Wasserschaden seit über drei Jahren nicht behoben

Neues vom Schmuddelhaus am Holländischen Platz: Ladenbesitzer nach Randale vor Ruin

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Sorgt erneut für Negativmeldungen: Das „Schmuddelhaus“ am Holländischen Platz.

Kassel. Das sogenannte Schmuddelhaus am Holländischen Platz in Kassel hat schon häufiger für Negativschlagzeilen gesorgt. Nun ist die wirtschaftliche Existenz eines Ladenbesitzers bedroht.  

Als Hamed Anvari vor vier Jahren einen Laden an der Holländischen Straße kaufte, waren an die Investition Hoffnungen auf eine sichere Zukunft in bescheidenem Wohlstand geknüpft. Der 52-jährige Kasseler verkauft und repariert Computer und hatte bis dahin einen Laden ganz in der Nähe gemietet. „Ich wollte mir die Miete sparen, deshalb habe ich den Laden gekauft.“ Der Umzug lief reibungslos, eine Weile betrieb er beide Geschäfte noch parallel. Der Haken an der Sache: Anvaris neuer Laden befindet sich im Untergeschoss des berüchtigten „Schmuddelhauses“ am Holländischen Platz

Der Wohnkomplex mit 203 Eigentumswohnungen geriet in der jüngeren Vergangenheit häufiger in die Schlagzeilen – mal wegen Kakerlakenbefalls, mal wegen Drogendealerei, mal wegen Prostitution. Auch Anvari musste schnell feststellen, dass nicht alle Bewohner an einem friedlichen Miteinander interessiert sind. Als er gerade drei Monate in seinem neuen Laden war – im Februar 2015 – randalierte drei Stockwerke über ihm ein Mieter in seiner Wohnung, riss seine Küche raus und verursachte dadurch einen Wasserschaden. Fortan tropfte es kontinuierlich in Anvaris Laden, Teile der Decke bröckelten herunter. Das Wasser zerstörte Computer und Drucker.

Mai 2018: Auch über drei Jahre nach dem Wasserschaden sickert weiterhin Wasser in Hamed Anvaris Laden. Deckenteile bröckeln immer wieder ab. 

Bis heute wurde der Schaden nie richtig beseitigt. Der Eigentümer habe die Wohnung auf seine im Ausland lebende Tochter übertragen, sagt der Vorsitzende des Wohnungseigentümerbeirats Helmut Alex. Der Mann fungiere offiziell nur noch als Wohnungsverwalter und weise jegliche Verantwortung von sich. Interesse an einer Instandsetzung der Wohnung oder am Beheben der Schäden zeige er nicht.

Trotzdem zog die Hausverwaltung gegen den Wohnungseigentümer vor Gericht – und gewann. Im vergangenen Dezember urteilte das Kasseler Amtsgericht, dass der Mann seine sechs Wohnungen im Schmuddelhaus verkaufen muss. Dagegen hat er Berufung eingelegt. Einen Termin für das Verfahren gibt es noch nicht. 

Trotzdem: Etwas Bewegung ist in die Sache gekommen. Drei der sechs Wohnungen habe er inzwischen verkauft, sagt Alex. Allerdings an eine mutmaßliche Bekannte. Die Klientel bleibe problematisch. Dort, wo der der Wasserschaden entstand, würden meist über zehn Leute gleichzeitig leben. Alex geht davon aus, dass dort mit Drogen gedealt und Frauen prostituiert würden. Einmal habe er gesehen, wie der Mieter seine Freundin zum Anschaffen zur Jägerstraße gebracht habe. Als sie mit einem Freier zurückkam, hätten über zehn Leute die Wohnung verlassen und auf dem Flur gewartet, bis sie fertig war.

Dass der Eigentümer wohl auch die restlichen drei Wohnungen verkaufen muss, hilft Hamed Anvari nur bedingt. Sein Laden, den er zwischenzeitlich, „als es für einige Zeit oben ruhig war“, an einen Friseur vermietet hatte, steht nun seit über einem Jahr leer. Er selbst ist ist schon lange zur Miete zurück in seinem alten Laden.

Einmal pro Woche kommt Anvari, um das Wasser wegzuwischen, das von der Decke in seinen Laden und an schlechten Tagen bis auf die Straße läuft. Ab und an seien auch Fäkalien dabei. „So kann man kein Geschäft betreiben.“ Einen Käufer findet Anvari nicht. Auch den angemieteten Laden wird er wohl aufgeben müssen. Für den Leerstand zahlt er 453 Euro Hausgeld im Monat. „Der Kauf hat mich finanziell ruiniert.“ Inzwischen hat Anvari Hartz IV beantragt.

Kakerlaken, Prostitution und Drogen - Was bisher im Schmuddelhaus geschah

Es ist nicht das erste Mal, dass das Schmuddelhaus am Holländischen Platz in den Schlagzeilen landet. Was bisher geschah:

  • 12. Februar 2015: Ein Mieter im dritten Stock randaliert und nimmt seine Küche auseinander. Es kommt zu einem Wasserschaden in den Wohnungen darunter und in Hamed Anvaris Laden im Erdgeschoss. Die Hausverwaltung fordert den Wohnungsbesitzer auf, die Schäden zu ersetzen und dem Mieter zu kündigen.
  • 19. September 2016: Unsere Zeitung berichtet erstmals umfassend über die Verhältnisse im Schmuddelhaus, das zu dieser Zeit fast täglich wegen gewaltsamer Auseinandersetzungen oder Drogendelikten für Polizeieinsätze sorgt.
  • 11. Oktober 2016: Wieder gerät das Haus in die Schlagzeilen. Diesmal wegen eines Kakerlakenbefalls.
  • 18. Februar 2017: Die Eigentümergemeinschaft beschließt, gegen den Eigentümer der sechs größten Problem-Wohnungen vorzugehen – notfalls gerichtlich.
  • 28. Februar 2017: In einer groß angelegten Aktion machen zwei Schädlingsbekämpfer gemeinsam mit dem städtischen Ordnungs- und Gesundheitsamt den Kakerlaken im Haus den Garaus.
  • 5. Dezember 2017: Das Amtsgericht Kassel urteilt, dass der Eigentümer seine sechs Wohnungen verkaufen muss. Er geht in Berufung.

Schädlingsbekämpfer entfernten Kakerlaken aus Schmuddelhaus

 © Malmus
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