Asta will als Partner aussteigen

Fragen und Antworten zum Verleihsystem Konrad: Studenten haben Fahrrad-Flatrate

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Eifriger Nutzer: Ingo Rohrer, ehemaliger Student der Uni Kassel, bewegt sich mit Konrad durch Kassel. Auch gestern lieh er sich eins der Räder am Holländischen Platz aus. Der Weiterbetrieb von Konrad ist nun durch den Ausstieg des Asta gefährdet.

Kassel. Der Asta hat vor, 2018 als Partner des Fahrradverleihsystems Konrad in seiner jetzigen Form auszusteigen. Er will stattdessen mit dem Anbieter Nextbike kooperieren. Wir beantworten Fragen zum Thema.

Welche Rolle hat der Asta bei Konrad?

Der Asta als Studierendenvertretung ist ein wichtiger Vertragspartner für die DB Rent als derzeitige Betreiberin von Konrad. Er hat für die 25.000 Studierenden Folgendes ausgehandelt: Pro Semester bezahlt jeder Studierende drei Euro für Konrad. Das Geld wird über den Semesterbeitrag eingezogen und über den Asta an die DB Rent weitergegeben. Dafür bekommen die Studierenden eine Art Fahrrad-Flatrate. Sie dürfen an den Konrad-Stationen beliebig oft Räder für bis zu 60 Minuten kostenfrei ausleihen. Nach einer Stunde Dauerausleihe gelten die regulären Tarife.

Was kostet Konrad für normale Nutzer?

Die Ausleihe eines Konrads kostet einen Euro pro angefangener Stunde. Der maximale Mietpreis pro Tag beträgt 10 Euro. Die Registrierung kostet einmalig 5 Euro.

Wie wichtig sind die studentischen Nutzer für Konrad?

Sehr wichtig. Durch die Pauschalregelung kann die DB Rent mit einem stabilen finanziellen Grundstock von rund 150 000 Euro pro Jahr kalkulieren. Wie hoch die Nutzerzahlen und die Einnahmen durch reguläre Konrad-Kunden sind, veröffentlich die DB Rent nicht. Die Bahn teilt lediglich mit, dass aktuell 44 000 Kunden für Konrad registriert sind.

Allerdings dürften darunter auch einige „Karteileichen“ sein, beispielsweise Touristen, die Konrad nur zeitweise genutzt haben, aber immer noch registriert sind.

Wieso will der Asta aus dem jetzigen Modell aussteigen?

In einem Bündnis von Studierendenvertretungen mehrerer Hochschulen habe man mit verschiedenen Anbietern verhandelt und sich gemeinsam für das attraktivste Angebot entschieden, erklärt Mark Bienkowski vom Kasseler Asta. Nextbike biete „neben neuen Fahrrädern, einem umfangreichen Service und innovativen Stationen auch wirtschaftliche Vorteile“. Eine verbesserte Leistung sei im Interesse der Studierendenschaft, argumentiert Bienkowski.

Wer ist überhaupt Nextbike?

Das Unternehmen mit Sitz in Leipzig betreibt derzeit in über 45 Städten in Deutschland Fahrradverleihsysteme. Eine Sprecherin bestätigte, dass man mit dem Asta „seit Längerem in sehr konstruktiven Gesprächen“ sei. Nextbike sei an einem Engagement in Kassel „auch über das Studentische hinaus“ sehr interessiert.

Die Ausleihgebühr für reguläre Nutzer beträgt bei Nextbike übrigens einen Euro pro 30 Minuten – der Stundentarif ist also teurer als bei Konrad. Der maximale Tagessatz von 9 Euro ist aber etwas günstiger.

Kann der Asta einen Wechsel für Kassels Studenten überhaupt im Alleingang entscheiden?

Nein. Er braucht die Zustimmung des Studierendenparlaments (Stupa), wenn er künftig mit einem anderen Anbieter zusammenarbeiten will. Gibt es dafür eine Mehrheit, könnten die Studierenden umsatteln. Das Ergebnis der bisherigen Verhandlungen werde man vermutlich im Mai dem Stupa vorlegen, sagte Bienkowski vom Asta. Sollte Nextbike ein Fahrradverleihsystem in Kassel installieren wollen, bedürfte das der Genehmigung durch die Stadt.

Wäre es denkbar, dass Kassel dann zwei Fahrradverleihsysteme hat?

Das lehnt Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) ab. Zwei parallele Systeme seien wirtschaftlich nicht gerechtfertigt. Leider habe der Asta die Verhandlungen mit Nextbike – trotz mehrfacher Aufforderung – ohne Beteiligung der Stadt geführt. Ein vom Asta offenbar gewünschter Anbieterwechsel des bestehenden Konrad-Systems von der DB Rent zu Nextbike wäre mit erheblichem Aufwand verbunden, sagte Nolda auf Nachfrage.

Was sagt die Uni zu der Sache?

Die Verhandlungen für das Semsterticket und Konrad führt der Asta autonom. Die Uni habe aber ein Interesse daran, dass es ein funktionierendes Fahrradverleihsystem gibt, sagte ein Sprecher. Das trage mit zur Attraktivität des Hochschulstandorts bei. Die Uni-Leitung habe bereits versucht, den Asta zu erreichen, um sich dafür einzusetzen, dass eine einvernehmliche Lösung mit der Stadt gefunden wird.

Hintergrund: 2012 mit Förderung des Bundes gestartet

Das Fahrradverleihsystem Konrad ist vor genau fünf Jahren in Kassel in Betrieb gegangen. Die Stadt war in einem bundesweiten Wettbewerb als Modellregion für „innovative öffentliche Fahrradverleihsyteme“ ausgewählt worden und hatte 1,5 Mio. Euro Förderung vom Bundesverkehrsministerium für das Vorhaben erhalten. Seit 2013 betreibt die Bahntochter DB Rent das Konrad-System privatwirtschaftlich, die Stadt ist finanziell nicht mehr beteiligt. Sie ist aber Eigentümerin der Räder und der Ausleihstationen.

Aus unserem Archiv: So funktioniert das Fahrradverleihsystem

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