Planung geändert

Jobcenter-Neubau auf Unterstadtbahnhof in Kassel verzögert sich

Backsteinarchitektur: Der Neubau des Jobcenters soll im Laufe des Jahres beginnen. Die Pläne für das Gebäude – hier die ursprüngliche Variante – wurden wegen eines höheren Platzbedarfs der Behörde nochmals überarbeitet. Aktuelle Bilder des geplanten Neubaus waren bei der Firma Straßberger noch nicht zu erhalten. Foto: Straßberger Immobilien/nh

Kassel. Der Neubau des Kasseler Jobcenters verzögert sich um einige Monate. Grund ist eine geänderte Planung für das Gebäude.

Ende 2017 soll das Kasseler Jobcenter eigentlich in einen Neubau ziehen, der auf dem Gelände des ehemaligen Unterstadtbahnhofs geplant ist. Der Baubeginn war bereits für vergangenes Jahr vorgesehen. Doch das Areal an der Mombachstraße liegt nach wie vor brach.

Grund für die Verzögerung ist, dass die Planung nochmal überarbeitet werden mussten, erklärt Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Jobcenters auf Anfrage der HNA. „Wir brauchen mehr Platz als ursprünglich gedacht.“

Das Jobcenter wird lediglich Mieter in dem Neubau, den das Bielefelder Immobilienunternehmen Straßberger errichtet. Es hatte sich in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. Das Unternehmen hat mit 5,5 Hektar fast die Hälfte des ehemaligen Bahngeländes zwischen Wolfhager Straße und Mombachstraße gekauft.

Für das Jobcenter, das bislang auf zwei Standorte verteilt ist, soll auf einem Teil der Fläche ein großer Neubau entstehen. Geplant war zunächst ein viergeschossiger Bau, der 7000 Quadratmeter Büroflächen bieten sollte. Weil das Jobcenter durch den Zuzug vieler Flüchtlinge aber deutlich mehr Menschen zu betreuen hat, ist nun mehr Platz nötig. Derzeit hat das Jobcenter 290 Mitarbeiter – als die Ausschreibung für den Neubau lief, waren es noch 270. „Der Puffer, der wir bei der Planung vorgesehen hatten, ist damit schon aufgebraucht“, sagt Schäfer. Er rechnet damit, dass weitere Neueinstellungen nötig sein werden. Allein in den nächsten Wochen erwarte man 700 weitere Flüchtlinge, die zum Kundenkreis hinzukommen, so Schäfer. Es handele sich um Asylbewerber, die schon in Kassel sind, aber noch auf ihre Anerkennung warten und danach in die Zuständigkeit des Jobcenters wechseln.

Deshalb habe man die Firma Straßberger gebeten, das Gebäude nochmal umzuplanen. Es soll nun knapp 700 Quadratmeter größer ausfallen als ursprünglich geplant. Das biete Platz für 20 zusätzliche Büros. „So haben wir noch ein bisschen Luft“, sagt der Jobcenter-Chef. „Wir vermieten lieber unter als dass der Platz nicht reicht und wir wieder Ausweichorte suchen müssen.“

Bisher ist das Jobcenter auf zwei Standorte im Rathaus und in der Arbeitsagentur am Grünen Weg verteilt. Für die Kundschaft ist das unübersichtlich. Zudem leidet die Behörde schon länger unter Platzmangel, der sich durch den Personalzuwachs verschärft hat. So teilen sich häufig zwei Sachbearbeiter ein Büro. Um dem Datenschutz gerecht zu werden, können die Beratungen dann nur im Wechsel stattfinden. In dem Neubau sollen alle Mitarbeiter mit Publikumsverkehr kleine Einzelbüros haben.

Wann die Bauarbeiten beginnen, steht noch nicht fest. Der geänderte Bauantrag werde mit Hochdruck bearbeitet, hieß es aus dem Stadtplanungsamt. Der Umzug des Jobcenters wird sich durch die Verzögerung voraussichtlich auf Anfang 2018 verschieben.

Stichwort: Jobcenter und Arbeitsagentur

Das Kasseler Jobcenter wird von der Arbeitsagentur und der Stadt Kassel getragen. Es ist für den Großteil der aktuell 9200 Arbeitslosen in der Stadt Kassel zuständig. Rund 7500 davon werden vom Jobcenter betreut. Wie sind die Zuständigkeiten geregelt? 

• Die Arbeitsagentur kümmert sich um Arbeitslose, die weniger als ein Jahr ohne Job sind. Bei ihnen greift die Arbeitslosenversicherung, sie erhalten Arbeitslosengeld I, das sich am letzten Gehalt bemisst.

 • Das Jobcenter ist für die Menschen zuständig, die schon länger arbeitslos sind. Sie erhalten Arbeitslosengeld II, auch bekannt als Hartz IV. Auch fast alle Flüchtlinge werden vom Jobcenter betreut, sobald sie ihre Anerkennung erhalten haben und nicht mehr Leistungen als Asylbewerber erhalten. Neben den Arbeitslosen versorgt das Jobcenter auch deren Kinder und Partner, wenn diese nicht für ihren Unterhalt aufkommen können. Man spricht dabei von Bedarfsgemeinschaften. Insgesamt erhalten 23.400 Menschen in Kassel Leistungen des Jobcenters. 

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