Unterführung ist ein Brennpunkt

Nach Messerattacke: Anlieger am Hopla leiden unter Drogenhandel und Prostitution

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Unterführung war gesperrt: Für die Beweisaufnahme der Polizei wurde der Fußgängertunnel unter dem Holländischen Platz geschlossen.  

Kassel. Nach der Messerattacke in der Unterführung am Holländischen Platz haben wir uns bei Anliegern umgehört. 

„Ich dachte erst, es war ein Autounfall“, sagt eine Frau. Sie arbeitet in einem der Geschäfte im Erdgeschoss des großen Wohnkomplexes an der Holländischen Straße. Als sie gegen 7.20 Uhr zum Laden ging, sah sie einen jungen Mann auf der Straße liegen, erzählt sie und deutet auf die Spur direkt neben den Straßenbahngleisen. Die Polizei war schon da. Erst später erfuhr die Mitarbeiterin, dass der Mann bei einer Messerstecherei verletzt worden war. Sie habe ihn vom Sehen gekannt.

Zwei Stunden später steht sie an die Ladentür gelehnt in der Sonne und zuckt mit den Schultern. „Man gewöhnt sich daran“, sagt sie. Sie meint: An Kriminalität, die Drogensüchtigen und die Prostituierten. All das gehört zum Alltag an der schmuddeligen Ecke des Holländischen Platzes: „Hier passiert ständig was.“ Sie wundere sich über gar nichts mehr.

Angst habe sie keine, beteuert die Angestellte – aber ihren Namen und den des Geschäfts möchte sie doch lieber nicht nennen für den Zeitungsbericht. „Ich komme mit den Leuten klar“, sagt sie. „Die meisten sind nicht aggressiv.“

Auch der Mann, der bei der Messerattacke verletzt wurde, sei „in Ordnung“ gewesen, schildert sie ihren Eindruck von dem Kunden. „Der wirkte ganz normal.“

Der Inhaber eines anderen Geschäfts sieht es nicht ganz so gelassen. „Es ist ganz schlimm hier.“ Auch er ist nicht überrascht, als er von der Messerstecherei mit einem Schwerverletzten hört. „Das ist nur eine Frage der Zeit, wann sowas passiert.“ Direkt vor seinem Geschäft flanierten schon tagsüber die Prostituierten auf der Suche nach Freiern, berichtet er.

Auch Drogenabhängige und Dealer hielten sich regelmäßig am Holländischen Platz auf. Die Junkies spritzten sich mitunter direkt vor dem heruntergekommenen Wohnkomplex an der Holländischen Straße ihre Drogen. „Und die Dealer handeln meist hier in der Unterführung“, sagt der Mann. „Die telefonieren hier oben und treffen sich dann unten.“

Er habe immer Angst, schildert der Geschäftsmann. „Manchmal kommen hier Gestalten rein, bei denen man nur hofft, dass sie schnell wieder gehen.“ Deshalb habe er auch eine Videoüberwachung in seinem Laden installiert. Auf der Straße vor dem Geschäft dürfe man ja nicht filmen, bedauert der Mann. Sonst hätte er der Polizei vielleicht hilfreiche Aufnahmen liefern können.

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