Polizei musste auch am Sonntag anrücken

Nach Messerangriff in Kassel: Vor Ort am Brennpunkt Jägerstraße

+
Blick Richtung Tatort: Der Mann vom Imbiss macht sich große Sorgen um das Geschäft und das Viertel. 

Kassel. Der Tag danach – ein Ortstermin dort, wo am Samstag ein Mann durch eine Messerattacke schwer verletzt wurde. Eine Reportage von der Jägerstraße.

Aktualisiert um 15.26 Uhr - Als wir eintreffen, ertönen plötzliche Schreie aus dem Bistro, das keine 24 Stunden zuvor wegen einer Messerattacke im Mittelpunkt stand – und nun wieder im Mittelpunkt steht. Ein Augenzeuge berichtet, dass Stühle durch den Raum geflogen seien, die Polizei rückt an, ist schnell mit mehreren Beamten vor Ort und durchsucht das Café. Die Menschen, die in unmittelbarer Nähe wohnen, schauen aus ihren Fenstern. Auf der Straße bildet sich sofort eine Traube Neugieriger.

Tatort Jägerstraße. Wieder einmal. Der Mann, der in der Straße einen Imbiss betreibt, spricht davon, dass die Polizei an manchen Tagen hier in der Gegend 20-mal anrücke. Aber eigentlich braucht es keine Beschreibung Dritter, um zu sehen, dass es sich hier um einen Brennpunkt handelt. Auf der Straße: viele, die mittags schon mehr als angetrunken sind und in ihren Trainingsanzügen herumlaufen. Einer erzählt vom großen Geschäft und vom weißen Pulver und vom Kampf um die leichten Mädchen. Das also ist hier die Szene.

Den Mann vom Imbiss lässt die Situation nicht los. Seit zwei, drei Monaten ginge es wieder rund, sagt er. Afrikaner ohne Aufenthaltsgenehmigung würden hier Probleme bereiten. Darunter leide auch sein Geschäft. Er denkt an die nächsten Wochen, an die documenta, die auch in der anliegenden Hauptpost zu Gast sein wird. Und er denkt an die Tat am Tag zuvor.

Der Tag zuvor. Da habe er mit seinem Bruder vor seinem Imbiss gesessen, Tee getrunken, als alles passierte. Sein Bruder, ein Arzt, habe Erste Hilfe geleistet. Ohne ihn hätte das Opfer nicht überlebt. Inzwischen schwebt der Mann Mann nicht mehr in Lebensgefahr. Er ist aber noch im Krankenhaus.

Der Mann erzählt noch von einer Pistole, was zu den Aussagen am Samstag passt: Da war von Schüssen die Rede. In der offiziellen Mitteilung der Polizei heißt es: „Eine scharfe Schusswaffe war offenbar nicht zum Einsatz gekommen, nach derzeitigem Ermittlungsstand waren vermutlich Schüsse aus einer Schreckschusswaffe abgegeben worden.“

Vor diesem Bistro ereignete sich am Samstag die Messerattacke.  

Vermutlich. Überhaupt bewegt sich viel im Bereich der Gerüchte. Schon am Freitag soll es Schüsse gegeben haben, heißt es in den sozialen Netzwerken. Die Polizei bestätigt das nicht. Ansonsten: Das Wort Bandenkriminalität fällt am Samstag nicht nur einmal. Aber es wird eben viel geredet auf der Straße, auf der sich die Menschen versammeln.

Das ist ja das Interessante: Es ist hier viel Leben – an den Tischen der Cafés und Imbisse, vor den Wettbüros und den anderen Geschäften. Und als am Samstag die Polizei unter Hochdruck nach dem Täter fahndete und die Menschen zu Dutzenden hinter den Absperrbändern standen, ging es vielerorts einfach weiter. Fast jeder dritte Laden ist hier ein Friseurgeschäft, hier herrschte Hochbetrieb – und manche schauten von ihrem Stuhl direkt auf den Tatort.

Und nun? Sonntag wieder. Der Tag danach. Die Polizei erneut im Einsatz. Später spricht sie von einer Körperverletzung im Café. Dass so viele Beamten anrückten, habe mit den Ereignissen zuvor zu tun.

Der Brennpunkt Jägerstraße:

Im Bereich des Sterns treffen zwei Stadtteile aufeinander. Die Kurt-Schumacher-Straße ist insofern die Trennlinie. Der Teil Richtung Innenstadt gehört zum Stadtteil Mitte, der Bereich Richtung Holländischer Platz zählt schon zur Nordstadt also auch die Jägerstraße, in der sich die Messerattacke mit einem Schwerverletzten am Samstagnachmittag ereignet hat.

Messerattacke Am Stern in Kassel

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.