Unterwegs mit einem 40-Tonner

Lkw-Fahrer haben auf Kassels Straßen mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen

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Banger Blick: Oftmals reichen die großen Spiegel am 40-Tonner von Marcel Flörke nicht aus, um ihn sicher durch das Stadtgebiet zu steuern.

Kassel. Lkw-Fahrer haben in Kassel mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen. Wir haben einen Brummifahrer begleitet.

Dienstagnachmittag, kurz vor 17 Uhr: Routiniert steuert Marcel Flörke seinen 40-Tonner durch die Holländische Straße. „Heute parkt niemand schief, und auch Lieferanten sind nicht in Sicht.“ Er lacht. „Ein ganz seltenes Phänomen.“ Jeder Autofahrer weiß, wovon er spricht. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein haltender Paketbote, ein wartender Taxifahrer oder ein in zweiter Reihe parkender Autofahrer die Fahrbahn blockiert. Blinker links – Spurwechsel – eigentlich ganz einfach. Aber auch nur eigentlich. Brummis haben in solchen Situationen kein leichtes Spiel. Und auch ohne Störenfriede wird’s für den 40-Tonner bedrohlich eng, selbst auf der breiten Holländischen Straße.

Obwohl Flörke die komplette Spurbreite ausnutzt, läuft er Gefahr, mit seinem grauen Scania mal eben den Spiegel eines geparkten Autos mitzunehmen, „das kriegt man im Lkw nämlich oftmals gar nicht mit, wenn die letzte Ecke des Anhängers irgendwo hängen bleibt. Sowas möchte jeder Fahrer vermeiden“, stellt der 25-Jährige während der Tour mit seinem Arbeitsgerät klar. Der 450-PS-Laster, mit dem er tonnenweise KFZ-Teile ausliefert, ist satte zweieinhalb Meter breit und über 16 Meter lang. Spätestens jetzt wird klar, dass unter diesen Umständen auch ein lapidarer Fahrstreifenwechsel zur Herausforderung wird. Erst recht, wenn jemand hupt.

Eng: Selbst auf großen Ausfallstraßen wie der Holländischen Straße wird es oft auch ohne Hindernisse brenzlig.

„Ich empfehle es jedem Autofahrer, dass er sich mal mit ins Führerhaus setzt. Sonst kann man sich das nur schwer vorstellen.“ Lenken, Bremsen und Fahren eines 40-Tonners muss gelernt sein, schließlich verschwindet während der Fahrt trotz riesiger Spiegel mancher SUV für Sekunden aus dem Sichtfeld. Drei Jahre dauert die Ausbildung, die Flörke durchlaufen hat, ehe er sich nach ein paar Jahren „auf dem Bock“ dazu entschloss, sich zum Speditionskaufmann ausbilden zu lassen. Touren wie diese unternehme er nur noch vertretungsweise, „um mal ein bisschen rauszukommen“, wie er sagt. Trotz all der Widrigkeiten fährt er noch immer gerne Lkw, „ich bin aber immer froh, wenn nichts passiert. Die Anspannung fährt einfach immer mit.“

Das sagt das Ordnungsamt

Beim Kasseler Ordnungsamt sind die Probleme bekannt. „Beschwerden bezüglich der Holländischen Straße gibt es keine“, erklärt Kathy Käferstein, die Leiterin der Verkehrsüberwachung. „Von Ladetätigkeiten – wie beispielsweise Paketlieferungen – ist das ganze Stadtgebiet betroffen. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts schreiten auch nur dann ein, wenn keine echte Ladetätigkeit vorliegt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn eine angelieferte Waschmaschine in der Wohnung angeschlossen wird – oder wenn Verbote missachtet werden. Man hat in diesen Situationen einen gewissen Ermessensspielraum. "Alles andere wäre im täglichen Straßenverkehr nicht umsetzbar.“

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