Interview mit Junior-Professorin Kathrin Rosing über Unternehmensgründungen und den Science Park

„Sinnbild für Unternehmergeist“

Kassels neue Gründerschmiede: Der Science Park auf dem Gelände der Universität wird im März eröffnen. Dort ziehen junge, innovative Unternehmen aus dem Uni-Umfeld und Beratungsstellen für Gründer ein. Foto: Fischer

Kassel. In wenigen Wochen eröffnet der Science Park, Kassels neues Innovations- und Gründungszentrum. Wir sprachen mit Jun.-Prof. Kathrin Rosing vom Institut für Psychologie über Gründung und unternehmerisches Denken.

Muss man ein bestimmter Typ sein, um Unternehmer zu werden? 

Jun.-Prof. Kathrin Rosing: Es gibt Eigenschaften, die förderlich sind: zum Beispiel Eigeninitiative, Leistungs- und Risikobereitschaft. Das heißt aber nicht, dass man kein Unternehmer werden kann, wenn man diese Eigenschaften nicht mitbringt. Vieles kann man trainieren. Auch Kreativität: Da geht es darum, unterschiedliche Informationen in einen neuartigen Zusammenhang zu bringen. Man muss nicht ein wahnsinnig verrückter Typ sein, um gute Ideen zu haben.

Sie unterscheiden grundsätzlich zwischen dem Generieren und dem Umsetzen von Ideen.

Rosing: Man denkt ja meist, für eine erfolgreiche Gründung sei vor allem eine tolle Idee wichtig. Das reicht aber nicht aus, denn die Idee muss auch in die Tat umgesetzt werden. Die psychologischen Voraussetzungen für diese beiden Bereiche sind aber ganz unterschiedlich. Um Ideen zu entwickeln, braucht man Offenheit für Neues, man muss flexibel sein und in die Breite denken. Die konkrete Umsetzung erfordert hingegen zielfokussiertes, effizientes Arbeiten - da darf man sich gerade nicht von vielen verschiedenen Dingen ablenken lassen. Meist sind Menschen entweder im einen oder im anderen Bereich gut.

Das heißt, dass es sinnvoll ist, als Team zu gründen? 

Rosing: Das wäre ein Ansatz. Man sollte dabei aber eben nicht nur darauf achten, dass einer etwas von IT, einer von Technik und einer von Betriebswirtschaft versteht. Ebenso wichtig ist die Mischung aus psychologischer Sicht: dass ein kreativer Typ und ein eher fokussierender Typ, der auf die Umsetzung hinarbeitet, dabei sind.

Sie beschäftigen sich auch mit Innovationsprozessen in bestehenden Unternehmen. Fehlt da oft der Mut zu Neuem?

Rosing: Je länger ein Unternehmen nach einer bestimmten Routine arbeitet, desto schwieriger wird es, Innovationen oder Veränderungen zu bewirken. Zum Beispiel auch, wenn ein Produkt ausgedient hat. Die Firma Leica etwa hat lange Zeit auf hochwertige analoge Kameras gesetzt und digitale Kameras für eine Modeerscheinung gehalten. Das hat die Firma an den Rand des Ruins getrieben. Sie hat sich sehr schwergetan, nachträglich auf den digitalen Zug aufzuspringen. Daran sieht man, dass es gefährlich sein kann, sich auf der etablierten Strategie auszuruhen und nicht in neue Richtungen zu denken.

Wie kann man so etwas befördern? 

Rosing: Wichtig ist, einen unternehmerischen Geist beizubehalten. Unter unternehmerischem Handeln versteht man nicht nur das Gründen und Führen von Unternehmen, sondern auch allgemein, dass Mitarbeiter eigeninitiativ in ihrer Arbeit vorgehen und Raum bekommen, eigene Ideen zu entwickeln. Dafür ist ein Klima wichtig, in dem es erlaubt ist, Dinge auszuprobieren - mit dem Risiko, auch mal einen Fehler zu machen.

Der Science Park hat über 15 Mio. Euro gekostet. Bringen solche Projekte etwas, um Gründungsaktivitäten zu fördern? 

Rosing: Mit Sicherheit. Erstmal ist es natürlich hilfreich, dass es eine zentrale Anlaufstelle gibt, bei der Gründer handfeste Unterstützung bekommen. Zum anderen wird durch die Institution Science Park die Wertschätzung für das Thema Gründung sichtbar. Das Gebäude wird gewissermaßen zum Sinnbild für eine unternehmerische Haltung, die wir als Gründerhochschule leben. In meinen Vorlesungen merke ich, dass viele Studenten noch nie einen Gedanken an eine mögliche Selbstständigkeit verschwendet haben. Der Science Park und die Berichterstattung darüber machen das Thema Gründung präsenter.

Werden Sie auch konkret zum Science Park forschen? 

Rosing: Das haben wir vor. Einerseits können die Erkenntnisse unserer Forschung dort angewendet werden. Andererseits können wir das Wissen über unternehmerisches Denken und Handeln erweitern. Wir würden gern aus psychologischer Sicht untersuchen, wie die Zusammensetzung der Gründerteams sich auf deren Erfolg auswirkt. Auch die Prozesse vor und nach der Gründung werden wir uns unter psychologischen Gesichtspunkten genauer ansehen. Und man kann untersuchen, inwiefern sich Gründungen im Umfeld des Science Parks unterscheiden von der sinnbildlichen Gründung in der Garage.

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