Stadt genehmigt Aldi größeren Markt und vergrätzt damit Lidl

Kampf der Discounter in der Nordstadt

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Tür an Tür: Auf der noch begrünten Brachfläche zwischen Holländischer Straße und Bunsenstraße soll ein Aldi-Markt entstehen. Direkt daneben steht bereits eine Lidl-Filiale (auf dem Foto hinten rechts), die das Unternehmen vergrößern möchte.

Nord-Holland / Philippinenhof-Warteberg. Die Wahl zwischen den führenden Discountern haben Kunden demnächst in der Kasseler Nordstadt. Denn direkt neben dem Lidl-Markt an der Bunsenstraße dürfte schon bald eine Filiale des Konkurrenten Aldi entstehen.

Den Weg frei dafür haben die Stadtverordneten jetzt mit einer Änderung des Bebauungsplans gemacht. Doch der Beschluss mit der Mehrheit von SPD, Grünen, CDU und FDP könnte teuer werden für die Stadt Kassel.

Denn Lidl hatte bereits im vorigen Jahr bei der Stadt beantragt, den Markt von 1000 auf 1500 Quadratmeter Verkaufsfläche vergrößern zu dürfen. Eine Genehmigung gab es dafür nicht. Dagegen hat Lidl vor dem Verwaltungsgericht Kassel geklagt. Wann darüber entschieden wird, lasse sich nicht abschätzen, sagte Matthias Spillner, Sprecher des Verwaltungsgerichts.

Bisheriger Aldi schließt 

Doch bis zu einem Urteil könnte Aldi längst Baurecht für den neuen Markt direkt nebenan erhalten, der eine Verkaufsfläche von 1200 Quadratmetern haben soll. Zugleich will das Unternehmen, so ist in der Beschlussvorlage zu lesen, die etwa 500 Meter entfernte Filiale am Philippinenhöfer Weg schließen. Aldi könnte sich damit deutlich vergrößern, denn der bisherige Markt hat nur 733 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Das Gelände, auf dem früher ein Straßenbahndepot der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) stand, soll laut Bebauungsplan nur 2200 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten. Selbst wenn man diese Gesamtfläche ändern würde, könnte man beiden Discountern ihre Wünsche laut Planung nicht erfüllen, sagte Gerichtssprecher Spillner. „Es könnten nicht beide Märkte nebeneinander in den gewünschten Größen existieren.“ Schon jetzt seien für Parkplätze Flächen auf Nachbargrundstücken vorgesehen. Durch den nun geänderten Bebauungsplan sehe sich Lidl eher im Recht, seinen Markt vergrößern zu dürfen. Das hätten die Anwälte des Unternehmens dem Verwaltungsgericht deutlich gemacht, sagte Spillner. Auf Anfragen unserer Zeitung äußerten sich beide Unternehmen bisher nicht.

Sollte das Verwaltungsgericht der Klage stattgeben, könnte es für die Lidl-Erweiterung zu spät sein, weil in der Zwischenzeit Aldi schon gebaut haben dürfte. Die Stadt Kassel könnte dann in der Zwickmühle stecken, Lidl eine größere Verkaufsfläche gestatten zu müssen, die auf dem Gebiet zwischen Holländischer Straße und Bunsenstraße dann gar nicht mehr vorhanden ist.

Die Folge wären Schadenersatzforderungen, die Lidl womöglich geltend machen könnte. Bemessen würden diese dann am Umsatz, der dem Unternehmen durch die weiterhin kleinere Verkaufsfläche entgangen wäre.

Die Debatte in der Stadtverordnetenversammlung

Ortsvorsteher sieht Nahversorgung nicht in Gefahr 

Bevor die Stadtverordneten die Änderung des Bebauungsplans für das frühere KVG-Depot an der Holländischen Straße am vorigen Montag beschlossen, waren die rechtlichen Folgen kaum ein Thema. Im Mittelpunkt stand die Rolle der Ortsbeiräte. Maßgeblich betroffen von der Änderung seien die Menschen im benachbarten Philippinenhof-Warteberg, die den dort noch angesiedelten Aldi-Markt als nahe Einkaufsmöglichkeit verlieren, kritisierte Axel Selbert (Linke). "Das ist das Gegenteil von Stadtentwicklung", kritisierte auch Bernd Häfner (Demokratie erneuern/Freie Wähler). Grünen-Fraktionschef Dieter Beig hielt dem entgegen, dass dazu ja der Ortsbeirat hätte die Initiative ergreifen können. Ortsvorsteher Stefan Markl (SPD), der auch Stadtverordneter ist, äußerte sich in der Debatte nicht. Im Gespräch mit der HNA sagte er, dass er die Nahversorgung in Philippinenhof-Warteberg nicht in Gefahr sehe. Im Ortskern gebe es nämlich noch einen weiteren kleinen Einkaufsmarkt. Zudem liege der neue Standort von Aldi nicht weit entfernt. Dennoch werde sich der Ortsbeirat in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema beschäftigen, sagte Markl. Entscheidend sei die Frage, was mit dem Gebäude passiere, das Aldi verlassen will und das dann leer stehen dürfte.

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