16-Jährige vergewaltigt?

Vorwurf der Vergewaltigung: Neonazi Bernd T. muss in U-Haft

Kassel. Der stadtbekannte Neonazi Bernd T. muss wieder hinter Gitter. Das Amtsgericht Kassel hat am Donnerstag auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen den 39-Jährigen wegen des dringenden Tatverdachts der Vergewaltigung sowie der gefährlichen Körperverletzung in zwei Fällen erlassen.

Nach Angaben von Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, werde er verdächtigt, eine 16-jährige Jugendliche am Sonntag, 6. Juli, in seiner Wohnung in Wehlheiden vergewaltigt zu haben. Darüber hinaus wird ihm Körperverletzung vorgeworfen. Drei Tage nach der Vergewaltigung soll er die junge Frau bedroht haben, um eine Anzeige wegen der Sexualstraftat zu verhindern.

Schläge und Tritte

Zudem steht der 39-Jährige im Verdacht, seine 21-jährige Mitbewohnerin am 7. Juli in der gemeinsamen Wohnung geschlagen und mehrfach in den Unterleib getreten zu haben. Als Haftgründe werden Flucht-, Verdunklungs- und Wiederholungsgefahr genannt, sagt Wied auf Anfrage der HNA.

Aktualisiert um 20.45 Uhr

Der Neonazi Bernd T. hatte 1993 in Bad Segeberg einen Obdachlosen zu Tode geprügelt. Nach seiner Haftentlassung zog er im Jahr 2000 nach Kassel und gründete die Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“. Mit seinen rechtsextremen Kameraden fiel er in der Nordstadt und der Innenstadt wiederholt unangenehm durch Saufgelage und Attacken auf. T. saß weitere Jahre hinter Gittern. Die letzte Haftstrafe verbüßte Bernd T. seit 2011 unter anderem wegen Bedrohung und Beleidigung in der Justizvollzugsanstalt Hünfeld. Hier sorgte er auch hinter Gittern für Schlagzeilen. Bernd T. soll einer der rechtsextremen Häftlinge gewesen sein, die versucht haben, ein bundesweites Netz in andere Gefängnisse - auch zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) - zu knüpfen.

Verbindung zu Terroristen?

Mit Verbindungen zu den Terroristen brüstete sich Bernd T. in der Vergangenheit gern. Die Süddeutsche Zeitung berichtete im vergangenen Jahr, dass der Neonazi eine „seltsame Rolle“ bei den Ermittlungen gespielt haben soll. Demnach soll Bernd T. im Dezember 2011, kurz nachdem das Terrornetzwerk aufgeflogen war, dem hessischen Verfassungsschutz angeboten haben, „Informationen über diverse Netzwerke“ zu beschaffen. Er soll behauptet haben, im Jahr 2006 die beiden NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Kassel vom Bahnhof abgeholt und mit ihnen eine Geburtstagsfeier besucht zu haben.

War das nur alles Prahlerei? Die Ermittler sollen Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Neonazis gehabt haben.

Erst im Januar dieses Jahres war Bernd T. aus der Haft entlassen worden.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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