480 Meter neue Schienen im Schnellverfahren verlegt

Gleisaustausch am Holländischen Platz: Baustelle sorgte für Verkehrschaos

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Sorgen dafür, dass die Bahnen bald wieder Fahren können: Einige der insgesamt 25 Arbeiter, die am Wochenende rund um die Uhr am Holländischen Platz gearbeitet haben, schippen Basalt auf den Untergrund um ihn zu festigen.

Kassel. Am Holländischen Platz in Kassel wurden am Wochenende 480 Meter neue Schienen im Schnellverfahren verlegt. Wegen der Arbeiten kam es zum Verkehrschaos.

Auf der Holländischen Straße stauen sich am Samstagmittag die Autos stadteinwärts bis zum Westring. Ein Bus, der die Straßenbahn ersetzt, ist voll bis unters Dach – Fahrgäste drücken sich auf den letzten freien Quadratzentimetern an die Frontscheibe. Es geht nur stockend voran. Am Holländischen Platz verengt sich die Straße auf einen Fahrstreifen. Im Reißverschlussverfahren fädeln sich Wagen aus Richtung Vellmar und von der Wolfhager Straße kommend in die Untere Königsstraße ein. Der Verkehr reißt nicht eine Sekunde ab.

Nebenan laufen die Arbeiten auf der Baustelle auf Hochtouren. 25 Arbeiter sind von Freitagabend bis zum frühen Montagmorgen im Zweischichtsystem rund um die Uhr damit beschäftigt, die alten und abgenutzten Gleise am Verkehrsknotenpunkt Hopla auszutauschen – und sie sind in Verzug. Der Untergrund unter den alten Schienen war lose, weshalb er nun mit Basalt wieder befestigt werden muss. Das hat die Arbeiter drei Stunden zurückgeworfen, die sie nun wieder aufholen müssen. Die baufreie Zeit in der Innenstadt während der documenta habe dazu geführt, dass der Zeitplan für die übrigen Baumaßnahmen des Jahres im Schnitt um eine Woche verdichtet würden, sagt KVG-Pressesprecherin Heidi Hamdad.

Der eigentliche Gleisaustausch hat da schon lange stattgefunden. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden die aus einem Dortmunder Werk angelieferten Schienen in 54 Meter langen Einzelteilen in das offene Gleisbett gehoben. Insgesamt 480 Meter Schienen wurden am Hopla ausgetauscht. Gemeinsam haben sie ein Gewicht von 28 Tonnen und 320 Kilo.

Während die Arbeiter schubkarrenweise Basalt unter die Gleise schippen, steht der 59-jährige Vincenzo Rotolo vor einem großen Kessel. Mit einem Stück Holz hebt er den Deckel an. Heißer Dampf steigt aus dem Inneren auf. Rotolo wirft einen großen, Block hinein. Bei Temperaturen zwischen 180 und 200 Grad Celsius mischt er hier Bitumenmasse an.

Am Bitumenkocher: Vincenzo Rotolo öffnet den Deckel, unter dem das fast 200 Grad heiße Gemisch dampft.

Das dickflüssige Kohlenwasserstoffgemisch dient als Leim, der die Gleise am Boden fixiert und für die Fugen zwischen den Pflastersteinen, die dort, wo die neuen Schienen bereits fixiert sind, verlegt werden. Aus antik anmutenden Blechkännchen füllen die Arbeiter die Bitumenmasse in durch Sanddämme geformte Kanäle unter die Schienen. „Das wird so gemacht, seit ich auf dem Bau angefangen hab“, sagt Rotolo. Das war 1980.

Am Samstagnachmittag sind zwei der drei verlorenen Stunden wieder aufgeholt. Bauleiter Achim Gerber (48) ist optimistisch. Wenn nichts mehr dazwischen komme, sollte die Kreuzung am frühen Montagmorgen wie geplant wieder frei sein. Auch die Testfahrt am Sonntag verläuft erfolgreich. Trotz des Regens und des Sturms werden in der Nacht von Sonntag auf Montag die letzten Pflastersteine verlegt, sodass um 3.30 Uhr die erste Straßenbahn mit Fahrgästen wieder über den Hopla rollen sollte.

Kein Bahnverkehr: Während des Gleisaustauschs war am Wochenende der KVG-Betrieb am Hopla eingestellt.

Insgesamt 400.000 Euro haben die Bauarbeiten gekostet. Ob die neuen Gleise ebenfalls 20 Jahre halten, das bleibe abzuwarten, sagt Hamdad. Durch die seit 2013 über den Hopla fahrenden Regiotrams sei der Verschleiß höher. Außerdem wiege eine neue Straßenbahn etwa zehn Tonnen mehr als die Generation von vor 25 Jahren.

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