1000 Streikende bei Kasseler Zelt

IG Metall Streik: Mitarbeiter von VW, Bombardier und Rheinmetall dabei

Kassel. Rheinmetall und Bombardier haben mit der Teilnahme am IG-Metall-Streik am Donnerstagmorgen die Geduld der Autofahrer in Kassel auf die Probe gestellt. Auch bei VW lief der Streik.

Aktualisiert um 15.33 Uhr - Genau um 8 Uhr standen die Streikenden der Konzerne Rheinmetall und Bombardier auf der Straße. Auf der Wiener Straße im Stadtteil Nord-Holland kam es zu Verkehrsbehinderungen wegen des Metaller-Streiks.

Streikzelt in Kassel

Die Zentrale des Streiks in Kassel ist ein Zelt. Es befindet sich an der Wiener Straße - oberhalb der Gärtnerei Siebrecht (siehe Karte oben). 

In der Wiener Straße gab es am Donnerstag keine Parkplätze mehr, weil der Andrang zwischenzeitlich so groß war. Die Beschäftigten von Rheinmetall und Bombardier waren am Donnerstagvormittag mit 1000 Streikenden vertreten. Das sagte Elke Volkmann, die 2. Bevollmächtigte der IG Metall Nordhessen, gegenüber unserer Zeitung. Einige Mitarbeiter hatten auch ihre Kinder mit zum Zelt gebracht. Eigens zwei Toilettenwagen wurden für das große Zelt aufgestellt.

"Es herrschte eine super Stimmung und eine tolle Beteiligung", sagt Volkmann. Die meisten der Streikenden seien Befürworter des 24-Stunden-Streiks.

Was passiert in dem Streikzelt? 

Es bietet nicht nur Schutz vor Regen und Wind. Nach dem Demonstrieren auf der Straße gehen die Streikenden ins Zelt hinein. Dort lassen sie sich offiziell registrieren. Dadurch erhalten sie das Streikgeld, das ihnen zusteht. 

Wie hoch das Streikgeld ist, richtet sich nach der Beitragshöhe, die das jeweilige Mitglied an die Gewerkschaft zahlt. Laut Elke Volkmann ist das nahezu ein Netto-Ausgleich für einen Arbeitstag, der den Streikenden zusteht.

Was genau im Streikzelt der IG Metall in Kassel passierte, haben wir in einem Feature zusammengefasst. 

Alle Infos zum Streik am Freitag gibt es hier.

IG Metall Streik 2018: Wer streikt in und um Kassel?

  • Flexonics in Kassel

Um genau zu sein heißt das Unternehmen Senior Flexonics. Es hat seinen Sitz in Kassel in der Frankfurter Straße 199. Die Firma gibt es inzwischen seit über 100 Jahren. Die Gründung geht auf das Jahr 1907 zurück. Damals wurde Chr. Berghöfer & Co von Christian Berghöfer in Kassel gegründet - zu dieser Zeit ging es um die Verbesserung von Schläuchen aus Metall. Hergestellt werden hier zum Beispiel Metallschläuche für die Industrie. Aber auch Kompensatoren und Metallbälge. Zur Unternehmensgruppe Senior plc gehört Flexonics seit dem Jahr 1994. 300 Menschen sind in Kassel angestellt.

Schon am Mittwochabend ging es mit dem IG-Metall-Streik in Kassel los. Denn die Mitarbeiter von Flexonics trafen sich in der Frankfurter Straße (Südstadt) zum gemeinsamen Protest.

  • Rheinmetall in Kassel

Rheinmetall gehört zur Rüstungsindustrie und ist auch als Autozulieferer bedeutend. In Kassel gibt es insgesamt zwei Sparten und Standorte: Rheinmetall Landsysteme und Rheinmetall MAN Military Vehicles. Rheinmetall baut in Kassel beispielsweise Panzer. Zudem werden in Nordhessen auch Kettenfahrzeuge Reparaturen unterzogen. Etwa 1000 Mitarbeiter sind in Kassel beschäftigt.

  • VW Werk Kassel in Baunatal
Sind beim Streik der IG Metall dabei: Mitarbeiter des VW-Werks in Baunatal vor dem Haupttor.

