350 Menschen kamen zum Halit-Platz

Gedenken an Yozgat: Vater wünscht sich Umbenennung der Holländischen Straße

Sie fordern die Umbenennung der Holländischen Straße nach ihrem ermordeten Sohn: Ayse und Ismail Yozgat bei der Gedenkveranstaltung anlässlich des neunten Todestages. Foto:  Fischer

Kassel. Am 6. April 2006 wurde Halit Yozgat von rechtsextremen Terroristen des NSU erschossen. Anlässlich seines neunten Todestages gab es eine Gedenkveranstaltung in Kassel.

Im Oktober 2012 waren der Platz am Hauptfriedhof und die daneben liegende Haltestelle nach dem jüngsten Opfer des NSU benannt worden.

Barbara John, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opferfamilien, bedankte sich im Namen der Bundesregierung vor rund 350 Menschen ausdrücklich bei der Stadt Kassel, wie sie Halit Yozgats gedenke. Das sei außergewöhnlich für eine Stadt, die zum Tatort geworden ist, aber auch wichtig. Denn nur aus der lebendigen Erinnerung gewinne man die Kraft, das zu bekämpfen, was unter den Menschen nicht stattfinden soll, wie zum Beispiel das Töten, sagte John.

Auch Ismail Yozgat bedankte sich bei Oberbürgermeister Bertram Hilgen dafür, dass der Platz nach seinem Sohn Halit benannt wurde, aber es war auch Kritik aus seinen Worten zu hören. „Mit der Wahl des Platzes erfüllen Sie sich Ihren eigenen Wunsch“, sagte er in Richtung Hilgen. „Mein Wunsch ist die Umbenennung der Holländischen Straße”, sagte Yozgat auf Türkisch. Seine Rede wurde übersetzt.

Yozgats Forderung, die in der Vergangenheit auch schon auf viel Kritik in Kassel gestoßen ist, wurde von einem Vertreter der „Initiative 6. April“ beziehungsweise „Keupstraße ist überall“ unterstützt. Nicht die Forderung nach der Umbenennung der Hauptverkehrsstraße sei ungeheuerlich, sondern die Taten des NSU seien ungeheuerlich gewesen. Zudem sei man nach wie vor darüber empört, dass sich die Politik vor den Verfassungsschützer Andres T. stelle, der sich während Yozgats Ermordung in dem Café aufhielt. Hier passiere nichts anderes als Vertuschung, so der Vertreter der Initiative, der deshalb den Rücktritt von Ministerpräsident Volker Bouffier forderte.

Gedenkveranstaltung für Halit Yozgat

„Die brutalen Morde haben die türkische wie die deutsche Gesellschaft tief erschüttert“, sagte der türkische Generalkonsul Ufuk Ekici. Absicht des kranken und rechtsextremen Terrors sei es, Unruhe zu stiften und Hassgefühle zu säen, so der Generalkonsul. Das sei den Terroristen aber nicht gelungen. Er freue sich, dass so viele Menschen auf dem Halit-Platz Solidarität mit der Familie zeigten, sagte Ekici.

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