Pilze aus dem Bunker

Kasseler Gründungsteam wurde mit Hessen-Ideen-Stipendium ausgezeichnet

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So könnten die Pilze aus dem Bunker aussehen: Johanna Quendt, Gina Schwarzmaier und Katrin Becker sind die Gründerinnen der „Kasseler Bunkerpilze“. 

Ein Start-Up schon an der Uni ins Leben rufen? Für das Kasseler Gründungsteam bestehend aus Johanna Quendt, Gina Schwarzmaier und Katrin Becker kein Problem. Sie haben das Projekt "Kasseler Bunkerpilze" ins Leben gerufen.

Kassel – Kaffeesatz, Kalk, Pilzsaat und große Eimer: Mehr brauchen Johanna Quendt, Gina Schwarzmaier und Katrin Becker nicht, um ihre eigenen Speisepilze anzubauen. Dann heißt es nur noch ein paar Wochen warten, bis geerntet werden kann.

„Kasseler Bunkerpilze“ heißt das Projekt, das die drei jungen Frauen 2018 ins Leben gerufen haben. Sie wollen vor allem den Anbau von lokalen Produkten fördern. „Bei vielen Lebensmitteln ist die Herkunft intransparent. Unsere Pilze kommen direkt aus der Region“, sagt Quendt, die mit Schwarzmaier ökologische Landwirtschaft studiert. Wachsen sollen ihre Pilze, wie es der Projektname schon sagt, am besten in Bunkern. „Oberirdisch gibt es zu wenig Fläche, um etwas anzubauen, unterirdisch sieht das ganz anders aus“, sagt Becker. Zur Zeit suchen die Gründerinnen noch nach Orten, an denen sie ihre Produkte in großen Mengen produzieren können. „Das gestaltet sich bis jetzt noch schwierig, denn wir brauchen am besten 150 Quadratmeter.“

Eine ebenerdige Lage oder eine Räumlichkeit mit Lastenaufzug wären ideal, sagen die Pilzzüchterinnen. Auch große Kellerräume oder Lagerhallen würden sich eignen.

Die „Kasseler Bunkerpilze“ befinden sich gerade noch in der Vorgründungsphase, sodass noch einige Testläufe anstehen. Dann heißt es, ausprobieren und aus Fehlern lernen. Auf die Art der Pilze haben sich die Frauen aber schon geeinigt: Edelpilze sollen es werden, wie etwa Austern-, Rosen- oder Zitronenpilz. Erste Erfahrungen hat das Trio bereits: „Mit zehn Kilo Kaffeesatz können wir etwa ein bis zwei Kilo Pilze angebaut werden. Unser Ziel ist es, irgendwann mit 200 Kilogramm Kaffee wöchentlich Pilze zu produzieren“, sagt Becker. Verkaufen wollen die drei Frauen ihre Pilze zunächst einmal auf Wochenmärkten oder in der Markthalle. Auch der Gastronomie und Supermärkten wollen sie ihre Produkte anbieten.

Beim Verkauf der unverarbeiteten Pilze soll es aber nicht bleiben. Die Gründerinnen planen auch, Pilzpesto und -risotto herzustellen. „So haben wir auch die Möglichkeit, Pilze, die vielleicht zu klein oder nicht so schön für den Verkauf sind, anderweitig zu verarbeiten“, erklärt Becker, die Produktdesign studiert.

Investiert haben die drei Frauen außer Zeit noch fast nichts in das Start-Up-Projekt. Denn was sie für den Pilzanbau brauchen, bekommen sie umsonst. „Den Kaffeesatz kriegen wir vom Café Pavillon auf dem Uni-Campus, die Kaffeehäutchen von der Manufaktur Röstrausch in Gudensberg, und die Eimer stellt die Mensa“, erklärt Quendt. Alles Rohstoffe, die sonst im Müll landen würden. Nachhaltigkeit sei ihnen besonders wichtig. Kaufen müssen die Gründerinnen also nur die Pilzsaat und den Kalk. Die erste große Anschaffung wird in der nächsten Zeit ein elektrobetriebenes Lastenrad sein, mit dem die Frauen den Kaffeesatz abholen wollen.

Seit Anfang des Jahres werden die drei Frauen vom Hessen-Ideen-Stipendium unterstützt. „Ohne die Unterstützung hätten wir nicht den zeitlichen Rahmen und die finanzielle Sicherheit“, erklärt Becker. Auch die Vernetzung mit anderen Gründern und Kooperationspartnern ist den Kasselerinnen wichtig.

Das Ideen-Stipendium

Das „Hessen Ideen Stipendium“ richtet sich an Gründungsideen aus hessischen Hochschulen. Es wurde dieses Jahr zum zweiten Mal vergeben. Insgesamt 15 Gründungsteams, darunter die beiden aus Kassel, haben ein Stipendium erhalten. Die Gründer erhalten sechs Monate lang eine monatlichen Förderung in Höhe von 2000 Euro pro Person. Zusätzlich werden die Teams von einem Coach unterstützt, besuchen verschiedene Workshops und lernen erfahrene Gründer sowie Wirtschaftspartner kennen. Das Hessen Ideen Stipendium wird vom Land finanziert. Das Programm wird koordiniert von der Uni Kassel in Zusammenarbeit mit der TU Darmstadt.

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