Gelände des Unterstadtbahnhofs wird vermarktet - Neue Durchquerung geplant

Kleingewerbe statt Gleise

Schienen sind schon weg: Das Gelände des Unterstadtbahnhofs präsentiert sich derzeit als große Brache. In den nächsten Jahren soll sich dort Kleingewerbe ansiedeln. Foto: Malmus

Kassel. Nach jahrelanger Brache tut sich etwas auf dem Unterstadtbahnhof in der Nordstadt. Auf dem ehemaligen Bahngelände zwischen Wolfhager Straße und Mombachstraße soll ein Gewerbegebiet entstehen. Vor allem Handwerk und andere kleinere, stadtverträgliche Betriebe, die keinen starken Lärm verursachen, sollen sich dort künftig ansiedeln.

Im Ortsbeirat Nord-Holland stellte Frank Kresse vom Stadtplanungsamt jetzt den Bebauungsplan vor, der im Februar öffentlich ausgelegt werden soll. Die Vermarktung des Geländes, das inzwischen nicht mehr in den Händen der Deutschen Bahn liegt, hat das Immobilienunternehmen Aurelis übernommen. Die Gleise sind bereits entfernt, ein Teil der Flächen ist verkauft. Im östlichen Bereich etwa an den dort seit Langem ansässigen Baustoffhandel Dietrich und den Verein Stadtmoschee, der dort auf mittlere Sicht eine neue Moschee mit Kuppel und Minarett errichten will.

Um das gesamte, etwa 11,5 Hektar große Areal (das entspricht etwa 16 Fußballfeldern) zu erschließen, wird die Stadt von der Wolfhager Straße aus eine Straße bauen, die in das Zentrum des Gewerbegebiets führt. Von dort aus könnten die Eigentümer bei Bedarf weiter ins Innere führende Stichstraßen bauen, erläuterte Kresse. Der Bau werde voraussichtlich frühestens 2015/16 beginnen. Die Kosten solle der Eigentümer Aurelis tragen.

Auch Fußgänger und Radfahrer profitieren von der Erschließung und haben kürzere Wege: Künftig kann man das Gebiet zwischen Wolfhager und Mombachstraße durchqueren.

Der Ortsbeirat wollte wissen, warum an so zentraler Stelle in der Stadt ein reines Gewerbegebiet und nicht ein Mischgebiet eingerichtet werde, das auch Wohnbebauung erlaube. Das liege zum einen daran, dass Flächen für Kleingewerbe in der Stadt derzeit Mangelware sind, sagte Kresse. Zum anderen sei der Boden nach der langen Nutzung durch die Bahn – gebaut wurde der Unterstadtbahnhof 1876 – zum Teil mit Schadstoffen belastet. Für eine Wohnbebauung wären aufwendige Altlasten-Untersuchungen nötig gewesen und vermutlich großflächige Bodensanierungen. Kinder könne man jedenfalls dort nicht ohne Weiteres spielen lassen.

Die Verunreinigungen seien zwar nicht so gravierend, dass sie sofort entfernt werden müssten, erklärte Kresse. Bei Erdaushub müsse man aber prüfen, ob eine Sonderentsorgung erforderlich wäre. Der Vorteil von Gewerbebauten sei hier, dass sie in der Regel keine Keller haben.

Für die Natur soll im künftigen Gewerbegebiet auch Platz bleiben: Weil unter anderem 40 Wildbienenarten auf dem Gelände heimisch sind, soll ein 3000 Quadratmeter großer Grünstreifen als Rückzugsgebiet für die Insekten erhalten werden. Weil das Gebiet zudem als Frischluftschneise vom Westen in die Nordstadt fungiert, sollen Gebäude so ausgerichtet werden, dass sie den Kaltluftstrom nicht behindern. MELDUNG RECHTS

Von Katja Rudolph

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