„Man kann doch nicht zugucken“

Mann in Kassel mit Messer verletzt: Bargäste retteten Opfer vermutlich das Leben

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Halfen dem Opfer: Gäste und Mitarbeiter der Chicago Bar. 

In Kassel wurde ein Mann mit einem Messer schwer verletzt. Dass der Mann überlebte, lag vor allem am Eingreifen zweier Stammgäste der nahegelegenden Chicago Bar.

An der Ecke Holländische/Henschelstraße erinnert am Tag nach der Bluttat nichts daran, dass hier fast ein Mensch gestorben ist. Unter dem Parkplatzschild liegen Scherben kaputter Bierflaschen, die Hainbuchenhecke am Rande des Fußwegs ist ungeschnitten. Hier, so die Polizei, stachen Mittwochabend drei bislang unbekannte Täter einen 31 Jahre alten Mann mit mehreren Messerstichen nieder.

Dass der Mann überlebte, lag vermutlich nicht zuletzt am beherzten Eingreifen von zwei Stammgästen und einem Angestellten der auf der anderen Straßenseite liegenden Chicago Bar.

Gegen 22 Uhr bemerkt man, dass es Ärger gibt

Die beiden Stammgäste, die am Mittwoch in der Kneipe sind, haben Chicago vermutlich noch nie gesehen. Einer ist Jeside, erzählt der Besitzer der Bar, Baro Günes, der andere Kurde. Sie werden bedient von Erkhan Reza. Gegen 22 Uhr bemerkt man, dass es auf der anderen Straßenseite Ärger gibt.

Hier wurde der Mann angegriffen: An der Holländischen Straße/Ecke Henschelstraße stachen drei Unbekannte mit dem Messer auf den 31-Jährigen ein.

Drei Männer greifen dort einen anderen an. Die Zecher in der Bar wissen: Das kann für den nicht gut ausgehen.

Sie stürzen über die Straße, rennen auf die Täter zu, vertreiben sie. Dann sehen sie, dass das Opfer blutet. Am Hals, an den Händen. Sie schaffen den Mann in die Chicago Bar. Einen Erste-Hilfe-Koffer gibt es dort nicht. Die Männer nehmen Papiertücher und drücken sie auf die Wunden. Dann wählen sie die 112. Das Opfer der Messerattacke überlebt.

„Was die Menschlichkeit betrifft, sind meine Gäste ganz weit vorn.“

Barbesitzer Baro Günes weiß, wie seine Gäste drauf sind: Überwiegend Ausländer trinken bei ihm, kaum Deutsche. Die Gäste seien mitunter „nicht die besten Menschen“, sagt Baro Günes, aber „wenn so was passiert, kann man doch nicht zugucken.“ Und dann handelt man auch. „Was die Menschlichkeit betrifft, sind meine Gäste ganz weit vorn.“

Ansonsten hatte sich Baro Günes die Sache mit der Chicago Bar ganz anders vorgestellt. Er komme aus Bad Hersfeld und habe somit nicht gewusst, was sich dort im Umfeld so abspielt.

Gute Lage in der Kasseler Innenstadt, habe er gedacht, als er die Bar übernahm. Jetzt will er sie wieder loswerden.

Fast jeden zweiten Tag ein Polizeieinsatz

Denn fast jeden zweiten Tag gebe es in der Nachbarschaft einen Polizeieinsatz, sagt Baro Günes. Schuld daran sei das als Kakerlakenbunker verschriene Eckhaus am Holländischen Platz. Dabei, sagt der Barbesitzer, könnte es so einfach sein, dass es am Holländischen Platz anders, also besser, werde. Den Kakerlaken-Bunker abreißen und Stundentenwohnhäuser hinbauen, schlägt er vor. Schließlich gebe es auf der anderen Seite die Universität, und mit einem Schlag würde das Image des Viertels gerettet werden.

Denis Mathe, Leiter des Fitness-Studios Fitness Future neben der Bar, berichtet ebenfalls von ständigen Polizeieinsätzen. Bei ihm sei es aber ruhig. Bei den starken Männern im Studio traut sich niemand, Randale zu machen.

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