeln.

Nord-Holland – Ali Timtik ist kein Mann der langen Worte, aber einer mit tiefen Überzeugungen. Der 55-Jährige ist jetzt neuer Ortsvorsteher in der Nordstadt.

Zusammenhalt ist Timtik wichtig, der parteilos ist, aber seit 2015 für die Linken im Ortsbeirat sitzt. So appellierte der frisch gewählte Ortsvorsteher der Nordstadt an seine Kollegen, die fast ausnahmslos neu in dem Stadtteilgremium sind: „Wir haben viele Probleme, aber wenn wir gemeinsam etwas machen, werden wir auch was erreichen.“

Ali Timtik ist in der Nordstadt bekannt wie ein bunter Hund – auch, weil er ein Bistro am Westring hat, das den ebenso schlichten wie treffenden Namen hat: „Bei Ali.“ Bei Ali trifft man sich, klönt, lacht, diskutiert (der Gastwirt am liebsten über Politik, auch die seines Herkunftslandes). Auch streiten kann man mit ihm. Gastfreundschaft und Gemeinschaft haben bei Timtik aber Grenzen – im Lokal wie in der Politik: Bei „Rassisten, Nazis und Nationalisten“, sagt er, habe er null Toleranz. Deshalb sei er froh, dass die AfD nicht in der Nordstadt angetreten sei.

Der aus dem Osten der Türkei stammende Mann, der ethnische Wurzeln in der Volksgruppe der Armenier und Bachtiaren hat, flüchtete vor 35 Jahren nach Deutschland und wurde als politischer Flüchtling anerkannt. Heute hat er die deutsche Staatsbürgerschaft. „Kassel ist meine Heimat“. sagt Timtik, „und die Nordstadt mein Stadtteil“.

In den vergangenen fünf Jahren war er stellvertretender Ortsvorsteher neben dem Grünen Hannes Volz. Der trat diesmal nicht erneut für den Posten an. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit setzte Timtik sich bei der Wahl gegen Johannes Knöfel von der SPD durch.

Soziale Gerechtigkeit sei ihm wichtig, sagt Timtik. In der Nordstadt gebe es bittere Armut. Es gebe viele Familien, die kein warmes Wasser haben. Die steigenden Mieten im Stadtteil machen ihm Sorgen. Und die Vorurteile und Spannungen, die zwischen verschiedenen Nationalitäten im Stadtteil herrschen. Im Verein Streetbolzer, wo er sich im Vorstand engagiert, erlebt er, wie Jugendliche, die sich früher prügelten, Freunde werden. Sport sei ein ideales Mittel für Integration, ist seine Erfahrung. Er wünscht sich noch mehr Sozialarbeiter und Pädagogen in der Nordstadt, die die Sprache der Jugendlichen sprechen. „Wenn man Türkisch kann, ziehen viele besser mit.“

Insgesamt, findet Timtik, funktioniere das multikulturelle Miteinander aber ganz gut. „Wenn jemand Hilfe braucht, helfen alle mit.“ Da erlebe er bei „Bio-Deutschen“ manchmal mehr Egoismus und weniger Solidarität.

Timtik ist der erste Ortsvorsteher mit ausländischen Wurzeln in dem Stadtteil, in dem zwei Drittel der Bewohner eine Migrationsgeschichte haben. Er findet das ein gutes Signal. „Wenn Menschen mit Migrationshintergrund sich nicht einmischen, machen andere die Politik.“

Die Nordstadt werde von der Stadt oft vernachlässigt, ist Timtiks Wahrnehmung. Auch daran will er mit der 13-köpfigen Mannschaft des Ortsbeirats etwas ändern.

Als stellvertretende Ortsvorsteherin wurde Anne Herbold (24) von den Grünen gewählt. Neue Schriftführerin ist Jutta Butterweck. (Katja Rudolph)

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