400 Beschäftigte auf der Straße

Bombardier: Kasseler Lokbauer protestieren gegen Stellenabbau

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Protste gegen drohenden Stellenabbau: 400 Bombardier-Werkler gingen am Mittwoch auf die Straße.

Kassel. Bereits zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres sind die Kasseler Lokbauer für den Erhalt ihrer Jobs auf die Straße gegangen – allerdings unter anderen Vorzeichen.

Im Frühjahr ging es um die Existenz des gesamten Traditionsstandorts, an dem seit 168 Jahren ununterbrochen Lokomotiven gebaut werden.

Wie berichtet, sollte das Werk mit seinen 770 Beschäftigten komplett abgewickelt und die Produktion in die italienische Fertigungsstätte Vado Ligure verlagert werden. Das konnten Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft sowie Entscheider und Politiker aus der Region dank ihres geschlossenen Widerstands in letzter Minute verhindern.

Während der 40-minütigen Protestkundgebung von etwa 400 Beschäftigten am Mittwoch auf der Holländischen Straße ging es zwar nicht mehr um die Existenz, wohl aber um 80 Stellen in Entwicklung und Planung. Die will das Management laut Betriebsrat in Mannheim beziehungsweise Henningsdorf bei Berlin ansiedeln.

„Das Engineering muss hier bleiben. Engineering und Fertigung gehören zusammen“, rief Betriebsratsvorsitzender Markus Hohmann den Bombardier-Werkern zu. Die Belegschaft werde alles daran setzen, die Pläne zu verhindern. Gleichzeitig forderte er das Management auf, die Beschäftigten am notwendigen Umbau zu beteiligen und erneuerte sein Gesprächsangebot: „Wir unterstützen die Pläne zur Produktivitätssteigerung, aber wir wollen die Zukunft mitgestalten.“

Gleichzeitig forderte Hohmann mehr Transparenz und erinnerte die Geschäftsleitung in Berlin an deren soziale Verantwortung. Die Belegschaft sei völlig verunsichert und erfahre meist nur aus den Medien von Um- und Abbauplänen. Bis heute sei unklar, wo und wie genau in der Bahntechniksparte 5000 Stellen – davon die Hälfte in Deutschland – eingespart werden sollen. „So geht das nicht“, erklärte Hohmann. Durch die Hinhaltetaktik des Unternehmens würden die Beschäftigten derzeit „in ein Angstkorsett gezwängt“.

Der Chef der IG Metall in Nordhessen, Oliver Dietzel, forderte klare Konzepte für die Zukunft des Unternehmens. „Das Management muss endlich eine positive Vision vorlegen, statt öffentlich über den Abbau von Arbeitsplätzen zu spekulieren“, sagte er. Es solle aufhören, gegen die Beschäftigten zu arbeiten und statt Unsicherheit Sicherheit verbreiten. „Mit uns ist zu rechnen“, sagte er in Richtung Geschäftsleitung. 

Auch die heimischen SPD-Landtags- und Bundestagsabgeordneten forderten die Konzernspitze in einer Solidaritätsadresse auf, „endlich Klarheit und Transparenz über die geplanten Umstrukturierungs- und Personalmaßnahmen zu schaffen“. Dieser Prozess müsse mit der Belegschaft gestaltet werden. Eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes werde die SPD nicht klaglos hinnehmen: „Wir stehen an der Seite der Belegschaft.“

Der Bombardier-Standort in Kassel:

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