An neuem Standort auf Campus komplettiert

Mahnmal "Die Rampe" in Kassel: Figuren stehen wieder

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Soll in den nächsten Tagen fertig werden: Das Mahnmal „Die Rampe“ war im März an den neuen Standort vor dem Lernzentrum an der Moritzstraße versetzt worden - im Zentrum des erweiterten Uni-Campus. Jetzt wurden auch die Bronze-Figuren angebracht. Die neue Betonrampe wird noch mit Holz verkleidet.

Kassel. Nach einem jahrelangen Provisorium hat das Mahnmal „Die Rampe“ nun seine Endstation im Herzen des neuen Uni-Campus erreicht. In den vergangenen Tagen wurden die noch fehlenden Figuren vor dem historischen Bahnwaggon aufgestellt. 

Zuletzt hatte es Wirbel um die Bronze-Skulpturen gegeben, weil die Universität sie auf dem Gelände der zuletzt besetzten Villa Rühl zwischengelagert hatte (wir berichteten). 

Das Werk der aus Kassel stammenden Künstlerin E. R. Nele, Tochter des documenta-Gründers Arnold Bode, erinnert an Zwangsarbeit, Deportation und Vernichtung von Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Mahnmal war im Zuge der Bauarbeiten zur Campus-Erweiterung vor sechs Jahren von seinem alten Standort an den Rand des Uni-Geländes an der Moritzstraße versetzt worden. Im vergangenen März war der Bahnwaggon dann an den endgültigen Ort vor dem neuen Lernzentrum versetzt worden.

Was noch fehlte waren die Bronzeskulpturen. Dabei handelt es sich um gesichtslose Figuren, die aus dem Wagen taumeln und zwei am Boden liegende leere Mäntel. Die Hausbesetzer, die Anfang Juni die Villa Rühl in Beschlag genommen und dort die Figuren entdeckt hatten, warfen der Uni vor, die Skulpturen seien auf dem Gelände an der Mönchebergstraße nicht angemessen aufbewahrt.

Die Plastiken waren nach Angaben der Uni zwischenzeitlich eingelagert worden, weil in Absprache mit der Künstlerin die bisher hölzerne Rampe neu aus Beton hergestellt wurde und noch nicht fertig war, als der Waggon versetzt wurde. Der Termin für die Montage der Figuren im Juli sei bereits seit Längerem vereinbart gewesen. Die neue Betonrampe soll binnen der nächsten zwei Wochen nun noch mit Holz verkleidet werden. Für Anfang Oktober ist eine offizielle Wiedereinweihung des Mahnmals geplant. Dazu wird auch die Künstlerin E.R. Nele (Eva Renée Nele Rhiele-Bode) erwartet.

Wechselvolle Geschichte eines Kunstwerks

Das Kunstwerk „Die Rampe“ hatte E. R. Nele 1982 für die Ausstellung „Stoffwechsel K18“ geschaffen, die parallel zur documenta 7 auf dem ehemaligen Henschel-Gelände stattfand. Auf Initiative einiger Wissenschaftler der Hochschule, darunter der Historiker und NS-Forscher Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar, wurde das Mahnmal dann 1985 auf dem Campus aufgestellt. 

Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar

Eigentlich habe man einen zentralen Standort in der Stadt gesucht, dafür habe es seinerzeit aber keine Bereitschaft gegeben, berichtet der emeritierte Wissenschaftler. Auch bis ein Ort auf dem Campus gefunden war, gegen den sich kein Widerspruch regte, habe es gedauert. Damals lag die Moritzstraße noch am Rande des Uni-Geländes. 

Zehn Tage nach der Einweihung des Mahnmals im Mai 1985 wurden die Figuren, damals noch aus Kunststoff, bei einem Brandanschlag zerstört. Dank einer Spendenaktion der Hochschule konnten sie in Bronze nachgegossen und 1987 wieder aufgestellt werden. 2001 wurde das in die Jahre gekommene Kunstwerk restauriert. 

Bei den ersten Plänen für den Campus-Ausbau nach Norden, so Krause-Vilmar, hatte die Uni zunächst vorgehabt, das Mahnmal für einige Jahre abzubauen und einzulagern. Dagegen habe die Künstlerin interveniert. So zog „Die Rampe“ 2011 lediglich um, bis sie nun ihren zentralen Standort bekam.

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