Prof. Reiner Finkeldey beginnt im Oktober

"Die Uni soll bunt sein": Porträt des neuen Kasseler Präsidenten

Kassels künftiger Uni-Präsident: Prof. Dr. Reiner Finkeldey.

Kassel/Göttingen. Reiner Finkeldey weiß, dass er als neuer Präsident der Uni Kassel in große Fußstapfen tritt.

Wie beliebt der langjährige Präsident Rolf-Dieter Postlep ist, habe er bei all seinen Gesprächen in Kassel gespürt, sagt der Göttinger am Tag nach seiner Wahl. Der 52-Jährige wird im Oktober Postleps Nachfolge antreten. „Ich werde nicht versuchen, ihn zu kopieren“, stellt Finkeldey klar. Gleichwohl sei die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers ein Ansporn.

Reiner Finkeldeyim HNA-Regiowiki

Der auf den ersten Blick eher unauffällig und zurückhaltend wirkende Forstwissenschaftler ist im Gespräch offen, lebhaft und humorvoll. Plaudert über die harten Zeiten, die er als Fan des Fußball-Bundesligisten HSV durchmacht. Über seine Leidenschaft für Theater und Oper. Und seine - auch beruflich bedingte - Liebe zur Natur. Die fünf Kilometer von seinem Wohnort Elliehausen an die Universität Göttingen, wo er seit 2013 parallel zur Forschungs- und Lehrtätigkeit nebenberuflicher Vizepräsident ist, fährt er täglich mit dem E-Bike. „Da kann ich gut entspannen oder auch mal Ärger wegstrampeln.“

Der Wechsel nach Kassel bedeutet räumlich zwar nur eine kleine Veränderung, dennoch eine große Umstellung, was die Hochschulen betrifft. Dort die alteingesessene Stiftungsuni mit internationalem Renommee, die das ganze Stadtbild bestimmt. Hier die noch junge, ehemalige Gesamthochschule, die erst allmählich Kassels Identität mitprägt. Und in der im Gegensatz zu den eher hierarchischen Strukturen in Göttingen großer Wert auf Teilhabe und Mitbestimmung gelegt werde, sagt Finkeldey. „Das passt für mich“, sagt er. Man spürt: Er will sich einlassen auf die Uni Kassel und die Stadt, die er vor allem von documenta-Besuchen kennt.

Als Präsident wolle er das „sehr gute, aber noch nicht voll ausgereizte Potenzial für auch international sichtbare Forschung“ fördern, sagt Finkeldey, der viele Jahre im Ausland gearbeitet und geforscht hat - unter anderem auf den Philippinen, wo er an der Uni seine heutige Frau kennengelernt hat. Um sich im Wettbewerb auch um Fördermittel behaupten zu können, müsse das Forschungsprofil der Uni weiter durch die Bildung von Schwerpunkten geschärft werden. Damit sei nicht gemeint, dass nur einzelne Disziplinen gestärkt werden sollen, die inhaltlichen Schwerpunkte könne man auch interdisziplinär bearbeiten, sagt Finkeldey: „In jedem Fachbereich sehe ich da Potenzial.“ Forschungsprofilierung dürfe jedoch nicht auf Kosten der Lehre gehen.

Er betont zudem, dass niemand Sorge haben müsse, dass er als Naturwissenschaftler die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften vernachlässigen könnte. So sieht er beispielsweise auch die Geschlechter- und Diversitätsforschung in Kassel gut aufgestellt.

Vielfältigkeit und Chancengleichheit sind dem neuen Präsidenten auch im Hochschulalltag wichtig. Egal welcher Nationalität, Religion oder sexuellen Orientierung, ob behindert oder nichtbehindert - in Kassel solle sich jeder willkommen fühlen: „Es soll eine bunte Uni sein.“

Reiner Finkeldey über:

... die Bewerbung 

„Ich habe mich nur in Kassel um das Präsidentenamt beworben. Weil ich den Eindruck habe, dass meine Vorstellungen mit den Gegebenheiten an der Hochschule zusammenpassen. Als eher trivialer Grund kommt die räumliche Nähe zu Göttingen hinzu. Meine Freunde und mein soziales Umfeld hier möchte ich nicht verlieren.“

... Kassel als Wohnort

„Ich kann mir gut vorstellen, nach Kassel zu ziehen - aber das ist eine Familienentscheidung. In jedem Fall werde ich mir kein tägliches Pendeln antun und mir zumindest eine Zweitwohnung in Kassel zulegen.“

... die Neubauten 

„Die weiteren Bauvorhaben der Universität, vor allem der Umzug der Naturwissenschaften von Oberzwehren auf den zentralen Campus, sind sehr wichtig. Wo räumliche Nähe vorhanden ist, man sich begegnet, wird auch das Potenzial für fächerübergreifende Forschung erhöht.“

... Verhandlungen 

„Je mehr Prof. Postlep bei den laufenden Verhandlungen mit dem Land zur Finanzierung der Bauvorhaben erreichen kann, desto besser. Was noch offen bleibt, werde ich übernehmen und weiterführen. Mein Ziel ist, mich bis dahin so gut einzuarbeiten, dass man gar nicht merken wird, dass es einen neuen Gesprächspartner gibt.“

... Uni und Stadt 

„Die gute Zusammenarbeit von Stadt und Uni will ich fortsetzen. Über einen freundlichen Austausch hinaus sind konkrete Projekte wichtig, wie aktuell der Science Park. Auch bei der Willkommenskultur für neue Mitarbeiter kann ich mir eine noch engere Kooperation vorstellen.“

Lebenslauf:

Reiner Finkeldey ist 1962 in Minden / Westfalen geboren. Er studierte Forstwissenschaften in Göttingen, wo er 1993 in Forstgenetik promovierte. Nach mehrjährigen Arbeits- und Forschungsaufenthalten auf den Philippinen, in Thailand, Schweden und der Schweiz legte er seine Habilitation in Göttingen ab. Seitdem leitet der Professor die Abteilung Forstgenetik und Forstpflanzenzüchtung der Uni Göttingen. Bevor er 2013 Vizepräsident der Universität wurde, war er Dekan der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie sowie Mitglied des Senats.

Von Katja Rudolph

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