Milde Strafe nach Geständnis: "Ich habe nicht nachgedacht"

Bus zu Vollbremsung gezwungen: Kasseler bekommt Fahrverbot für Bremsmanöver

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Milde Strafe nach dem Geständnis vor Kasseler Gericht.

Im Februar verletzte sich eine Frau in einem Bus in Kassel. Ein Busfahrer hatte seinen Linienbus mit einer Vollbremsung gestoppt. Dafür wurde der 26-Jährige jetzt verurteilt.

Das war knapp für einen 26-jährigen Kasseler, der sich im Februar bei einem „impulsives Momentversagen“ - so Amtsrichter Fehling - zu einem gefährlichen Manöver hatte hinreißen lassen. Er hatte auf der Wolfhager Straße einen KVG-Linienbus zu einer Notbremsung gezwungen, bei der eine 36-jährige Frau in dem Bus verletzt worden war.

Dafür erhielt er am Donnerstag eine Geldstrafe von 2700 Euro und ein vierwöchiges Fahrverbot aufgebrummt. Zuvor hatte er sich bei der Zeugin entschuldigt, die gefährliche Tat unumwunden eingeräumt und von sich aus die Zahlung von 500 Euro Schmerzensgeld angeboten.

Dies alles und der Umstand, dass der junge Mann keine einschlägigen Vorstrafen im Verkehrsregister hat, ersparte ihm eine deutlich härte Strafe, die nach Ansicht von Oberamtsanwältin Iris Böttner durchaus möglich gewesen wäre.

Was war geschehen? Auf dem Heimweg von seiner Ausbildungsstelle war der in Kassel geborene Türke gegen 16 Uhr auf der Wolfhager stadteinwärts unterwegs. Dabei, so der Vorwurf, sei er in langsamen Tempo in der Mitte von zwei Fahrspuren entlang gezockelt und habe den Bus an der Fahrt behindert. Der Busfahrer machte sich mit Licht- und normaler Hupe bemerkbar und fuhr vermutlich ziemlich dicht auf den BWM auf. Vor der Ampel an der Einmündung der Reuterstraße kamen Bus und Pkw nebeneinander vor der roten Ampel zum Stehen.

Dabei soll der Busfahrer dem jungen Mann den Stinkefinger gezeigt haben, was den zum Ausrasten brachte. Bei Grün beschleunigte er seinen BMW, steuert nach rechts und zwang den mit etwa 20 Menschen besetzten Bus zur Notbremsung. Dann fuhr er davon. Den Vorwurf der Nötigung und der Unfallflucht stellte das Gericht schnell ein. Die Mombachbrücke - im Volksmund die „Brücke am Kwai“ - ist stadteinwärts einspurig, die Ampel nur rund 50 Meter dahinter. Eine andauernde Behinderung des Busses konnte es da nach Ansicht aller Prozessbeteiligten nicht gegeben haben.

Denen ging es im weiteren Verlauf des Verfahrens vor allem darum, dem im 3. Lehrjahr befindlichen Mann nicht durch einen langen Führerscheinentzug „die Ausbildung zu zerbröseln“, wie es Verteidiger Jan Hörmann ausdrückte. Denn die Fahrerlaubnis braucht er für seine Ausbildung. Den Ausschlag gab schließlich die glaubhafte Reue des inzwischen verheirateten jungen Mann, der selbst sagte: „Das alles tut mir leid, ich habe nicht nachgedacht. Solche Leute sind auf der Straße nicht willkommen.“

Richter Fehling sprach von einem nötigen Denkzettel. Die vier Wochen sind die unterste Grenze, die das Gesetz für einen so gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vorsieht. Da hat der junge Angeklagte richtig Glück gehabt.

Verteidiger Hörmann und sein Mandant namen das Urteil sofort an. Oberamtsanwälting Böttner überlegt noch ein bisschen.

An dieser Kreuzung passierte der Unfall in Kassel

Von Thomas Stier

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