Hegelsberg Gesamtschule: 40 Nationen unter einem Dach

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Bildungsangebot in der Nordstadt: Die Hegelsbergschule an der Quellhofstraße 140 wurde im Jahr 1981 eingeweiht.

Kassel. „Lernen und leben mit anderen Kulturen – das ist die Zukunft, und deshalb sind wir die Schule der Zukunft“, sagt Lydia Gundlach, die Leiterin der Gesamtschule Hegelsberg.

Sie sagt das mit Nachdruck und Selbstbewusstsein.

Lydia Gundlach

2009 hatte sie die Nachfolge des langjährigen Schulleiters Stefan Appel, eines renommierten Ganztagsschul-Experten, angetreten. Der hatte über seine 40-jährige Tätigkeit an der Schule in der Nordstadt gesagt, dass sie ihn beglückt habe, jedoch nicht spaßig gewesen sei. An der Schule werden von 62 Lehrern 646 Kinder aus über 40 Nationen, darunter eine große Zahl an Flüchtlingen und Kindern aus Südosteuropa, unter einem Dach unterrichtet. Darin sieht Lydia Gundlach eine Herausforderung, die positive Energien freisetzt.

„Soziales Lernen und gezielte Förderung werden an unserer Schule groß geschrieben. Ich habe diesbezüglich ein hoch qualifiziertes und engagiertes Kollegium“, sagt Lydia Gundlach und spricht von „komplexer Vielfältigkeit“ innerhalb der Schülerschaft. Auffallend sei für sie das „sehr friedliche Miteinander“ an der Schule. Dass das pädagogische Konzept der Ganztagsschule, einer schulformbezogenen Gesamtschule mit integrierter Förderstufe und Gymnasium ab der Klasse 5, Erfolg hat, beweise nicht zuletzt die große Zahl an Quereinsteigern, die regelmäßig im laufenden Schuljahr an die Schule wechselten. Im vergangenen Schuljahr waren es 89.

Gleichwohl sah sich jüngst auch Lydia Gundlach mit Protest aus der Lehrerschaft konfrontiert. Sie beklagen eine hohe Arbeitsbelastung. Die Gruppe der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) an der Schule hatte in einem offenen Brief verkündet: „Ja zur Inklusion behinderter Schüler in die Regelschule. Ja zur Integration von Geflüchteten und zugewanderten Kindern. Aber nicht zum Nulltarif auf dem Rücken von Schülern, Lehrkräften und Eltern!“ Einige Lehrer um Lutz Getzschmann monieren: „Wir haben inzwischen mindestens 40 inklusiv beschulte Kinder an der Schule und nicht ansatzweise die in der Verordnung als Mindeststandard definierte Zahl an Förderschullehrern.“

Die Unterzeichner fordern eine „bessere personelle und räumliche Ausstattung, um unserem pädagogischen Auftrag sinnvoll und angemessen nachkommen zu können“.

Gundlach zeigt für den kritischen Brief durchaus Verständnis: „Für mich bedeutet das auch, dass die Lehrer engagiert sind, nicht einfach Dienst nach Vorschrift machen und ihnen die Qualität von Unterricht nicht egal ist.“ Über inklusiven Unterricht sagt sie: „Der kommt allen Schülern zugute.“ Sie setze grundsätzlich auf Kooperation. „Wir müssen an einem Strang ziehen: Lehrer, Schüler sowie Eltern.“ Das erfordere oft Geduld. Beispielsweise habe es gedauert, bis das Angebot des Elterncafés angenommen wurde. Es sei aber wichtig, den Eltern, darunter viele, die nicht gut Deutsch sprechen, die Schwellenangst zu nehmen, sich für die Schulbildung ihrer Kinder zu interessieren. Um Früchte zu ernten, müsse manchmal auch anfänglicher Frust überwunden werden.

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