Teils gedankenlose Flugmanöver

Drohnen: Kasseler Profis üben Kritik an Hobbypiloten

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Die Drohnenspezialisten: Wecanvid-Geschäftsführer Carsten Werner (links) und Profi-Drohnenpilot Bernd Schmidt. Sie zeigen drei unterschiedliche Drohnen, die zum Einsatz kommen.

Kassel. Der Ruf der Drohnen ist ruiniert. Noch bevor der Markt der Multikopter so richtig explodiert ist, fürchten viele Menschen den totalen Spähangriff. Bernd Schmidt kann davon ein Lied singen.

Der professionelle Drohnenpilot aus Kassel weiß, wie sensibel das Thema ist. Er selbst ist beim Drohnenflug regelmäßig mit Kritik von Passanten konfrontiert. Auch mit einem anrückenden Polizeikommando musste er sich schon auseinandersetzen.

Schmidt arbeitet bei dem jungen Unternehmen „Wecanvid“, das im Kasseler Science Park an der Uni ansässig ist. Die Firma bietet Drohnen-Videos und -Fotos beispielsweise für die Inspektion von Windkraftanlagen, die Vermessung von Bauwerken und für Werbezwecke an.

Wenn Schmidt seine Drohnen startet, erweckt er Aufmerksamkeit. „Ich werde oft angesprochen und muss mich für meine Arbeit rechtfertigen“, sagt Schmidt. Dabei halte er sich an die rechtlichen Vorgaben und hole nötige Genehmigungen ein. Weil besonders etliche Hobbypiloten dies nicht täten, schadeten sie damit dem Ruf der Drohne.

Über den Wolken unterwegs

Zu den Regeln gehöre es, dass nur auf Sicht geflogen werden dürfe und ohne Sondererlaubnis nur bis in 100 Meter Höhe. Tatsächlich kursierten im Internet Videos, in denen Drohnen über den Wolken unterwegs sein und so gefährlich die Flugbahnen von Flugzeugen kreuzten. Leistungsstarke Drohen könnten bis 5000 Meter hoch fliegen.

„Es gibt Anleitungen im Internet, wie Nutzer die Reichweite durch Umbauten erhöhen können. Das ist nicht zulässig, aber es passiert“, sagt Schmidt. Der Pilot hat etliche Flugscheine und Lizenzen erworben, um mit den Drohnen auch im Ausland abheben zu dürfen, wo teils strengere Vorgaben gelten.

Wie aufmerksam die Behörden das Treiben der fliegenden Augen verfolgen, bekam Schmidt kürzlich zu spüren. Er flog für den geplanten Frauenhofer-Neubau am Hauptbahnhof über das Baufeld. „Plötzlich rauschten zwei schwarze BMW an. Bewaffnete Beamte fragten mich, was ich filmte“, erzählt Schmidt. Hintergrund des Einsatzes sei gewesen, dass der benachbarte Panzerbauer Krauss-Maffei-Wegmann zwei Prototypen auf seinem Hof stehen hatte und Industriespionage befürchtete. Schmidt legte sein Bildmaterial offen und konnte die Bedenken so entkräften.

Der Profi-Drohnenpilot würde sich wünschen, dass die Vorteile seines Arbeitsgeräts stärker ins Bewusstsein kommen. So ließen sich mit Drohnen nicht nur spektakuläre Bilder machen. Die Firma „Wecanvid“ wird regelmäßig mit der Erstellung von 3D-Modellen von Bauwerken beauftragt. Zuletzt war die Firma am Edersee tätig, um die bei Niedrigwasser sichtbare Aseler Brücke dreidimensional abzubilden. Auch an der Stiftsruine Bad Hersfeld und dem Schloss Spangenberg gab es Aufträge. Die detailgenauen Daten sind für die Instandhaltung und Sanierung der Bauwerke Gold wert. 

Ein 3D-Modell der Aseler Brücke gibt es hier.

Drohnenregeln für Hobbypiloten

• Für Drohnen bis fünf Kilo ist keine Genehmigung des RP nötig. Für gewerbliche Zwecke erteilt diese das RP (200 Euro für zwei Jahre) • Flüge sind nur auf Sichtweite erlaubt. 

• Die Persönlichkeitsrechte von Dritten müssen gewahrt werden. • Menschenmassen dürfen nicht überflogen werden. 

• Eine spezielle Drohnen-Haftplichtversicherung ist erforderlich. 

• Flüge innerhalb von Ortschaften sind verboten. Dies gilt ebenfalls für Flüge in Naturschutzgebieten, in der Nähe von Flughäfen (1,5 km Umkreis) und über historisch bedeutende Stätten bzw. Parkanlagen

Das sagt das RP: Bisher nur ein Bußgeld erteilt

Beim Kasseler Regierungspräsidium (RP) geht etwa alle zwei Wochen eine Beschwerde über Drohnenflüge ein. Karin Vey vom Dezernat Verkehr ist zuständig für diesen Bereich. „Wir haben bislang aber erst ein einziges Bußgeld erteilt“, sagt Vey. Dies musste ein Hobbypilot zahlen, der 2015 beim Hessentag in Hofgeismar mit seiner Drohne über die Menschenmasse flog. Dafür hatte er sich zuvor keine Genehmigung eingeholt. Ähnliche Verstöße gebe es zwar häufiger, aber es sei schwer, die Piloten dingfest zu machen, sagt Vey. Problem sei, dass die Flugobjekte, wenn sie am Himmel gesichtet werden, schwer einem Piloten zuzuordnen seien. Kürzlich sei ein Junge identifiziert worden, der in Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis) seine Drohe über Hausdächer gesteuert hatte. Anschließend habe er an Nachbarn Luftaufnahmen von deren Häusern für fünf Euro verkaufen wollen. „Da haben wir die Polizei hingeschickt und die haben den Vater und den Sohn aufgeklärt“, sagt Vey. Wenn Vey Piloten erwischt, die ohne eine Allgemeinerlaubnis des RP Aufnahmen für gewerbliche Zwecke machen, mahnt sie diese zunächst ab. „In der Regel bezahlen sie dann bereitwillig die 200 Euro für die Erlaubnis“, erzählt sie. Um Verstöße mit Drohnen gezielt zu ahnden, fehlt im RP Kassel das Personal. In anderen Bundesländern wurden dafür spezielle Abteilungen eingerichtet. Dort wird von Experten gezielt das Internet nach Videos und Bildern von illegalen Flügen durchforstet.

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