Zweisprachige Turbo-Ausbildung für Mediziner reizt viele

Sie fühlen sich in Southampton wohl: Die Studentinnen Katharina Berger (links) und Antonia Gild suchen Rat bei Claire Pollack, wenn es Probleme beim Studium gibt. Foto: Dilling

Kassel. In England und am Kasseler Klinikum das ärztliche Handwerkszeug erlernen, schnelleres Studium und Aufstiegschancen in Europa und vielen Übersee-Ländern: Das verspricht die Kasseler „School of Medicine“ (KSM).

Seit zwei Jahren bietet sie in Zusammenarbeit mit der englischen Universität Southampton ein stark praxisorientiertes Medizinstudium an.

Das kommt offensichtlich bei ehrgeizigen jungen Leuten an, die von einer Arztkarriere träumen: Zum Info-Tag der KSM im Vorfeld der Bewerbungsrunde für die neuen Erstsemester kamen am Samstag 80 Interessenten aus ganz Deutschland ins Klinikum Kassel, um sich bei Vorträgen und Führungen durch die Schule zu informieren.

Die Studenten der KSM können schon nach fünf Jahren als Assistenzärzte anfangen, während das in Deutschland übliche Medizinstudium gewöhnlich sechs Jahre dauert. Doch nicht nur dieser Studienmarathon scheint junge Leute zu schrecken. „Die Ausbildung in Deutschland ist in den ersten zwei Jahren sehr theoretisch. Ich möchte gern ganz schnell mit Patienten zu tun haben“, sagt Johanna Klein. Die 19-jährige Abiturientin aus Fulda macht gerade ein Pflegepraktikum und kann sich ein Studium an der KSM gut vorstellen. „Englisch macht mir Spaß, das passt“, sagt die junge Frau.

„In Deutschland ist das nur ein Fleißstudium“, sagt Anna-Katharina König. Die 17-Jährige besucht die Jacob-Grimm-Schule und möchte „auf jeden Fall ins Ausland“, wie sie sagt. Ihr gefalle an dem KSM-Studium, dass es von Beginn an auf die Patienten konzentriert sei und nicht nur aufs Büffeln.

Ähnlich denkt Moritz Gröper, der mit seiner Mutter - einer Ärztin - aus Verden bei Bremen angereist ist. „Erst sitzt man zwei Jahre im Hörsaal und darf dann - wenn man Glück hat - zu Übungszwecken ein Schwein aufschnippeln“, sagt der 16-Jährige. Das Medizinstudium stellt er sich spannender vor. Er werde sich wahrscheinlich nach dem Abi in Kassel um einen Studienplatz bewerben, erklärt der junge Mann, denn er wolle so schnell wie möglich in die Berufspraxis.

Katharina Berger und Antonia Gild, Abiturientinnen des Wilhelmsgymnasiums, sehen ihre Erwartungen an das Studium als voll erfüllt. Die beiden 19-Jährigen haben vergangenen September ihr erstes Semester in Southampton begonnen. „Schon nach ein paar Wochen habe ich bei der ersten Geburt im Kreißsaal mitgeholfen“, erzählt Berger. „Man wird sofort ins kalte Wasser geschubst“, sagt die junge Frau.

Claire Pollack von der Universität Southampton lobt die deutschen Studenten. In deren Leistungen sei kein Unterschied zu den englischen festzustellen, obwohl sie in einer Fremdsprache studieren. Sogar deutsche Ärzte könnten in Sachen Kommunikation mit Krankenschwestern und Patienten von ihnen noch etwas lernen.

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