Sechs Listen stellen sich zur Wahl

Ortsbeiratswahl in Nord-Holland: Wir stellen die Kandidaten, Listen und Themen vor

Kulturelles und Jugend-Zentrum im Stadtteil: Das Kulturzentrum Schlachthof - hier eine Aufnahme vom vergangenen Oktober - kann in der Coronakrise nur eingeschränkt Angebote machen.
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Kulturelles und Jugend-Zentrum im Stadtteil: Das Kulturzentrum Schlachthof - hier eine Aufnahme vom vergangenen Oktober - kann in der Coronakrise nur eingeschränkt Angebote machen. (Archivfoto)

Bei den Kommunalwahlen am 14. März entscheiden die Wähler auch über die neue Zusammensetzung der Ortsbeiräte. Wir stellen Kandidaten und Themen in den Kasseler Stadtteilen vor. Diesmal: Nord-Holland.

Nord-Holland – Die Nordstadt ist bunt, lebendig und vielseitig. Der Stadtteil, der offiziell Nord-Holland heißt, ist der bevölkerungsreichste in Kassel. Zugleich leben in keinem anderen Teil der Stadt so viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Fast jeder zweite hier hat einen ausländischen Pass.

Dieses Zusammenleben verschiedener Nationen und Kulturen hat schöne Seiten, wie man in Corona-freien Zeiten beim beliebten Frühlingsfest rund um das Kulturzentrum Schlachthof erleben kann. Es ist aber auch eine große Herausforderung und führt zu Konflikten. Hinzu kommt, dass viele Menschen im Stadtteil finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Gerade in der hinteren Nordstadt herrschen mitunter prekäre Wohnverhältnisse und bittere Armut. Aber auch gut bürgerliche Verhältnisse, etwa am Hegelsberg, gehören zum Stadtteil.

An der Schnittstelle zur Innenstadt hat die Universität mit ihrem großen Campus am Holländischen Platz den Stadtteil in den vergangenen Jahren verändert. Viele neue Gebäude sind entstanden, viele Studenten ins Umfeld der Uni gezogen. Das hat einerseits zu einer Aufwertung geführt, aber auch zu steigenden Mietpreisen. Ein Problem – nicht nur am Eingangstor des Campus – ist der starke Verkehr auf der Holländischen Straße. Sie wirkt wie eine Barriere und zerschneidet den Stadtteil.

Für die 13 Sitze im Ortsbeirat treten sechs Parteien an. Das sind ihre Ziele:

CDU

  • Verbesserung der Lebensqualität aller Menschen in der Nordstadt. .  Ausweitung von Kinder- und Jugendangeboten.
  • Unterstützung der Vereine, Verbände, sozialen Einrichtungen, der Kitas und der Schule, damit der Stadtteil an Attraktivität gewinnt.

Grüne

  • Jugend einbinden, Kultur erhalten.
  • Mehr Fuß- und Radverkehr, Tempo 30 in der ganzen Nordstadt, weitere Begrünung des Stadtteils.
  • Nachhaltig und klug weiterbauen, in der Wohnungspolitik das Grundrecht Wohnen in den Vordergrund stellen und nicht die Gewinne.

SPD

  • Stärkung gleichwertiger Lebensverhältnisse durch Erhalt bezahlbaren Wohnraums, Neubau der Hegelsbergschule und Steigerung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum.
  • Stärkung des Zusammenhalts und der Integration durch Förderung sozialer Einrichtungen und Ausbau des Dialogs im Stadtteil.
  • Stärkung der Verkehrsinfrastruktur durch eine Tramlinie nach Rothenditmold/Harleshausen über den Holländischen Platz, Umgestaltung der Unteren Königsstraße, Verkehrsberuhigung auf Hauptverkehrsstraßen und Ausbau des Fahrradstraßennetzes.

FDP

  • Erhalt der Kasseler Clubkultur, Kunst und Kultur sowie der Gastronomie.
  • Soziales Engagement durch Projekte und Vereine im Stadtteil.
  • Förderung der Kinder- und Jugendhilfe.

Linke

  • Wahlrecht für alle Menschen mit gültigem Aufenthaltstitel bei der Kommunalwahl, viele ausländische Bewohner der Nordstadt ohne EU-Pass bleiben ausgeschlossen.  Mehr Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil, gerade in der Coronazeit brauchen viele Kinder und Jugendliche in der Nordstadt Hilfe und Begleitung.
  • Toilettenanlage für den Nordstadtpark und Beleuchtung für den Bolz- und Basketballplatz hinter dem Kulturzentrum Schlachthof.

Freie Wähler

  • Sichere Überwege im Stadtteil (zum Beispiel an der Ecke Holländische Straße/Struthbachweg und im Bereich Wiener Straße/Pennymarkt)
  • Mehr Angebote für Kinder und Jugendliche: Die Freizeitmöglichkeiten direkt an der Holländischen Straße sind nicht attraktiv.
  • Wohnumfeld verbessern: Spielstraßen, Fahrradstraßen und saubere Plätze mit Blumenflächen würden die Lebensqualität heben.

(Katja Rudolph)

Stadtteilkarte Nord-Holland

Die Kandidaten

Kadir Aytemür, CDU

Kadir Aytemür (32) ist in der Nordstadt aufgewachsen und arbeitet als IT-Angestellter inzwischen wieder in Kassel. Der verheiratete Vater eines Kindes kandidiert erstmals für den Ortsbeirat.

