Spezialbeleuchtung soll Drogenabhängige von Toiletten auf dem Campus vertreiben

Mit blauem Licht gegen Junkies an der Uni

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Clubatmosphäre auf dem Klo: Die blaue Beleuchtung auf den Toiletten am Holländischen Platz dient allerdings dazu, Drogensüchtige davon abzuhalten, sich dort einen Schuss zu setzen. In dem blauen Licht kann man die Venen nicht erkennen.

Kassel. „Blaulicht“ auf dem Uni-Klo: Im Hörsaalgebäude am Eingang zum Campus sind die Toiletten vor Kurzem mit blauer Beleuchtung ausgestattet worden.

Damit will die Universität Drogensüchtige davon abhalten, sich auf den Toiletten eine Spritze zu setzen. Denn in dem blauen Licht lassen sich die Venen nicht mehr gut erkennen.

Zuletzt habe es auf den Toiletten in dem Hörsaalzentrum am Holländischen Platz vermehrt Probleme mit Blutverschmutzungen von Drogensüchtigen gegeben, sagt Uni-Sprecher Sebastian Mense auf Anfrage der HNA. Dagegen habe man etwas unternehmen wollen, „um die Sicherheit und Hygiene für unsere Studenten zu gewährleisten“.

Ausweitung wird geprüft 

Anfang Mai sei das blaue Licht testweise in den sechs WCs des Gebäudes in den Toilettenkabinen installiert worden. Wenn man damit gute Erfahrungen mache, so der Uni-Sprecher, soll das Blaulicht in weiteren Toiletten auf dem Campus angebracht werden.

In Stadt und Landkreis Kassel gibt es Schätzungen der Drogenhilfe Nordhessen zufolge über 3000 Suchtkranke, die von harten Drogen wie Heroin oder Kokain abhängig sind. Nur ein Bruchteil der Betroffenen konsumiert die Drogen allerdings in öffentlichen WCs.

Vielen Studenten ist die blaue Beleuchtung bereits aufgefallen. Nicht alle kennen aber den Hintergrund. „Das soll beruhigend wirken, soweit ich weiß“, sagt Julian Krapf, der am Freitagmorgen vor dem Hörsaal auf den Beginn seiner Vorlesung wartet. Von Problemen mit Junkies habe er noch nichts mitbekommen.

Nils Brönstrup hat gerüchteweise schon gehört, dass das blaue Licht das Spritzen von Drogen auf den Toiletten verhindern soll. „Das ist jetzt ein bisschen Clubatmosphäre, wenn man aufs Klo geht“, sagt der Maschinenbaustudent. „Aber es ist schon erschreckend, was hier auf dem Campus abgeht“, fügt er hinzu.

Auf dem Uni-Gelände haben Unbekannte schon mehrfach gezündelt und zwei Gebäude unter Wasser gesetzt (HNA berichtete).

Ina Marski findet die blaue Beleuchtung gegen Junkies grundsätzlich gut. Sie habe schon mal Blutspritzer an der Toilettentür bemerkt, berichtet die Studentin der Nanostrukturwissenschaften. „Kein Wunder, das ist ja hier wie ein öffentliches Klo - da kann jeder rein.“ Einziger Nachteil an dem schummerigen Licht sei, dass man jetzt andere Verschmutzungen der Toiletten nicht mehr sehen kann.

Eine andere Studentin berichtet, dass ihr im blauen Licht die Orientierung schwerer falle. Dennoch finde sie es sinnvoll, auf diese Weise etwas gegen Drogenkonsum auf den Toiletten zu unternehmen. „Wir wollen ja auch keinen abgeriegelten Campus“, sagt die 24-Jährige.

Max Eysert hält nichts vom Anti-Fixer-Blaulicht. „Die Drogenabhängigen gehen dann eben ins nächste Gebäude“, sagt der Student. „So wird das Problem nicht bekämpft, sondern nur verlagert.“

Andere Unis als Vorbild

Die Uni Kassel ist mit dem Problem nicht allein: Auch andere Hochschulen setzen auf ihren Toiletten blaue Beleuchtung (Schwarzlicht) ein, um zu verhindern, dass Drogensüchtige sich dorthin zum Fixen zurückziehen. Die Uni Osnabrück hat vor Jahren gute Erfahrungen mit blauem Licht gemacht, um die Drogenszene fernzuhalten. Die Uni Bonn greift ebenfalls auf bläuliche Beleuchtung auf ihren Toiletten zurück. In den öffentlichen Toiletten der Stadt Kassel gibt es kein blaues Licht. Dadurch würden Normalnutzer abgeschreckt, so die Erfahrung der Betreiberfirma. Zudem stellten sich Junkies darauf ein und leuchteten mit Taschenlampen in die Armbeuge oder markierten vorher ihre Adern. Aus Sicht des städtischen WC-Betreibers ist es sinnvoller, Spritzeneinwurfbehälter in den WC-Anlagen bereitzustellen.

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