Geschäftsleute fordern härteres Durchgreifen

Drogen und rivalisierende Banden: Das sagen Geschäftsleute über Kassels Brennpunkt 

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Überwachung zur eigenen Sicherheit: Der Inhaber der Spielhalle Las Vegas hat seine Kamera im Hinterhof zum Parkdeck Jägerstraße gerade erst gegen ein besseres Modell ausgetauscht. Für die Aufnahmen aus dem Bereich interessiert sich regelmäßig auch die Polizei. 

Nord-Holland. Das Quartier rund um den Stern kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. Wir haben uns dort umgeschaut und mit Geschäftsleuten gesprochen.

Die vier Elftklässler der Reuter-Schule haben sich ein heißes Pflaster ausgesucht, um ihren Döner in der großen Pause zu verspeisen. In der Einfahrt zum Parkhaus an der Jägerstraße, wo die Jugendlichen zusammen stehen, gab es tags zuvor erst wieder eine Messerattacke – die zweite innerhalb von acht Tagen. Mischt sich da nicht ein unguter Beigeschmack in den Pausensnack? „Naja, direkt unsicher fühlt man sich nicht, aber auch nicht gerade wohl“, sagt Simon. Nachts, da sind sich die Oberstufenschüler einig, würden sie jedenfalls nicht hierhergehen.

Das Quartier am Stern, noch nie ein Vorzeigepflaster, kommt aus den Schlagzeilen nicht mehr heraus. „So schlimm war es noch nie“, sagt ein Geschäftsmann, der seit vielen Jahren in dem Viertel tätig ist, und zusammen mit einem Imbissbetreiber ein paar Schritte weiter in der Parkhauseinfahrt in der Sonne steht. „Hier wird mit allem gedealt“, berichtet er. Dealer und Hehler seien schon tagsüber an allen Ecken aktiv. Von dem Vorfall am Sonntag habe er nichts mitbekommen, sagt der 28-jährige Imbissbetreiber. „Wenn die Polizei kommt, gucke ich schon gar nicht mehr hin: Ich will da nichts mit zu tun haben.“ Warum sich die Straftaten auf einmal so häufen? Die beiden Männer, die selbst ausländische Wurzeln haben, zögern nicht mit der Erklärung: „Wegen der vielen Migranten“, sagt der Geschäftsmann. „Und Menschen wie wir, die sich nichts zuschulden kommen lassen, werden mit in den Dreck gezogen.“

Hinter dem Rücken der beiden Männer zeichnet die Überwachungskamera der Spielhalle Las Vegas das Geschehen in dem Hinterhof auf. Erst vorige Woche hat der Betreiber in ein besseres Modell investiert. „Auch zu unserer eigenen Sicherheit“, sagt der 44-Jährige. Außerdem habe er der Polizei schon mehrfach Aufzeichnungen zur Verfügung gestellt. Vor ein paar Jahren sei weitgehend Ruhe gewesen im Quartier. „Da hatten sie saubergemacht“, sagt der türkischstämmige Spielhallen-Chef und meint damit, dass viele Dealer hinter Gitter gebracht wurden. „Aber jetzt ist es wie eine Flutwelle wiedergekommen – aber zehnmal so schlimm.“

Rivalisierende Banden kämpften um das Revier, sagt er: „Meine Straße, deine Straße.“ Soweit er wisse, stünden dabei Kurden und Araber in Konkurrenz. Der Geschäftsmann wünscht sich, dass die Stadt mehr macht, um den Brennpunkt am Stern zu entschärfen. Saubermachen, sagt er wieder. Aber er habe das Gefühl, dass die Behörden sogar bewusst wegschauten. „Das wird hier abgetan als der Abschaum von Kassel.“

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