Achsenwerk hat Krise bisher aber gut überstanden

Kasseler Mercedes-Werk: „2020 war Achterbahnfahrt“

Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk
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Nach dem coronabedingten Produktionsstopp im Frühjahr hat die Produktion im Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk seit dem Sommer wieder an Fahrt aufgenommen.

„Es war eine Achterbahnfahrt“, sagt Frank Lehmann mit Blick auf das Geschäftsjahr 2020. „Wir sind mit viel Zuversicht ins Jahr gestartet. Corona hat uns dann im Frühjahr ausgebremst“, so der Leiter des Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerks.

Kassel – Gemeinsam mit dem Betriebsratsvorsitzender Jörg Lorz hatte er gestern der Belegschaft coronabedingt im Rahmen einer virtuellen Betriebsversammlung einen Überblick über die aktuelle Lage des Standortes gegeben. Aus der Sommerpause sei das hiesige Werk dann wieder mit vollem Schwung gekommen, der bis heute anhalte.

„Es gab eine schnellere Wiederbelebung, als wir erwartet hatten.“ Bis jetzt sei der Standort „ganz gut“ durch die Coronakrise gekommen, vor allem dank des Beitrags aller Mitarbeiter in Form von Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit. Für 2021 erwartet Lehmann aus heutiger Sicht eine gute Auslastung und Beschäftigungssituation über alle Segmente hinweg.

„Dennoch: Wir haben Hausaufgaben zu erledigen, die wir auch schon vor Corona hatten“, räumt der Werkleiter ein. Gemeint ist damit, den Daimler-Konzern und auch den Kasseler Standort zukunftsfähig aufzustellen. „Für den Gesamtkonzern rechnen wir in diesem Jahr mit einem positiven Ergebnis, aber die Frage ist, wie die Reise weitergeht.“

Genau darüber war in den vergangenen Wochen zwischen Daimler-Management und Betriebsräten heftig diskutiert worden. Die Arbeitnehmervertreter hatten sich zuletzt immer offener gegen die Umbau- und Sparpläne der Konzernführung gestellt und vergangene Woche zu einer Solidaritätsaktion an allen Standorten aufgerufen.

Auch in Kassel, dem globalen Kompetenzzentrum für Nutzfahrzeugachsen der Stuttgarter Daimler AG mit 2900 Mitarbeitern, befürchtet der Betriebsratsvorsitzende Jörg Lorz den Abbau von Stellen im Zuge des Transformationsprozesses hin zur Elektromobilität. Er forderte das Management gestern erneut auf, „ein tragfähiges und belastbares Zukunftsbild für alle Standorte und somit auch für Kassel zu entwickeln“ und kritisierte mangelnde Gesprächsbereitschaft seitens der Konzernspitze.

Am hiesigen Standort funktioniere der Austausch zwischen Werkleitung und Betriebsrat weiterhin, so Lehmann und Lorz einhellig. Doch während Lehmann um Verständnis dafür wirbt, wie schwer die Entwicklung eines verbindlichen Zielbildes sei, weil sich derzeit kaum absehen lasse, wie sich die Märkte in den kommenden zehn Jahren entwickeln und welche Antriebsart sich durchsetzt, drängt Lorz auf schnelle Entscheidungen unter der „fairen Beteiligung“ aller. „Der Vorstand muss sich endlich besinnen und an den Verhandlungstisch zurückkehren, um nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen.“ Andernfalls sei die Solidaritätsaktion der vergangenen Woche nur der Auftakt gewesen.

„Wir werden in Zukunft zwingend nicht mehr Beschäftigte werden. Das ist uns klar und bewusst“, betonte Lorz vor dem Hintergrund, dass aufgrund der Transformation weg von Verbrennungsmotoren hin zu elektrischen Antrieben künftig weniger Beschäftigte benötigt werden. Der Betriebsrat forderte in allen drei Segmenten Lkw, Van und G-Klasse am Kasseler Standort die Anknüpfung an die E-Achse, um die Beschäftigungsverluste abzumildern. Zudem brauche es weiterhin Investitionen in herkömmliche Antriebe, um den Abbau über einen langen Zeitraum abzuflachen. Lorz forderte überdies, den „Aderlass“ in der Verwaltung zu stoppen.

Einigkeit herrscht zwischen beiden, dass es immer Achsen brauche, egal ob für konventionelle oder alternative Antriebe. „Wir haben hier am Standort gute Voraussetzungen“, ist sich Lehmann sicher. (Nicole Schippers)

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