„Die kennen keine Gnade“

Nach erneuter Razzia am Stern: Händler beschweren sich über zu lasche Strafen

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Razzia am Stern: Diese Spielhalle an der Unteren Königsstraße wurde gestern Abend durchsucht.

Kassel. Am Donnerstag hat es erneut eine Razzia am Kasseler Stern gegeben. Wir haben mit Geschäftsleuten vor Ort gesprochen. Sie reagieren unterschiedlich auf die Polizeieinsätze.

Um 17.30 Uhr fuhr die Polizei am Donnerstagabend von zwei Seiten vor die Spielhalle Las Vegas (so heißt der Laden am Vordereingang) beziehungsweise den Lion’s Club (so heißt er von der Rückseite) vor. Für die 13 Personen, die sich in der Bar aufhielten, gab es kein Entkommen mehr. Sie wurden nach Drogen durchsucht und die Beamten überprüften, ob Haftbefehle gegen sie bestehen. Es stellte sich heraus, dass drei der Personen von der Staatsanwaltschaft gesucht werden, so Polizeisprecher Matthias Mänz.

Seit Frühjahr dieses Jahres finden hier immer wieder Razzien statt. Mit Drogen gab es hier zwar schon früher Probleme, aber seit einigen Monaten nimmt offenbar die Rivalität zwischen verschiedenen Gruppierungen im Milieu zu. Auf der einen Seite gebe es Menschen, die aus der Türkei und Syrien stammten, sagt der Polizeisprecher. Auf der anderen Seite stünden Nordafrikaner, die mit Drogenhandel Geld machen wollen. Seit Mai gab es hier Messerattacken, Raubüberfälle, und es wurden auch Schreckschusswaffen eingesetzt.

„Frauen und Kinder trauen sich gar nicht mehr, sich im Quartier aufzuhalten“, sagt ein Geschäftsmann, der seit Jahren am Stern arbeitet. „Seit einem Jahr ist es hier richtig schlimm geworden“, sagt der Mann, der aus Angst nicht namentlich zitiert werden möchte. Es gebe mittlerweile viele junge Dealer aus Nordafrika, die sehr aggressiv seien. „Die schlagen sich auf der Straße und reden laut.“ Kürzlich habe er einen jungen Mann wegen seines Verhaltens angesprochen. „Der hat nur zu mir gesagt: Ich bin erst 16 Jahre. Alter, du kannst nichts machen. Nach zehn Minuten bin ich wieder draußen“, erzählt der Händler. Die Geschäftsleute hätten Angst vor diesen jungen Nordafrikanern. „Die kennen keine Gnade.“

Der Mann findet es gut, dass die Polizei durch die Razzien jetzt Präsenz am Stern zeigt. Noch schöner wäre es natürlich, es gebe hier gar keine Drogen, sagt der Mann.

Wurden in einem sogenannten „Bunker“ an der Haltestelle „Am Stern“ entdeckt: Sieben Päckchen Marihuana.

Ein anderer Geschäftsmann ist von den Razzien überhaupt nicht begeistert. Das schrecke die Kunden ab. „Wenn die Leute die Polizeiwagen sehen, sind alle Geschäfte tot.“ Er habe seit Monaten deshalb Umsatzeinbußen. Seiner Ansicht nach könnte die Drogenkriminalität am Stern wirksamer bekämpft werden, wenn die Dealer härter bestraft würden. „14-jährige Jugendliche kommen hier her und kaufen Gras“, sagt der Mann. „Afghanen, Araber und Somalier verkaufen diese Scheiße.“

Und wenn mal einer von denen von der Polizei geschnappt werde, dann sei er zwei Stunden später wieder frei und betreibe seinen Handel weiter.

Die Razzia in der Spielhalle und die Überprüfung der 13 Personen, die offensichtlich aus Afrika stammen, war am Donnerstag gegen 19 Uhr beendet. Die Kontrollen gingen aber weiter. Am späteren Abend nahm die Polizei die sogenannte Trinkerszene vor der Paul-Julius-von-Reuter-Schule ins Visier.

Erneut Razzia am Kasseler Stern

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