Opfer lebensgefährlich verletzt - Haftbefehl wegen Totschlags

Messerattacke in Kasseler Regiotram: 23-Jähriger jetzt in U-Haft

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Unter Tatverdacht: Ein 23-jähriger Afghane, der in der Vergangenheit in Kassel gewohnt hat, sitzt seit Mittwoch in Untersuchungshaft. In Gießen wurde der junge Mann gefasst. Das Foto wurde von der Kasseler Polizei für die Fahndung benutzt. Das Bild muss nach der Festnahme aus rechtlichen Gründen gepixelt werden. 

An Silvester wurde ein 38-Jähriger in einer Kasseler Tram niedergestochen und lebensgefährlich verletzt. Nun hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst.

Aktualisiert am 9. Januar um 17.12 Uhr - Der tatverdächtige Mann aus Afghanistan ist am Dienstagmorgen in Gießen festgenommen worden. Er wird verdächtigt, am Silvestertag einen 38-Jährigen in einer Regiotram im Kasseler Stadtteil Nordstadt niedergestochen und dabei lebensgefährlich verletzt zu haben. Seit Mittwochnachmittag ist bekannt, dass der Mann in Untersuchungshaft sitzt. Ein Richter erließ einen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags.

Die Polizei hatte mit einem Foto, das von einer Überwachungskamera in der Bahn aufgenommen worden war, öffentlich nach dem Verdächtigen gefahndet - mit Erfolg.

Nach Angaben von Polizeisprecher Jürgen Wolf waren allein bis Montagabend knapp 30 Hinweise bei der Kasseler Polizei zur Identität des Täters und zu seinem Aufenthaltsort eingegangen. Demnach sollte es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 23-jährigen Mann aus Afghanistan handeln, der in der Nähe von Gießen wohne.

Messerattacke in Straßenbahn: Verdächtiger lebte früher in Kassel

Die Ermittlungen hätten dann letztlich nach Mittelhessen geführt. Am Dienstagmorgen wurde der Mann von Beamten einer operativen Einheit des Polizeipräsidiums Mittelhessen in Gießen festgenommen. Der Tatverdächtige wurde noch am Dienstag dem Haftrichter beim Amtsgericht Kassel vorgeführt. 

Der Täter wohnte laut Polizei zuletzt in der Nähe von Gießen, davor war er in Kassel wohnhaft. In Kassel hielt er sich vor der Tat auf, weil er in der Stadt noch „Anlaufpunkte hat“, erklärte die Polizei.

Asylantrag des Verdächtigen 2013 abgelehnt

Mittlerweile wurde auch bekannt, dass der Asylantrag des Mannes bereits im Jahr 2013 abgelehnt worden war. Wegen des Bürgerkriegs in Afghanistan konnte er aber nicht abgeschoben werden. Er sei schutzbedürftig, hieß es. Die Stadt Kassel musste ihm aus humanitären Gründen eine Aufenthaltserlaubnis erteilen, die in Gießen verlängert wurde.

Der Täter stach in einer Regiotram zwischen den Stationen Hauptfriedhof und Wiener Straße zu.

Blutige Messerattacke in Kasseler Regiotram

Am Silvestertag war es in einer Regiotram in der Nordstadt zu dem versuchten Tötungsdelikt gekommen. Die Regiotram der Linie 1 war auf der Holländischen Straße stadtauswärts unterwegs, als es zwischen den Haltestellen Hauptfriedhof und Wiener Straße gegen 13.15 Uhr zu der Tat kam.

Zuvor habe der Täter gegen die Tür der Regiotram gespuckt und war von dem späteren Opfer höflich auf sein Fehlverhalten angesprochen worden. Im weiteren Verlauf des Streits habe der Täter ein Klappmesser hervorgeholt und damit dem 38-Jährigen gegen den Kopf geschlagen und dann in den Oberkörper gestochen.

Fahrgäste forderten den Täter lautstark auf, den Angriff zu beenden, woraufhin der Mann an der Haltestelle Wiener Straße die Bahn verließ und in Richtung Helmholtzstraße flüchtete. Das Opfer war mit schweren Verletzungen in einem Krankenhaus notoperiert worden. Nach Angaben des Polizeisprechers befindet sich der 38-Jährige aber nicht mehr in Lebensgefahr.

Der Tatverdächtige soll vor einigen Jahren als Flüchtling nach Deutschland gekommen sein. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden.

An der Wiener Straße stieg der Täter aus: 

Messerattacken in Deutschland - Statistik

Im vergangenen Jahr nahm die Tagesschau in ihrem Faktenfinder Zahlen zu Messerattacken in Deutschland unter die Lupe. Der Hintergrund: Die AfD hat Anfang des Jahres von permanenten Messerattacken gesprochen und behauptet, allein in Berlin habe es sieben pro Tag gegeben. Das sei so allerdings nicht ganz richtig: Der Senat beantwortete eine CDU-Anfrage damit, 2017 habe es 2737 Taten gegeben, bei denen ein Messer als Tatmittel erfasst wurde. Allerdings bedeutet das laut Tagesschau nicht, dass es sich hierbei auch um Messerattacken handelte. Für eine solche Erfassung reiche es schon, wenn ein Messer sichtbar am Hosenbund mitgeführt wurde, es muss nicht zu einer Verletzung gekommen sein. 

Messerattacken Deutschland 2017

Insgesamt ist in Niedersachsen die Anzahl der Fälle, in denen ein Messer in irgendeiner Form eingesetzt wurde, zwischen 2012 und 2014 stabil geblieben, zwischen 2014 und 2016 gab es jeweils einen Anstieg um 14 Prozent, 2017 wieder einen leichten Rückgang. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass der Anteil der Delikte mit Messern vor dem Hintergrund der Fallzahlen insgesamt gering seien, dadurch relativiere sich der Anstieg. 

In Hessen hingegen habe es eine Zunahme an Gewalttaten unter Einsatz eines Messers um rund 20 Prozent im Vergleich zu 2014 gegeben. Insgesamt seien für 2017 aber laut Innenministerium weniger Straftaten registriert worden, die Kriminalitätsbelastung liege auf dem Stand von 1980.

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