Jonas Döbel betreibt Instagram-Account „Umweltfragen“

Kampf den Müll-Kippen: Kasseler Student sammelt 13.000 Zigarettenstummel

Jonas Döbel sammelt in Kassel Zigarettenkippen. Der Student betreibt die Instagram-Seite „Umweltfragen“, auf der er jeden Tag eine Zahl zu Umweltthemen postet.
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Hat schon 13 000 Zigarettenkippen gesammelt: Jonas Döbel beim Aufräumen in der Kasseler Nordstadt. Der Student betreibt die Instagram-Seite „Umweltfragen“, auf der er jeden Tag eine Zahl zu Umweltthemen postet.

80 Prozent aller Zigarettenkippen werden einfach weggeschmissen. Giftstoffe landen so im Grundwasser. Ein Kasseler Student will das mit einer spektakulären Aktion ändern.

Kassel – Wer Jonas Döbel gerade bei seiner liebsten Freizeitbeschäftigung sieht, könnte meinen, der Student sei schon mal kriminell gewesen und verurteilt worden. Seit drei Wochen sammelt der 24-Jährige Tag für Tag Zigarettenstummel. Mindestens eineinhalb Stunden am Tag geht er mit Greifzange und Eimer vor allem durch die Straßen der Kasseler Nordstadt. So hat er schon 13 000 Kippen eingesammelt, wie er schätzt.

Döbel hat aber keine Sozialstunden aufgebrummt bekommen. Im Gegenteil: Zumindest unter Umweltgesichtspunkten lebt er vorbildlich. Der aus Kaufungen stammende junge Mann hat kein Auto, isst kaum Fleisch, studiert Umweltingenieurwesen und betreibt den Instagram-Account „Umweltfragen“.

Seit einem Jahr postet Döbel dort Tag für Tag eine Zahl rund um Umweltthemen. Mittlerweile folgen ihm mehr als 6300 Abonnenten. Sie erfahren, dass der Anteil an Mehrwegflaschen bei Aldi Süd 0 Prozent beträgt oder 85 Prozent aller in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume aus Monokulturen stammen. Interaktiv können die Nutzer auch mitraten. „Ich will nicht mit dem erhobenen Zeigefinger belehren, sondern das Umweltbewusstsein spielerisch erweitern“, sagt Döbel.

Im Dezember dachte sich der Nichtraucher, dass es „cool wäre, etwas für die Umwelt zu tun“. Also begann er einen Tag vor Heiligabend mit seinem Kampf gegen die Müll-Kippe. Auf Instagram postete er, dass er für jeden Follower 15 Zigarettenstummel sammeln werde, für jeden Like des Beitrags weitere 5. Die Idee kam so gut an, dass er nun 17 300 Kippen zusammenkriegen muss.

Kassels Raucher machen es ihm aber auch leicht (oder schwer – je nach Perspektive). Schon in einer Stunde hat er 1000 Stück zusammen. Auf dem Uni-Campus sind es sogar 1300 in einer halben Stunde. Döbel zählt jede Kippe mit. Mittlerweile hat das für ihn etwas Meditatives.

Weniger beruhigend sind die Fakten rund um den Raucherdreck. In den weggeworfenen Filtern stecken bis zu 7000 Giftstoffe, von denen mehr als 50 als krebserregend gelten, wie Döbel vorrechnet. Die Gifte landen in Kläranlagen, wo sie rausgefiltert werden müssen, oder aber im Grundwasser. Bis eine weggeworfene Zigarette abgebaut wird, kann es bis zu 15 Jahre dauern. Und trotzdem werden 80 Prozent aller Kippen weggeworfen, wie Döbel herausgefunden hat. Pro Quadratkilometer liegen in deutschen Großstädten 2,7 Millionen Stummel.

Vielen ist nicht bewusst, dass dies ein Problem ist. Als Döbel an der Haltestelle Kaufungen-Papierfabrik sammelte, ein Tram-Fahrer seine Kippe auf die Gleise warf und er den Mann darauf hinwies, dass das nicht okay sei, schüttelte der nur den Kopf.

Die einzige Möglichkeit gegen die Flut der Zigarettenstummel sind laut Döbel höhere Strafen, wie sie viele Städte verhängt haben. In Berlin etwa kann eine Kippe 120 Euro kosten. In Kassel haben SPD und Grüne ein schärferes Vorgehen voriges Jahr verhindert. Trotzdem droht auch hier ein Bußgeld, das laut Stadt vom Einzelfall abhängt.

Was Döbel mit seinen gesammelten Zigaretten machen will, weiß er noch nicht. Er könnte sie dem Kölner Verein Tobacycle zur Verfügung stellen, der die Kippen zu einem spritzfähigen Granulat recycelt. Vielleicht lohnt es sich aber auch, den Tabakmüll zu behalten. Döbel überlegt, seine Masterarbeit über weggeworfene Zigaretten zu schreiben. (Matthias Lohr)

www.umwelt-fragen.de

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