Hausbesetzer: "Respektloser und unachtsamer Umgang"

Figuren des Mahnmals "Die Rampe" lagern auf besetztem Gelände - Kritik der Aktivisten

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Zwischenlagerung neben Baumaschinen: Die Figuren des Mahnmals „Die Rampe“ sollen im Juli wieder an dem Mahnmal an der Moritzstraße aufgestellt werden, das im Frühjahr umgesetzt wurde.  

Kassel. Auf dem Gelände der Villa Rühl an der Mönchebergstraße, das seit zwei Wochen von linken Aktivisten besetzt ist, haben die Besetzer die Figuren des Mahnmals „Die Rampe“ entdeckt, die dort gelagert werden. Die Aktivisten kritisieren die Uni dafür.

Wie die Hausbesetzer jetzt mitteilten, haben sie die Skulpturen am Rande des Geländes unter einem Dach zwischen Baumaterial und Maschinen entdeckt.

In der Tat liegen die vier Bronze-Figuren offen unter einem Dachüberstand auf Paletten.

In Anbetracht der Tatsache, dass es sich um die Verkörperung von Zwangsarbeitern handele, sei es „ein geradezu zynischer Ort für die Unterbringung“, wird Carola Crause in einer Pressemitteilung der Initiative „Unsere Villa“ zitiert. Die Hausbesetzer sehen darin einen „sehr respektlosen und unachtsamen Umgang“ der Hochschule mit der Skulptur.

Das Mahnmal „Die Rampe“ wurde 1982 von der Künstlerin Nele Bode (Künstlername E.R. Nele) geschaffen und erinnert an Deportation und Vernichtung in der Zeit des Nationalsozialismus. Es besteht aus mehreren gesichtslosen Bronze-Figuren, die aus einem Waggon der Reichsbahn taumeln. Es steht seit über 30 Jahren auf dem Campus – dem früheren Gelände der Firma Henschel, die im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeiter beschäftigte.

Im vergangenen März war das Mahnmal an eine zentralere Stelle an der Moritzstraße versetzt worden. Es steht nun direkt vor dem Selbstlernzentrum Leo (wir berichteten). Weil die Rampe vor dem Waggon in Absprache mit der Künstlerin neu aus Beton hergestellt wird und noch nicht fertig ist, mussten die Figuren zwischengelagert werden, erklärte Uni-Sprecherin Beate Hentschel gegenüber der HNA. Die Künstlerin sei darüber informiert. Am 8. Juli sollen die Figuren im Beisein von Nele Bode am neuen Standort aufgestellt werden.

Dem Vorwurf, die Figuren seien nicht sachgemäß gelagert, wiederspricht die Hochschule. Es handele sich um Bronze-Skulpturen, die für den Außenbereich geschaffen worden seien. Das Gelände sei – bis zum widerrechtlichen Eindringen der Hausbesetzer – verschlossen gewesen und wurde von einem Wachdienst regelmäßig kontrolliert, so die Uni-Sprecherin. In dem überdachten Bereich lagerten weitere Materialen der Firma, die derzeit mit der Neugestaltung der Campus-Freiflächen beschäftigt sei. Die Umsetzung des Mahnmals ist Teil dieser Neugestaltung.

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