56 Lehrer unterzeichnen Resolution

In dieser Kasseler Schule stinkt und schimmelt es - Jetzt protestieren die Lehrer

Fenster sind Kritikpunkte: Die meisten Fenster der Hegelsbergschule schließen nicht mehr richtig, auch viele der Rollos sind kaputt und schimmeln. Archivfoto: Andreas Fischer

Gerade erst streikten Kasseler Schüler für bessere Lernbedingungen. Besonders schlimm ist die Situation an der Hegelsbergschule. Nun protestieren Lehrer gegen kaputte Decken und stinkende Toiletten. 

Bildung braucht menschenwürdige Räume, heißt es in einer Resolution des Kollegiums der Schule Hegelsberg. In dem Schreiben führen 56 Lehrer die Missstände an der Schule auf. Sie haben die Erklärung unterschrieben, die in der Gesamtkonferenz diskutiert wurde. „Unsere Schule wartet seit Langem auf die dringend notwendige Sanierung. 

Trotz einiger in den letzten Jahren erfolgten Einzelmaßnahmen ist das Schulgebäude inzwischen derart marode, dass dies erhebliche negative Auswirkungen auf die Lehr- und Lernbedingungen von Lehrkräften und Schülern hat“, heißt es.

Als Beispiele führen die Unterzeichner an:

  • In einigen Klassen sind bereits Deckenplatten heruntergefallen.
  • Ein Teil der nicht mehr funktionstüchtigen Rollläden ist inzwischen verschimmelt und verbreitet einen unangenehmen Geruch.
  • Die Fenster sind undicht: Im Winter ist es in einigen Räumen eiskalt, obwohl die Heizungen warm sind. An etlichen Fenstern ist auch der Kippmechanismus zum Lüften defekt.
  • Einige Räume im Schulgebäude bleiben während der Heizphase sehr warm, andere hingegen bleiben so kalt, dass Schüler und Lehrer im Winter ihre Winterjacken tragen müssen, um nicht zu frieren.
  • Einzelne Naturwissenschaftsräume haben gar keine Heizung.
  • An mehreren Stellen regnet es durch das Dach ins Schulgebäude. An manchen Decken und Wänden sind deshalb große Schimmelflecken erkennbar.
  • Viele Waschbecken in den Klassenräumen sind regelmäßig verstopft.
  • Die Benutzung der Schülertoiletten ist unzumutbar. Trotz intensiver Reinigung ist der Ammoniakgestank so stark, dass den Nutzern übel wird. Der Gestank kann nur durch eine Sanierung der WC-Anlagen beseitigt werden. Ein Teil der Schülertoiletten ist zudem seit Jahren bereits unbenutzbar und gesperrt.
  • In den innen liegenden Räumen funktioniert die Lüftungsanlage teilweise nicht mehr, was dort in den Sommermonaten für eine extrem stickige Luft sorgt.
  • Die Elektromagnete der Rauchschutztüren zu den Treppenhäusern sind seit Jahren defekt, so dass die Türen nicht von alleine offen stehen können. Dies führt dazu, dass die innen liegenden Räume nicht ausreichend gelüftet werden können und in den Sommermonaten wegen der hohen Temperaturen nicht zu nutzen sind.
Ein Klo, kein Klo: Ein Blick in die maroden Toilettenanlagen der Hegelsbergschule.

„Natürlich stehen wir mit diesen Schwierigkeiten nicht alleine und erwarten keine Bevorzugung vor anderen Schulen“, sagt Lehrer und GEW-Mitglied Lutz Getzschmann stellvertretend für die Unterzeichner. Ihnen sei bewusst, dass die Schule keine starke und durchsetzungsfähige Lobby habe. Zudem befinde man sich in einem Stadtteil mit großen sozialen Problemen, die unmittelbaren Einfluss auch auf den Schulalltag haben.

Mittlerweile gäbe es an der Schule Hegelsberg nahezu 100 Schüler mit sonderpädagogischem Förderungsbedarf. Hinzu kommt eine intensive Arbeit mit 150 Schülern, die ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen an die Schule gekommen sind.

Gerade diese besonderen Herausforderungen würden nicht nur eine entsprechende personelle Ausstattung verlangen, sondern auch eine Lernumgebung, die Bildung und Sozialisation fördere.

Zum Sanierungsvorhaben hatte Stadtbaurat Christof Nolda noch im September in einem Interview gesagt: Wegen der Betonskelettbauweise mit vorgestellten Fassaden sei es nicht sinnvoll, einzelne Fenster zu tauschen. Bei solchen Gebäuden müssten die Fassaden komplett erneuert werden, was aber nicht im laufenden Schulbetrieb funktioniere.

Schule Hegelsberg: Ganztagsschule mit 600 Schülern

Die Schule Hegelsberg ist eine ganztägige Gesamtschule mit 600 Schülern, die von gut 60 Lehrern unterrichtet werden. Fast die Hälfte der Schüler, die die Schule in der Kasseler Nordstadt besuchen, haben einen Migrationshintergrund. 

Die Schüler stammen aus 39 Nationen. Die Jahrgangsstufen 5 und 6 sind vierzügig, seit dem Schuljahr 2015/16 gibt es zusätzlich eine gymnasiale Eingangsklasse. In den 28 Klassen sind im Schnitt 22 Schüler.

Lesen Sie dazu aus dem Archiv: Trend hält an: 3647 Schüler wechseln in Stadt und Kreis Kassel aufs Gymnasium

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