Kampf um Toiletten

Im Kasseler Nordstadtpark fehlt ein öffentliches WC: Unterschriftenaktion läuft

Kassel. Das Thema einer fehlenden Toilette im Nordstadtpark ist nicht neu, seit Jahren machen sich Anwohner und Ortsbeirat dafür stark. Jetzt werden Unterschriften gesammelt.

Derzeit läuft im Stadtteil eine Unterschriftenaktion – initiiert von der LINKEN Kassel-Nord. Mehr als 200 Unterschriften sind mittlerweile an drei Terminen zusammengekommen. Am Mittwoch, 9. Mai, wird es von 15 bis 18 Uhr erneut eine Unterschriften-Aktion am Edeka an der Fiedlerstraße und im Nordstadtpark geben.

Laut eines Sprechers der Stadt Kassel werden Grünanlagen wie der Nordstadtpark grundsätzlich ohne öffentliche Toiletten konzipiert und genutzt. Alle stärker frequentierten Grünanlagen mit öffentlichen Toiletten auszustatten, wäre wirtschaftlich nicht tragbar, heißt es. Während der documenta war der Nordstadtpark Standort für ein Kunstwerk, Toiletten gab es aber auch zu dieser Zeit nicht. Das Problem könnte allerdings noch zunehmen, wenn der neue Wanderweg Kassel-Nord, der in der Nordstadt beginnen soll, eröffnet wird.

„Die fehlenden Toiletten sind ein echtes Problem hier, wir können auch verstehen, dass die Gastronomen genervt sind“, heißt es von einer Gruppe Studenten, die die Sonne im Nordstadtpark genießen. Auch sie nutzen die Toiletten der Kneipen oder an der Uni – Letzteres sei abends oder am Wochenende natürlich schwer.

Lutz Getzschmann, einer der Sprecher der LINKEN Kassel-Nord, freut sich über den Erfolg der ersten Unterschriften-Aktionen: „Viele Bürger der Nordstadt können nicht verstehen, wie beispielsweise die Goetheanlage ganz selbst-verständlich eine öffentliche Toilette hat, für den Nordstadtpark aber schon seit Jahren darum gekämpft werden muss.“

Die Kasseler Linke hatte sich schon während der letzten Verhandlungen zum Haushalt der Stadt Kassel für eine öffentliche Toilette im Nordstadtpark starkgemacht.

Getzschmann weiter: „Der Stadt scheint stattdessen die Bezuschussung eines privaten Golfclubs in Wilhelmshöhe wichtiger zu sein. So wird auch auf kommunaler Ebene Interessenspolitik gegen ärmere Menschen und Stadtteile gemacht.“

„Gerade bei schönem Wetter ist im Park viel los, abends wird dort oft gefeiert. So soll es auch sein. Momentan lassen wir die Leute unsere Toiletten für 50 Cent benutzen, doch viele zahlen einfach nicht“, sagt Gül Süleyman, Inhaber des Café Hurricane. Bei Männern sei die Versuchung groß, sich einfach draußen ein stilles Örtchen zu suchen. Dass die Leute die Toiletten der hiesigen Gastronomien nutzen, sei eine Not- und keine Dauerlösung.

„Das Problem ist nicht neu“, sagt Christof Lutz vom Schlachthof und dem Biergarten Boreal. Normalerweise würden im Sommer die WCs im Schlachthof als ‚öffentliche Toiletten’ genutzt, das sei allerdings aktuell mit der Baustelle schwierig.

Dem kann auch Ali Timtik, stellvertretender Ortsvorsteher und Betreiber des „Bei Ali“ in der Gottschalkstraße nur zustimmen: „Eine Lösung muss her.“ Manchmal sei es in Ordnung, aber oft auch nervig, sagt der Gastronom. 

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