Kunden von Kasselwasser widersprechen Gebührenbescheid

Ärger um Wasserrechnung: Kasselerin soll für Anschluss zahlen, den sie gar nicht hat

Sind nicht gut auf ihren Wasserversorger zu sprechen: Günther Teis und Doris Michel wohnen an der Hegelsbergstraße.
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Sind nicht gut auf ihren Wasserversorger zu sprechen: Günther Teis und Doris Michel wohnen an der Hegelsbergstraße.

Doris Michel aus Kassel ist sauer: Laut dem neuen Gebührenbescheid für Wasser wird es für sie richtig teuer - zahlen soll sie jetzt für einen Anschluss, den sie gar nicht hat.

Kassel - Als Doris Michel vor gut zwei Wochen den neuen Wassergebührenbescheid in den Händen hielt, geriet sie in Rage. Sie sollte für ihr Einfamilienhaus an der Hegelsbergstraße fast doppelt so viel bezahlen wie bislang.

Dies liegt vor allem daran, dass sie nicht nur für ihren Verbrauch und eine anteilige Grundgebühr zur Kasse gebeten wird, sondern auch für die Bereitstellung eines eigenen Hausanschlusses. Doch die Kasselerin hat gar keinen eigenen Anschluss.

Kassel und Vellmar: Versorger Kasselwasser hat die Gebühren für Wasser reformiert

Weil die Kasselerin sich ungerecht behandelt fühlt, übt sie nun harsche Kritik an der Reform der Kasseler Wassergebühren. Nach der zu Jahresbeginn greifenden Reform der Trinkwassergebühren, müssen alle Haushalte in Kassel und Vellmar – sie werden beide von Kasselwasser versorgt – eine Gebühr zahlen, die sich in drei Teile untergliedert: Eine verbrauchsabhängige Benutzungsgebühr sowie eine Bereitstellungs- und eine Zählergebühr, die beide unabhängig von der verbrauchten Wassermenge sind. Wer also etwa Mieter in einem Mehrfamilienhaus ist, zahlt geringere Grundgebühren, weil sich in der Regel alle Bewohner einen Hausanschluss teilen.

Auch Doris Michel teilt sich seit Jahrzehnten einen Anschluss: Sie bewohnt zwar kein Mehrfamilienhaus, aber nutzt gemeinsam mit ihrem Schwager einen Wasseranschluss. Die Heilpraktikerin wohnt im Hinterhaus des Grundstücks an der Hegelsbergstraße, ihr Schwager Günther Teis bewohnt das Vorderhaus und hat noch zwei Mieter unter seinem Dach. Durch eine Leitung, die Doris Michel gehört und für deren Instandsetzung sie auch aufkommt, sind beide Häuser verbunden.

Dennoch wird Doris Michel mit der Gebührenreform nun so behandelt, als hätte sie einen eigenen Anschluss. Sie zahlt die volle Anschlussgebühr von 91 Euro pro Jahr. „Dabei habe ich hier im Hinterhaus keinen Anschluss und somit auch kaum Wasserdruck.“

Neue Gebühren für Wasser in Kassel: Frau muss doppelt so viel zahlen

Weil das Kasseler Wasser wegen der höheren Grundgebühren ohnehin teurer geworden ist, trifft es die Kasselerin nun besonders hart. Ihre Kosten haben sich verdoppelt. „Das ist Wucher“, findet die Frau. Sie hat deshalb gemeinsam mit ihrem Schwager Widerspruch gegen den Gebührenbescheid eingelegt.

Ein Unding findet Doris Michel zudem, dass nach wie vor nur ihr Schwager die Bescheide zugeschickt bekommt, weil er den Anschluss im Haus hat. „Die behandeln mich wie einen Mieter, aber zahlen soll ich wie ein Eigentümer“, so Michel.

Günther Teis werden nun für alle vier Wohneinheiten – inklusive dem Haus von Michel – knapp 500 Euro pro Jahr in Rechnung gestellt. Zum Vergleich: 2018 waren es für alle Wohneinheiten auf den beiden Grundstücken 234 Euro.

Städtische Werke Kassel weisen Kritik an Gebühren für Wasser zurück

Die Städtischen Werke, die von Kasselwasser mit der Trinkwasserversorgung beauftragt sind, weisen jede Kritik zurück: „Die Anschlusssituation hat keinen Einfluss auf die Gebührenbemessung“, so ein Sprecher. Der Grundgedanke der Gebührensatzung sei die „verursachungsgerechte Kostenverteilung“. Michel sei mit der vollen Grundgebühr zu belegen, weil sie auf einem eigenen Grundstück wohne. Ohnehin deckten die Grundgebühren hauptsächlich den Aufwand für die der Hausinstallation vorgelagerten Infrastruktur, also Wassergewinnung, Wasseraufbereitung, Wasserverteilung, der unabhängig von der verbrauchten Menge sei. (Bastian Ludwig)

5000 Euro für einen Widerspruch gegen die neue Kasseler Wassergebühr: Anwältin spricht von Abschreckungsversuch der Behörde.

Seit Jahren läuft ein Rechtsstreit um die Wassergebühren in Kassel

Seit Jahren läuft ein Rechtsstreit um die Rechtmäßigkeit der Kasseler Wassergebühren. Dabei geht es um die Frage, ob es zulässig ist, dass der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser eine 19-prozentige Konzessionsabgabe in seine Gebühr einkalkuliert. Das Verwaltungsgericht Kassel und der Hessische Verwaltungsgerichtshof hatten dies verneint. Daraufhin hatte die Stadt beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingelegt. Dies ließ eine Revision zu. Nun wird neu verhandelt. Sollte die Stadt abermals unterliegen, droht ihr eine millionenschwere Rückzahlung an die 70 000 Kunden in Kassel und Vellmar. (bal)

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