Bei VW in Kassel werden keine Autos hergestellt, sondern Komponenten für Fahrzeuge. Getriebe sind an diesem Standort besonders wichtig. Insgesamt arbeiten in Baunatal 16.500 Menschen für VW. Nach Wolfsburg - dort ist die Zentrale des Konzerns - ist das Werk in Baunatal die zweitgrößte Niederlassung. Das Werk liegt an der A49 in Altenbauna. 2,4 Millionen Quadratmeter ist die Grundfläche des Werkes in Baunatal groß. 

Insgesamt über 1000 Mitarbeiter der Nachtschicht waren schon bei der Kundgebung vor dem Haupttor in Baunatal. Die Kritik der Streikenden richtete sich gegen die Chefs des VW-Konzerns - es ging auch um die Tierversuche, die kürzlich für Schlagzeilen sorgten, und den Abgasskandal. 

Es ist der erste Warnstreik seit dem Jahr 2004. Mehr Infos und eine Reportage zum Streik bei VW haben wir in einem gesonderten Artikel.

  • Bombardier in Kassel
Wollen mehr Lohn und eine kürzere Arbeitszeit: Bombardier und Rheinmetall-Werker waren am Donnerstagmorgen auf dem Weg zum Streikzelt in der Kasseler Nordstadt.

Lokomotiven sind das Kerngeschäft von Bombardier in Kassel. Hier findet die Fertigung ebenso wie die Entwicklung der Lokomotiven statt. Das Werk befindet sich in der Holländischen Straße 195. In Kassel - dem ältesten Standort der Firma - sind inzwischen mehr als 35.000 Dieselloks, Dampfloks und und Elektroloks gebaut worden. Georg Henschel gründete das Werk im Jahr 1810. 37.000 Mitarbeiter sind in insgesamt in 28 verschiedenen Ländern bei Bombardier beschäftigt. 

Gemeinsam mit den Rheinmetall-Werkern waren die Beschäftigten von VW am Donnerstagmorgen ab 8 Uhr auf dem Weg zum Streikzelt in der Kasseler Nordstadt. Bei www.kassel-live.de gibt es Bilder vom Prostestzug der Metaller.

  • Mercedes-Benz Werk Kassel

Mercedes-Benz hat in Kassel ein Achsenwerk, das unter anderem auch Radsätze und Gelenkwellen herstellt. Zudem werden von Kassel aus viele andere Werke weltweit mit Komponenten und Aggregaten versorgt. Etwa 3100 Menschen arbeiten im Werk in Kassel. Der Ursprung des Mercedes-Werkes in Nordhessen liegt im Jahr 1810 - damals gründete Georg Henschel hier eine Glocken- und Kanonengießerei.

Die Beschäftigten von Mercedes-Benz in Kassel streiken am Donnerstag, 1. Februar, ab 22 Uhr ebenfalls. Das gab der Betriebsrat gegenüber unserer Zeitung an. Der Streik beginnt entsprechend am Donnerstag mit der Nachtschicht ab 22 Uhr. Er wird am Freitag, 2. Februar, fortgesetzt und läuft bis zum Beginn der Nachtschicht. 

Zuvor hatte es von der IG Metall die Info gegeben, dass Mercedes-Benz erst ab Freitag streikt. 

  • Demag in Uslar

Demag gehört zu Konecranes - einem Konzern, der aus Finnland stammt. Der Begriff Demag ist eine Abkürzung für "Deutsche Maschinenbau-Aktiengesellschaft". Es handelt sich um einen Hersteller für Industriemotoren. In Uslar sind momentan noch 230 Personen beschäftigt. Doch Anfang Januar 2018 wurde bekannt, dass in den nächsten zwei Jahren 100 Stellen abgebaut werden sollen. Wegen des Stellenabbaus gab es Mitte Januar bereits Streiks.

Auch Demag ist am 1. Februar in den Warnstreik getreten. Einen Artikel zum Streik bei Demag haben wir hier für Sie.

Was ist das Ziel des IG-Metall-Streiks 2018?

