Ex-Bundespräsident schildert in seinem Buch, wer ihm nach seinem Rücktritt half

Wulff fand Trost bei Yozgat

Wulff fand Trost bei Yozgat

Kassel/Berlin. Ismail Yozgat, Vater des 2006 in der Kasseler Nordstadt von NSU-Terroristen ermordeten Halit Yozgat, hat Christian Wulff über die schweren Stunden nach seinem Rücktritt als Bundespräsident hinweggeholfen.

„Alle demütigenden Erfahrungen der vergangenen Wochen waren wie weggeblasen“, schreibt Wulff in seinem vor wenigen Wochen erschienenen Buch „Ganz oben - Ganz unten“.

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In dem Buch, das kurz nach seinem Freispruch vom Vorwurf der Vorteilsnahme veröffentlicht wurde, erinnert Wulff an Worte, die Yozgat am Rande einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Zwickauer Terrorzelle im Berliner Theater am Gendarmenmarkt fand. Dorthin hatte Wulff die Angehörigen der Opfer eingeladen - und zwar noch als Bundespräsident.

An der Veranstaltung selbst, die sechs Tage nach seinem Rücktritt stattfand, nahm das zurückgetretene Staatsoberhaupt nicht mehr teil. Nach Darstellung Wulffs wollte er durch seine Anwesenheit nicht „vom Anlass ablenken“. Wulff schaute sich die Übertragung der Gedenkveranstaltung im Fernsehen an. Dort fielen die Sätze von Ismail Yozgat, die Wulff nach eigenem Bekunden nicht vergessen wird. „Ich möchte mich von ganzem Herzen bedanken bei Altbundespräsident Christian Wulff. Wir sind seine Gäste. Wir bewundern ihn.“

An keiner anderen Stelle des über 250 Seiten starken Buches formuliert Wulff eindringlicher, was ihn in den Tagen nach seinem Rücktritt am 17. Februar 2012 bewegte. „Es fällt mir schwer, aufzuschreiben, was in dem Moment, als ich diese Sätze vor dem Fernsehgerät hörte, in mir vorging.“ Und: „Alle demütigenden Erfahrungen der vergangenen Monate waren wie weggeblasen.“ Mit einem Mal habe er gewusst, „dass es sich gelohnt hat, für die richtige Sache zu streiten“.

Wulff spielt mit diesem Satz auf seine umstrittene Bremer Rede an, mit der er sich in die Diskussion über die Integration der Muslime einschaltete. Mit der Aussage „Auch der Islam gehört inzwischen zu Deutschland“ setzte er am 3. Oktober 2010, dem Tag der Deutschen Einheit, als Bundespräsident einen Kontrapunkt zu den umstrittenen Thesen von Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“). Wulff erntete dafür Zustimmung, aber auch harsche Kritik.

Von Peter Ketteritzsch

 

Christian Wulff: Ganz oben - Ganz unten, Verlag C. H. Beck, 256 Seiten, 19,95 Euro. 

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