300 Schüler betroffen

Einsturzgefahr: Stadt Kassel sperrt Trakt der Reuter-Schule

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Blick durchs Fenster vom Innenhof aus: Die Decken der betroffenen Klassenräume sind durch Stützen abgesichert worden.

Kassel. Wegen Problemen mit den Betondecken, die als nicht mehr ausreichend tragfähig gelten, hat die Stadt den südlichen Gebäudetrakt der Paul-Julius-von-Reuter-Schule geschlossen.

Betroffen sind elf Klassenräume und etwa 200 bis 300 Berufs- und Fachoberschüler.

Mehr als 70 Jahre sind tausende Schüler darin unterrichtet worden. Am Freitag nun musste per Sofort- oder Notfallmaßnahme der südliche Gebäudetrakt der Paul-Julius-von-Reuter-Schule geschlossen werden. Die Stadt Kassel sah sich dazu gezwungen, nachdem eine am Donnerstag vorgestellte statische Untersuchung zu einem alarmierenden Ergebnis gekommen war. Danach sind die Betondecken des 1946 an der Gießbergstraße im Stadtteil Nord-Holland errichteten Schulgebäudes nicht mehr ausreichend tragfähig.

„Das Ergebnis der Untersuchung hat uns doch überrascht. Die Tragfähigkeit ist nicht mehr gewährleistet“, sagte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) am Freitagnachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Ursache des Problems sei, dass der Beton der Decken zu wenig Zement enthalte. Dieses Material hätte schon 1946 nicht verwendet werden dürfen, betonte Nolda.

Vom Sanierungs- zum Notfall: der Gebäude-Trakt der Paul-Julius-von-Reuter-Schule an der Gießbergstraße. Ob der Bau der Berufsschule saniert werden kann oder ein Neubau errichtet werden muss, ist unklar.

Insgesamt verfügt die Berufsschule über 1933 Schüler in 86 Klassen. Von der vorsorglichen Sperrung des Gebäudes an der Gießbergstraße sind elf Schulklassen sowie zwischen 200 und 300 Berufs- und Fachoberschüler betroffen. „Die Schließung ist leider unumgänglich und zeigt, dass unsere Kontrollen funktionieren. Jetzt wird mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet, um die fehlenden Unterrichtsräume zu kompensieren“, kündigte Schuldezernentin Anne Janz (Grüne) an. Bislang sehe es so aus, dass der Schulbetrieb allein durch interne Umverteilungen fortgesetzt werden könne. Es hätten aber auch bereits umliegende Schulen Ausweichräume angeboten.

Nach Angaben von Axel Jäger, Leiter des Amtes für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung, sind im Juli 2017 bei Renovierungen im Erdgeschoss des südlichen Altbaus Abplatzungen an der Betondecke festgestellt worden. Daraufhin seien Bohrkerne gezogen und von der Amtlichen Materialprüfanstalt für das Bauwesen (AMPA) untersucht worden.

Im Januar habe die AMPA dann weitere Erdgeschossräume untersucht. Aufgrund der durchgängig schlechten Betonwerte wurden am 20. Februar und 2. März auch die Decken der oberen Etagen untersucht, berichtete Amtsleiter Jäger. Die Ergebnisse lagen am 11. April vor. Am Donnerstagvormittag (19. April) habe man sich dann angesichts der schweren Schäden am Beton und der Bewehrung dazu entschieden, das Gebäude mit sofortiger Wirkung zu sperren.

Ob der Trakt saniert werden kann oder durch einen Neubau ersetzt werden muss, ist unklar. Klar ist, dass das Gebäude längere Zeit gesperrt bleibt. In einem weiteren Gebäudeteil der Reuter-Schule gibt es ebenfalls Probleme. Weil sich dort die Außenwand absenkt, wurden in den vergangenen Jahren die straßenseitigen Fundamente nachgegründet. Nun aber haben Statik-Untersuchungen und Tragwerkssimulationen offenbart, dass auf absehbare Zeit ein Neubau wirtschaftlicher ist.

Hier liegt die Reuter-Schule:

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