Projekt der Uni Kassel vor Abschluss

Kasseler erwecken Bauhaus: 80 Jahre alte Baupläne werden in Dessau umgesetzt

+
So soll er werden: Der Flachbau entsteht unmittelbar neben einem der Laubenganghäuser.

Eigentlich sollten in der Bauhaus-Siedlung in Dessau 400 Holzhäuser dieses Typs entstehen. Studenten der Uni Kassel setzten die Pläne 80 Jahre später um.

Preiswert, ökologisch, erweiterbar: Was der Bauhausdirektor Hannes Meyer und Bauhaus-Lehrer Ludwig Hilberseimer 1930 als Gebäudetyp entwarfen, passt auch zu den heutigen Ansprüchen. Studenten und Wissenschaftler der Universität Kassel haben das vor 80 Jahren entwickelte Gebäude nun erstmals nach Originalplänen in der Dessauer Bauhaus-Siedlung errichtet. Am Sonntag wird es eingeweiht.

Eigentlich wollten die Bauhaus-Architekten Meyer und Hilberseimer einst 400 Holzhäuser dieses Typs in der Laubenganghaus-Siedlung in Dessau-Törten bauen. Die Flachbauten sollten das Siedlungsensemble der Laubenganghäuser, die heute zum Weltkulturerbe gehören, ergänzen. 

"Innovativster Beitrag des Bauhaus zum Wohnungsbau"

Doch die Weltwirtschaftskrise und die durch die NSDAP forcierte Vertreibung des Bauhaus aus Dessau machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. Lediglich ein Exemplar des Gebäudetyps wurde 1932 für eine Fachmesse erstellt.

So soll er werden: Der Flachbau entsteht unmittelbar neben einem der Laubenganghäuser.

In der Folge sei der „mit Abstand innovativste Beitrag des Bauhaus zum Wohnungsbau“ nahezu in Vergessenheit geraten, so der Kasseler Architektur-Professor Philipp Oswalt. Der Hochschullehrer leitete von 2009 bis 2014 die Stiftung Bauhaus Dessau und hat nun das Bauprojekt 100 Jahre nach Gründung des Bauhaus angestoßen.

Kein Bauhaus-Klischee

Das L-förmige Gebäude passe so gar nicht in das gängige Bauhaus-Klischee, sagt Oswalt. Es sei nicht aus Glas, Stahl und Beton, sondern in einfacher Holzbauweise konstruiert. So könne das einseitige Bild vom Bauhaus, das bei vielen Menschen vorherrsche, korrigiert werden. Es sei zudem ein wichtiger Impuls für die heutige Wohnungsdebatte. Die aktuell populäre Tiny-House-Bewegung, die das nachhaltige Wohnen in kleinen Häusern propagiert, ist also nichts Neues. 

Drei Wochen brauchten die Studenten des Fachgebietes „Architekturtheorie und Entwerfen“, um das Wohnhaus neben einem der Laubenganghäuser zu errichten. Am Sonntag wird das Haus eröffnet und an den Deutschen Werkbund Sachsen-Anhalt übergeben.

Das Haus ist demontierbar und soll nach anderthalb Jahren in Dessau weiterziehen. Seine zweite Heimat soll es im Umfeld des Hauses „Lemke“ von Architekt Mies van der Rohe in Berlin finden. Mies hatte den Typ von Hilberseimer aufgegriffen und in Form einer luxuriösen Villa umgesetzt.

Auch interessant: Die Bauhaus-Idee lebt: Wohnhaus aus 1928 am Brasselsberg glänzt mit modernem Anbau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.