Prostitution und Drogenhandel

Schmuddelhaus am Holländischen Platz: Schlimmste Bewohner sollen raus

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Direkt an der Kreuzung: In dem Mietshaus am Holländischen Platz gibt es 203 Apartments – und jede Menge Probleme. Die Eigentümer wollen nun verstärkt dagegen vorgehen.

Kassel. Kakerlaken, Müll, Kriminalität: Im großen Wohnkomplex am Holländischen Platz herrschen schlimme Verhältnisse. Doch das soll sich nun ändern.

Schon zweimal haben wir über die Zustände in dem Gebäude am Holländischen Platz berichtet. Inzwischen sind die Eigentümer aktiv geworden, um die Verhältnisse im Haus zu verbessern.

Das große Eckhaus am Holländischen Platz ist keine Vorzeigeadresse, da macht sich Helmut Alex nichts vor. Er besitzt sieben Apartments in dem Komplex und ist Vorsitzender des Eigentümerbeirats.

In den vergangenen zwei Jahren sei die Situation eskaliert, sagt der Kasseler. Im Haus und drumherum finden Prostitution und Drogenhandel statt, es gibt Ratten und Kakerlaken und jede Menge Müll. Es ist keine Seltenheit, dass in den Hausflur gepinkelt oder gar das große Geschäft erledigt wird.

Insgesamt gibt es 203 Wohnungen in dem Eckhaus Wolfhager Straße 2 / Holländische Straße 17. Sie gehören 140 verschiedenen Eigentümern, von denen viele nicht aus der Region kommen.

Man habe viel versucht, um die Zustände zu verbessern, sagt Alex: So habe man einen Sicherheitsdienst für tägliche Kontrollen engagiert und „Gangbeauftragte“ ernannt, die die Etagen im Blick behalten und Probleme melden. Eigentümer, die ihre Mieter trotz anhaltender Verstöße gegen die Hausordnung gewähren ließen, wurden abgemahnt.

Die Problemmieter

Im Wesentlichen seien es 15 Wohneinheiten, von denen der Großteil der Probleme im Haus ausgehe, sagt Alex. In vielen Fällen seien sie an Bulgaren vermietet – oftmals zu überteuerten Preisen. Mitunter teilten sich zehn Personen eine 20-Quadratmeter-Wohnung. Immer wieder komme es vor, dass Müll einfach aus dem Fenster geworfen werde. Zudem hätten Bewohner schon mehrfach ihre Spüle abmontiert und so für Wasserschäden gesorgt.

Bei einem Eigentümer, der sechs Wohnungen an solche notorischen Problem-Bewohner vermiete und sich um nichts kümmere, will die Eigentümergemeinschaft jetzt Ernst machen und ihn zum Verkauf seiner sechs Wohnungen zwingen. Einen entsprechenden Beschluss hat die Eigentümerversammlung vor wenigen Tagen einstimmig gefasst. Notfalls wollen sie den Fall vor Gericht bringen. Nur so habe man eine Chance, die problematischen Mieter aus dem Haus zu kriegen, sagt Alex.

Das Kakerlaken-Problem

Der Gebäudeteil an der Wolfhager Straße ist von Kakerlaken befallen. Auch hier seien oft Bulgaren, die aus ärmlichsten Verhältnissen stammten und andere Hygienevorstellungen hätten, das Problem, bedauert Alex. Man habe eine fünfstellige Summe für die Bekämpfung ausgegeben – ohne dauerhaften Erfolg. Schaben könne man nur ausmerzen, wenn sie simultan im ganzen Haus bekämpft werden. Sonst suchten sie sich Ritzen und tauchten bald wieder auf.

Im November habe man für eine solche Simultanbekämpfung deshalb die städtischen Behörden eingeschaltet. Zusammen mit Gesundheits- und Ordnungsamt sei als Termin der 13. Dezember vereinbart worden. Doch die Vertreter der Ämter seien nicht erschienen, sagt Alex. Nach mehrfachem Drängen sei nun ein neuer Termin für Ende Februar angesetzt. „Das Ungeziefer ist inzwischen nicht weniger geworden“, ärgert sich der Vorsitzende des Eigentümerbeirats.

Die Stadt begründet die kurzfristige Absage im Dezember damit, dass man Hinweise erhalten habe, dass einige Mieter den Zutritt zu ihrer Wohnung verweigern wollten, sagte ein Rathaus-Sprecher. Die nötigen ordnungsrechtlichen Verfügungen, um auch gegen den Willen der Mieter die Wohnungen betreten zu dürfen, habe man da nicht mehr rechtzeitig vorbereiten können. Für Ende Februar werde man alles parat haben.

Das Drogen-Problem

Vorwürfe erhebt der Vorsitzende des Eigentümerbeirats auch gegen die Polizei. Im Bereich des Lokals „Montenegro“ im Erdgeschoss werde offen mit Drogen gedealt. Die Junkies warteten dann, bis jemand die Haustür öffne und setzten sich ihren Schuss im Flur, berichtet Alex. Der hauseigene Sicherheitsdienst habe immer wieder die Polizei gerufen. „Aber denen ist das offenbar egal, dass dort Drogen verkauft werden“, sagt Alex. Man habe inzwischen die Staatanwaltschaft informiert, dass die Polizei nicht tätig werde.

Polizeisprecher Torsten Werner widerspricht der Darstellung. In dem Wohnkomplex fänden immer wieder Einsätze und Kontrollen statt – auch in der Gaststätte. Häufig gehe es um Gewalt, Sachbeschädigung, Diebstahl sowie Drogendelikte. „Die Kasseler Polizei ist dort präsent.“

Hintergrund: Entziehung des Wohneigentums

Der Schutz des Eigentums ist in Deutschland im Grundgesetz garantiert (Artikel14). Dementsprechend sind die Hürden sehr hoch, jemandem sein Wohneigentum zu entziehen. Eine Eigentümergemeinschaft in einem Mehrfamilienhaus ist normalerweise unauflöslich. Das heißt, mit den Miteigentümern muss man sich arrangieren. Das Wohneigentumsgesetz (WEG, Paragraf 18) sieht aber die Möglichkeit vor, einem störenden Miteigentümer unter bestimmten Voraussetzungen das Wohneigentum zu entziehen. Wenn der Betroffene trotz Abmahnung wiederholt gegen seine Pflichten verstößt, kann die Eigentümergemeinschaft beschließen, dass derjenige sein Eigentum nicht behalten darf. Der Begriff Entziehung ist dabei missverständlich: Gemeint ist, dass von dem Miteigentümer verlangt werden kann, dass er seine Wohnungen verkauft. Kommt der Eigentümer der Aufforderung nicht freiwillig nach, kann die Eigentümergemeinschaft auf Entziehung des Wohneigentums klagen (Entziehungsklage). Dann kommt es gegebenenfalls zu einer Zwangsversteigerung.

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