Kasseler Nordstadt

Die Rebellin geht: Doris Perger war 26 Jahre im Ortsbeirat

Doris Perger, langjähriges Mitglied im Ortsbeirat Nord-Holland.
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Doris Perger hat sich mehr als 26 Jahre im Ortsbeirat engagiert. Nun scheidet sie gesundheitsbedingt aus.

Seit 1994 engagierte sie sich im Ortsbeirat Nord-Holland. Nun muss Doris Perger gesundheitsbedingt auf ihren Sitz in der Stadtteilvertretung verzichten.

Nord-Holland – Auch wenn Doris Perger nur ein paar Kleinigkeiten braucht, plant sie für einen Einkauf immer etwas mehr Zeit ein. Durch ihr kommunalpolitisches Engagement ist sie in der Nordstadt bekannt. „Ich lasse keinen stehen“, sagt die 64-Jährige. Dann dauert der Einkauf eben mal zwei Stunden oder mehr. Nach mehr als 26 Jahren als Mitglied des Ortsbeirats Nord-Holland, davon fünf Jahre als stellvertretende Ortsvorsteherin, hat sie ihren Sitz in der neuen Legislaturperiode gesundheitsbedingt nicht angetreten.

Die Rentnerin hat die Lungenerkrankung COPD. Sie könne deshalb nicht über eine längere Zeit Maske tragen, könne sich krankheitsbedingt auch nicht impfen lassen, wäre aber bei einer Coronainfektion hoch gefährdet. Der Verzicht auf das Ehrenamt im Ortsbeirat sei ihr schon schwergefallen, gibt sie zu und präzisiert: „sehr, sehr schwer.“

Bei der Kommunalwahl im vergangenen März war Perger erstmals auf der Liste der SPD in das Stadtteilgremium gewählt worden, als Parteilose. Bislang hatte sie stets die Christdemokraten im Ortsbeirat vertreten. Zehn Jahre lang war sie auch Vorsitzende des CDU-Stadtbezirksverbands Nord-Holland. Die Partei hat sie 2017 jedoch nach 35 Jahren Mitgliedschaft verlassen – aus Enttäuschung über mangelnde Rückendeckung für ihre kommunalpolitische Arbeit im Stadtteil, wie sie sagt. Die Nordstadt sei schon immer als „Stiefkind“ behandelt worden, findet Doris Perger, die seit mehr als vier Jahrzehnten am Struthbachweg wohnt. Für den Stadtteil und seine Bewohner zu kämpfen, sei ihr ein Herzensanliegen. „Es lohnt sich“, sagt sie im Rückblick auf ihr kommunalpolitisches Engagement.

Dafür habe sie im Ortsbeirat auch gern mal ihre „Rebellenart“ an den Tag gelegt, wie sie es nennt. Perger war für ihre mitunter bohrend-bissigen Fragen bekannt, mit denen sie auch Vertreter der Stadt bei den Sitzungen gern löcherte. Dass sie damit manchem auch auf die Nerven ging, sei ihr bewusst. Dieses Image habe sie durchaus gepflegt. „Wenn man Leute auf die Palme bringt, bringt man sie zumindest zum Nachdenken“, findet Perger, deren Markenzeichen ihr Kurzhaarschnitt und ihre Westen sind.

Wenn ihr zu Ohren gekommen sei, dass mancher verwundert war, dass sie privat gar nicht so kratzbürstig ist, wie sie sich auf der politischen Bühne mitunter gab, habe sie das immer gefreut, sagt Perger, die früher bei VW gearbeitet hat und „glücklich geschieden“ ist.

Dass sie im neuen Ortsbeirat nicht mehr mitmischen kann, bedaure sie auch deshalb, sagt Perger, „weil ich dem neuen linken Ortsvorsteher gerne noch Paroli geboten hätte“. Gemeint ist Ali Timtik. Dem Stadtteil und seinen Bürgern wolle sie weiter mit Rat und Tat erhalten bleiben, betont die 64-Jährige. Wenn die Pandemie gebrochen sei, werde sie als Zuschauerin wieder zu den Sitzungen kommen. Dabei wird sie sicher nicht nur Schweigen.

Als SPD-Vertreter ist bereits Udo Baier-Eckhardt (62) in den Ortsbeirat nachgerückt. (Katja Rudolph)

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