Hochschule duldet Aktion vorerst

Hausbesetzer haben "Villa Rühl" der Uni Kassel in Beschlag genommen

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Seit Samstag besetzt: Die Villa Rühl an der Mönchebergstraße, ein Gebäude der Uni, wurde von linken Aktivisten in Beschlag genommen.

Kassel. Hausbesetzer haben sich am Wochenende Zutritt zu einer leer stehenden alten Villa an der Mönchebergstraße verschafft und reklamieren das Gebäude für sich.

Die sogenannte Villa Rühl gehört dem Land Hessen, das die Immobilie der Uni Kassel zur Verfügung gestellt hat. Die Hochschule hat die Aktion über Pfingsten zunächst geduldet. Da keine Anzeige erstattet wurde und sich die Hausbesetzer friedlich verhalten, hatte auch die Polizei keinen Anlass, einzugreifen.

Die Aktivisten wollen mit ihrem Vorgehen gegen den Schwund von Räumen für selbstorganisierte Gruppen in Kassel protestieren und in dem Haus ein „soziales Zentrum“ aufbauen, heißt es in einer im Internet veröffentlichten Erklärung (http://unserevilla.org). Dieses solle allen offen stehen und ein Ort der Begegnung in der Nordstadt werden.

"Anne Goldmann"

Die Ideen für die konkrete Nutzung des Hauses wolle man in den kommenden Tagen entwickeln, sagte eine der Aktivistinnen, die sich Anne Goldmann nennt, gegenüber der HNA. „Wir laden alle ein, vorbeizukommen und ihre Ideen und Bedürfnisse einzubringen.“ Nach ihren Angaben hatten sich am Samstag etwa über 200 Menschen den Hausbesetzern angeschlossen. „Es gab ein Konzert und Essen.“ Etwa 20 Personen hätten in der Villa übernachtet.

Auf die widerrechtliche Inbesitznahme des Gebäudes angesprochen, sagte die 27-jährige Studentin: „Wir wissen, dass es nicht legal ist, halten es unter den gegebenen Umstände aber für legitim.“ Man sehe keine andere Möglichkeit, sich die benötigten Freiräume für nicht-kommerzielle, autonome Projekte in der Stadt zu schaffen.

In der Nordstadt breite sich die Uni immer weiter aus und verdränge die ursprünglichen Bewohner, kritisieren die Hausbesetzer. So sei der Lucius-Burckhardt-Platz zugepflastert worden und Freiflächen mit profitablen Appartements für Studenten bebaut worden. Mit der Besetzung der Villa Rühl stelle man sich diesem Trend entgegen. Man hoffe auf „produktive und nette Gespräche“ mit der Uni.

Diese hat die Situation über die Feiertage zunächst geduldet. Da das Gebäude derzeit nicht genutzt werde und von der Aktion weder eine Behinderung des Uni-Betriebs noch eine Gefahr ausgehe, habe man noch nichts unternommen, sagte Uni-Sprecherin Beate Hentschel. Am Dienstag wolle sich die Hochschulleitung ein komplettes Bild machen und die Lage bewerten. „Dabei wird es darum gehen, wie lange man so etwas tolerieren kann.“

Die Hochschule erarbeitet derzeit ein Nutzungskonzept für die um 1870 erbauten Villa. Vermutlich sollen dort Büros für Wissenschaftler oder ein Tagungshaus eingerichtet werden. Derzeit laufen lediglich Instandhaltungsarbeiten im Inneren des Gebäudes und eine Altlastensanierung im hinteren Bereich des Grundstücks.

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