Studierendenwerk schließt alte Mensa

Aus für das Bistro K10: Es war Kult auf dem Campus

Das Team des K10, das sich das goldene Tablett erkämpfte: Das Bild entstand 2010, als das Team um Tim Sichtermann (rechts) und Markus Illing (links) beim Bundeswettbewerb „Mensa des Jahres“ unter den Top 3 landete.
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Das Team, das sich das goldene Tablett erkämpfte: Das Bild entstand 2010, als das Team um Tim Sichtermann (rechts) und Markus Illing (links) beim Bundeswettbewerb „Mensa des Jahres“ unter den Top 3 landete.

Kassel – Das Bistro K10 wird auch nach der Coronakrise nicht wieder öffnen. Das hat das Studierendenwerk Kassel beschlossen. Ein Nachruf auf einen besonderen Ort auf dem Uni-Campus.

Es ist ein bisschen so, als ob man sich beiläufig von jemandem verabschiedet hat, ohne zu wissen, dass man ihn nie wiedersehen wird. Seit dem Lockdown im vergangenen März ist das Bistro K10 auf dem Uni-Campus geschlossen. Inzwischen ist klar, dass die Küche dort für immer kalt bleibt: Das Studierendenwerk wird die kleine Mensa, die direkt am Holländischen Platz gelegen ist, nicht wieder öffnen.

Damit geht die Geschichte eines Orts zuende, der viel mehr war als eine Verpflegungsstation auf dem Campus. Das K 10 war viele Jahre auch eine Art Wohnzimmer auf dem Campus, eine Sportkneipe, in der viele Nationen zusammen feierten, und eine Showküche, in der es nicht nur zu futtern, sondern auch viel zu lachen gab.

Seinen Namen hat das Bistro übrigens von dem Gebäude der ehemaligen Firma Henschel, das in der firmeneigenen Nomenklatur K 10 hieß (K für den Standort Kassel). Seit Ende der 1970er-Jahre, als die noch junge Uni sich langsam am Holländischen Platz ansiedelte, gab es die „Cafeteria Henschelstraße“. Ab den 90er-Jahren, als mit wachsenden Studentenzahlen auch der Essensbedarf stieg, mauserte sich der Standort. Weil im selben Gebäude der Architekturfachbereich angesiedelt war, sprach man gern auch von der Architektenmensa.

Seine Blütezeit erlebte das K10 ab 2006. Seitdem gab es dort von mittags bis abends um halb 9 und auch samstags warmes Essen. Nicht nur dem Speiseplan, sondern auch der Atmosphäre in den eher nüchternen Räumen hauchte damals Tim Sichtermann einen besonderen Geist ein. Unter seiner Leitung sicherte sich das Bistro viermal in Folge eine Auszeichnung bei dem bundesweiten Wettbewerb „Mensa des Jahres“.

Nicht nur, dass er und sein Team schmackhafte Gerichte kochten, zu den Spezialitäten gehörten auch die lustig bis abgedrehten Bezeichnungen auf dem Speiseplan: „Schiris schönes Pizzarad mit fetzigem Chiligemüse“ etwa, wenn gerade Fußball-WM war. Auch singende und tanzende Köche waren keine Seltenheit im K 10, das außerdem die erste Mensa war, bei der das Essen vor den Augen der Gäste zubereitet wurde.

„Das Essen war super und die Stimmung auch“, erinnert sich Ulf Thöne. Der heute 48-jährige Lehrer war in seiner Unizeit mittags Stammgast im K 10. „Wenn man da hinging, war die Pause auch im Kopf da“, sagt er über die lockere und familiäre Atmosphäre. Die begeisterte ihn so, dass er Sichtermanns Team später sogar für seine Hochzeit engagierte.

Auch der damalige K 10-Chef, heute Leiter der Zentralmensa, denkt gern an die alten Zeiten zurück. Viele der Gäste in dem 215 Plätze fassenden Bistro kannten Sichtermann und seine Kollegen so gut, dass sie oft ohne Worte das gewünschte Essen servierten. Manche Stammgäste meldeten sich sogar ab, wenn sie in Urlaub fuhren – damit sich keiner Sorgen machte.

Auch für Christina Walz, Geschäftsführerin des Studierendenwerks, ist die Schließung des K 10 „keine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung, sondern mit viel Wehmut verbunden“. Die Umsätze seien jedoch seit Jahren rückläufig, und für einen Weiterbetrieb wären hohe Investitionen nötig. Die Abend- und Samstagsversorgung soll künftig in der Zentralmensa oder im Restaurant Moritz angeboten werden.

Trotzdem endet mit dem K 10 eine Ära, findet dessen Fan Ulf Thöne. „Einen Ort mit so viel Seele wird es auf dem Campus nicht mehr geben.“ (Von Katja Rudolph)

Unter dem Titel „Nicht ohne euch – Was kommt nach dem Bistro K 10?“ lädt das Studierendenwerk für Mittwoch, 17. Februar, 15 Uhr, zu einer Online-Diskussion über die Nachfolgeangebote ein. Infos: studierendenwerk-kassel.de

Ende einer Ära: Die ehemaligen Küchenchefs Tim Sichtermann (links) und Markus Illing im Bistro K10, das bereits seit März coronabedingt geschlossen ist.

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