Hannes Volz, Grüne

Hannes Volz (52) ist seit 2016 Ortsvorsteher in der Nordstadt, seit 2007 gehört er dem Ortsbeirat an. Der Vater von zwei erwachsenen Kindern lebt seit 1993 im Stadtteil und arbeitet als Stadtplaner. Er ist Radfahrer und Baumfreund.

Johannes Knöfel, SPD

Johannes Knöfel (33) ist Sozialarbeiter und Sozialjurist und arbeitet beim Landeswohlfahrtsverband. Er ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Nord-Holland und engagiert sich bei Verdi. Knöfel lebt seit zehn Jahren in Kassel und ist hier KSV-Fan geworden.

Thorsten Schneider, FDP

Thorsten Schneider (31) ist selbstständiger Rechtsanwalt und Vater eines Sohns. Seit 2016 gehört er der FDP an, 2018 kandidierte er für den Hessischen Landtag. Er engagiert sich auch bei der Initiative „Leave no one behind“.

Ali Timtik, Linke

Ali Timtik (55) ist stellvertretender Ortsvorsteher und seit 2015 im Ortsbeirat. Bekannt ist er auch durch sein Bistro „Bei Ali“ am Westring. Timtik flüchtete vor fast 35 Jahren aus der Türkei und lebt seither in der Nordstadt. 

Pascâl Georg, Freie Wähler

Pascâl Georg (23) arbeitet als Verkäufer im Einzelhandel und beginnt bald eine Laufbahn als Unteroffizier bei der Bundeswehr. In der Freizeit ist er als Schiedsrichter für den KSV Hessen Kassel tätig. 

Die Listen

CDU (Liste 1)

  • Kadir Aytemür, Referent, Jahrgang 1988
  • Bertram Lenke, Lehrer im Vorbereitungsdienst, Jahrgang 1990
  • Gabriele Binder, Rentnerin, Jahrgang 1942

Grüne (Liste 2)

  • Hannes Volz, Freiraumplaner, Jahrgang 1968
  • Ann-Christine Herbold, Geschäftsführerin, Jahrgang 1997
  • Lucian Hanschke, Student, Jahrgang 1995
  • Elfi Eckart-Imhof, Lehrein i.R., Jahrgang 1950
  • Maria Stafyllaraki, arbeitslos, Jahrgang 1983
  • Philipp Krassnig, Student, Jahrgang 1992
  • Axel Jahr, Verwaltungsangestellter, Jahrgang 1967

SPD (Liste 3)

  • Johannes Knöfel, Sachbearbeiter, Jahrgang 1987
  • Doris Perger, Rentnerin, Jahrgang 1956
  • Udo Baier-Eckhardt, Kaufmann im Groß- und Außenhandel, Jahrgang 1958
  • Hanife Coban-Yildiz, Rentnerin, Jahrgang 1971
  • Nils Stanik, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Jahrgang 1986
  • Natalia Franz, Studentin, Jahrgang 1992
  • Johannes Gerken, Politikwissenschaftler, Jahrgang 1989
  • Kathrin Bornemann, Angestellte, Jahrgang 1984
  • Marco Scholz, Erzieher, Jahrgang 1980

FDP (Liste 5)

  • Thorsten Schneider, Rechtsanwalt, Jahrgang 1989
  • Tizian Haas, Student, Jahrgang 1991
  • Noel Guthus, Immobilienberater, Jahrgang 1995
  • Alexander Elflein, Student, Jahrgang 1998

Die Linke (Liste 6)

  • Ali Timtik, Gastronom, Jahrgang 1966
  • Tabea Mößner, Friseurin, Jahrgang 1994
  • Steven Lavan, Informatikkaufmann, Jahrgang 1965
  • Richard Finger, Student, Jahrgang 1985
  • Henning Beste, Angestellter, Jahrgang 1970
  • David Redelberger, Lehrer, Jahrgang 1989
  • Kai Sonntag, Umweltingenieur, Jahrgang 1989
  • Sebastian Zintel, Postangestellter, Jahrgang 1977
  • Gerald Kleinhempel, Bauingenieur, Jahrgang 1962

Freie Wähler (Liste 7)

  • Pascâl Georg, Verkäufer, Jahrgang 1998
  • Axel Bimler, Berufskraftfahrer, Jahrgang 1968
  • Nadja Georg, Hausfrau, Jahrgang 1979
  • Dorian Ibruli, Außendienstmitarbeiter, Jahrgang 1988

Nord-Holland in Zahlen

  • Einwohner: 16 587
  • Einwohner mit Migrationshintergrund: 66,8 %
  • Durchschnittsalter: 35,1 Jahre
  • Differenz der Zu- und Fortzüge: plus 81
  • Haushalte: 9116
  • Personen je Haushalt: 1,82
  • Alleinerziehende: 27,5 %
  • Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: 5489
  • Arbeitslosenquote: 15,0 %
  • Leistungsempfänger: 30,2 %
  • Private Autos je 1000 Einwohner: 193,7

Quelle: Aktuellste Angaben aus dem Statistik-Atlas der Stadt Kassel

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