Das große Ziel ist die Senkung der Wochenarbeitszeit. Dabei geht es auch um Zuschüsse für Kinderbetreuung, Schichtarbeit und Pflege. 3,9 Millionen Arbeitnehmer sind in ganz Deutschland von diesen Tarifverhandlungen der IG Metall betroffen. Ganz konkret geht es um sechs Prozent mehr Geld. Dazu kommt das Herabsenken der Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden pro Woche. Die Forderungen auf einen Blick:

  • befristete Arbeitszeitverkürzung
  • mehr Lohn
  • Zuschuss für "Beschäftigte in Belastungssituationen"

Mit den flächendeckenden Streiks sollen die Arbeitgeber wieder an den Verhandlungstisch gezwungen werden. Deutschland steht nun möglicherweise vor der schwersten Auseinandersetzung zum Tarif der Metaller seit dem Jahr 1984. Sechs Wochen dauerte der Arbeitskampf damals. Am Ende boxte die IG Metall schließlich die 35-Stunden-Woche durch.

Es handelt sich um Warnstreiks, die die Gewerkschaft IG Metall in ganz Deutschland organisiert. Begonnen hatten diese bundesweiten Streiks bereits am Dienstag, 30. Januar 2018, in den Abendstunden. Wie groß der Schaden für die einzelnen Betroffenen Firmen ist, ist nicht bekannt. Laut "Handelsblatt" schätzen Wirtschaftswissenschaftler den Ausfall insgesamt auf 62 Millionen Euro - und zwar als Minimum pro Tag, an dem gestreikt wird.

In den Bundesländern Sachsen, Bayern, Berlin und Brandenburg klagen die Verbände der Metallarbeitgeber nun. Dabei geht es unter anderem um Schadenersatz

Wer sind die Mitglieder der IG Metall?

2,26 Millionen Mitglieder hat die IG Metall. Der Sitz befindet sich in Frankfurt. Wie der Name schon sagt, vertritt die Gewerkschaft Arbeitnehmer, die in metallverarbeitenden Berufen tätig sind. Aber auch das Kfz- und Elektro-Handwerk, die Industrie, die Kunststoff und Holz verarbeitet sowie die Bekleidungsindustrie gehören dazu. 

IG Metall Streik 2018 in Kassel

IG Metall Streik 2018 in Kassel
Der Freitagmorgen im Streikzelt an der Wiener Straße: Mercedes-Benz-Werker trafen sich nach einer Kundgebung in der Nordstadt. © Jochimsen
IG Metall Streik 2018 in Kassel
Zusammen im Streikzelt an der Wiener Straße: Die Mercedes-Benz-Werker zeigen mit Streik, dass ihnen die Forderungen der IG Metall ernst und wichtig sind. © Jochimsen
IG Metall Streik 2018 in Kassel
Mit Transparenten ausgerüstet: Die Mercedes-Benz-Werker trotzen dem schlechten Wetter am Freitag. © Jochimsen
IG Metall Streik 2018 in Kassel
Der Freitagmorgen vor dem Streikzelt an der Wiener Straße: Zuvor ging der Zug vom Mercedes-Benz-Werk aus in die Nordstadt. © Jochimsen
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Um 9 Uhr begann für Carsten Schmoll von Rheinmetall der 24-stündige Warnstreik. © Berger
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Ziel der Streikenden war ein großes Zelt an der Wiener Straße in der Nordstadt. Dort konnten sich die Teilnehmer ein bisschen aufwärmen und austauschen.  © Berger
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Um lange durchhalten zu können, wurden zwei Toilettenwagen organisiert.  © Berger
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Hier machen sich die Mitarbeiter von Bombadier und Rheinmetall auf den Weg zum Streikzelt.  © Schlak
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Insgesamt ließen sich bis Donnerstagvormittag 1000 Beschäftigte im Zelt registriert. Dadurch erhielten sie ihr Streikgeld, das ihnen zusteht. © Berger
IG Metall Streik 2018 in Kassel 
Ihr Forderungen haben die Streikenden auch auf kreative Weise zum Ausdruck gebracht.  © Berger
 © A. Berger
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IG Metall Streik 2018 im VW-Werk Kassel

Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem HaupttorFoto: Kühling
 © Kühling
Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem HaupttorFoto: Kühling
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Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem HaupttorFoto: Kühling
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Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem HaupttorFoto: Kühling
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Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem Haupttor Foto: Kühling
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Baunatal Volkswagen VW-Werk Warnstreik der IG Metall vor dem Haupttor Foto: Kühling
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Rubriklistenbild: © A. Berger

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